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Opel-Einstieg: Fiat wittert neue Chance

Das Tohuwabohu beim Opel-Poker hat Fiat wieder auf den Plan gerufen. Während sich General Motors und Bundesregierung um die Zukunft des deutschen Autobauers zanken, wollen nun auch die Italiener angeblich wieder ins Bieterrennen einsteigen.

Fiat könnte möglicherweise wieder in das Rennen um Opel einsteigen. Der italienische Autobauer prüfe einen neuen Anlauf, für das Europageschäft von General Motors (GM) zu bieten, berichtete die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Mittwoch unter Berufung auf Unternehmenskreise. Das Fiat-Management habe keinen Schlussstrich unter die Opel-Pläne gezogen. Da die konkurrierenden Gebote für Opel inzwischen nur schwer realisierbar schienen, erwäge das Unternehmen einen zweiten Versuch.

Fiat glaube, dass das Magna-Konzept "labil" sei, weil es vor allem auf die Expansion in Russland und anderen osteuropäischen Märkte setze, wo der Auto-Absatz zuletzt stark eingebrochen sei, schreibt "La Repubblica". Die Strategie des italienischen Autobauers beruhe dagegen auf einem "industriellen Plan". Fiat war Ende Mai aus dem Bieterverfahren um Opel ausgestiegen, als die Bundesregierung sich stärker dem kanadisch-österreichischem Zulieferer Magna zugeneigt hatte.

Merkel erteilt RHJI erneute Absage

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, dass bei einem Verbleib von Opel beim Mutterkonzern General Motors keine deutschen Steuergelder fließen würden. "Was in Europa finanziert wird, muss auch in Europa bleiben", sagte Merkel dem Nachrichtensender N24. Eine solche Lösung sei der Bundesregierung von GM auch noch nie vorgeschlagen worden. Laut "Wall Street Journal" prüft GM derzeit die Alternative, Opel zu behalten und den Autobauer selbst zu sanieren.

Die Bundesregierung habe sich für Magna entschieden und sei bereit, für dieses Konzept Geld zu geben, sagte Merkel. Nicht jedoch für das offenbar von GM bevorzugte Konzept des belgischen Investors RHJI. Spekulationen, Vertreter der Bundesregierung hätten bei dem Gespräch mit GM am Dienstag erstmals die Bereitschaft erkennen lassen, auch einem Verkauf an die Belgier zuzustimmen, falls sie einen industriellen Partner aus der Autobranche präsentieren könnten, wurden in Berlin zurückgewiesen. Die Chancen des Finanzinvestors hätten sich nicht verbessert, hieß es in Verhandlungskreisen.

Opel-Betriebsrat bläst Protestaktionen ab

Merkel betonte, nun werde mit den Amerikanern über offene Fragen beim Magna-Konzept verhandelt. Für das schleppende Tempo machte die Kanzlerin den Personalwechsel im GM-Verwaltungsrat verantwortlich, in dem sieben von 15 Mitgliedern ausgetauscht worden waren. Zwar wäre eine möglichst baldige Klärung auch im Sinne des US-Mutterkonzerns, sagte Merkel. "Aber es muss auch Inhalt vor Schnelligkeit gehen. Und wenn jetzt noch Fragen zu klären sind, dann werden wir sie klären." Die Regierungschefin erwartet aber wesentliche Fortschritte bis zur nächsten GM-Verwaltungsratssitzung am 8./9. September.

Der Opel-Betriebsrat legte unterdessen seine Pläne für Protestaktionen der Mitarbeiter gegen General Motors auf Eis. "Wir wollen unsere Verantwortung übernehmen und nicht Randale um der Randale willen machen", sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Die 25.000 deutschen Opel-Beschäftigten wollten eigentlich mit Protestaktionen den Druck auf den ungeliebten früheren Mutterkonzern erhöhen. Nun wollen die Betriebsräte und Gewerkschaften die weiteren Gespräche abwarten und nicht Öl ins Feuer gießen. Allerdings hatten die Arbeitnehmer ihren solidarischen Verzicht auf das Urlaubsgeld zurückgenommen.

joe/AFP/AP/DPA / AP / DPA