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Opelaner über GM: "Die haben uns schon oft beschissen"

General Motors hat derzeit angeblich keine konkreten Pläne, Opel-Werke zu schließen. Die Beschäftigen des traditionsreichen Autobauers beruhigt das aber nur wenig: "Die haben uns schon oft beschissen." Und tatsächlich: Eine Bestandsgarantie gibt es nicht. Immerhin überlässt GM die Krisenplanung für Opel nun den Europäern.

Die Zusicherung der Konzernführung, dass der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) derzeit keine Werksschließungen in Deutschland plant, gibt den Belegschaften nach Ansicht des Bochumer Betriebsrats ein "gewisses Maß an Sicherheit". Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel sagte am Donnerstagmorgen: "Das bestätigt, dass die Gerüchte, GM werde den Opel-Standort in Bochum schließen, nicht stimmen." Zugleich bekräftigte er, dass Opel aus GM herausgelöst werden sollte. "Wir sollten die Chance bekommen, unseren eigenen Weg zu gehen", sagte Einenkel. Man könne auch ohne GM "sehr gute Autos" bauen. "Uns sind in dieser Ehe viele Probleme eingebrockt worden", betonte der Betriebsratschef. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte nach einem Gespräch mit GM-Chef Rick Wagoner in Detroit verkündet, der Konzern habe derzeit keine konkreten Pläne für Werksschließungen.

Zunächst einmal sei es eine "gute Nachricht für alle Belegschaften, dass die diskutierten Werksschließung in Deutschland nicht erfolgen", sagte Einenkel. "Es ist wichtig, dass die Menschen in der Region schnell Klarheit und größtmögliche Sicherheit bekommen." Sicher fühlen sich die Opelaner allerdings trotz der guten Nachrichten aus Übersee nicht. "Die Schließung ist vorerst vom Tisch. Aber die haben uns ja schon öfters hinters Licht geführt", sagte ein Monteur vor Beginn der Frühschicht im Bochumer Opelwerk.

Opelaner rechnen mit Stellenstreichungen

Vor allem auf eine Herauslösung aus dem GM-Konzern setzen viele ihre Hoffnung - "wenn es machbar ist", wie ein Beschäftigter sagte. Auch ein Einstieg des Staates ist für eine Angestellte denkbar. "Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn kein Geld aus Amerika kommt." Dass Stellenstreichungen kommen werden, glauben ebenfalls viele. "Das kommt hundertprozentig, vielleicht gibt es auch einen Nachtschichtabbau." Die Stimmungslage beschrieben die Beschäftigten mit "gedrückt", "mies" oder "beschissen".

Betriebsrat Einenkel kann die Unsicherheit der Opel-Beschäftigten verstehen - zumal NRW-Ministerpräsident Rüttgers keine langfristige Bestandsgarantie für die Opel-Werke erhalten hat. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass GM mit seinen Entscheidungen und Drohungen von Entlassungen und Werksschließungen immer wieder viel Unruhe bei Opel reingebracht hat", kritisierte er die GM-Unternehmenspolitik scharf. Er warb aber auch um Verständnis für den Mutterkonzern. "Man darf nicht die Augen davor verschließen, dass derzeit massive und schmerzhafte Einschnitte von GM verlangt werden." Deshalb will das Unternehmen jeden fünften Arbeitsplatz abbauen, außerhalb der USA sollen 26.000 Stellen gestrichen werden. Wagoner verlangt Einsparungen von 1,2 Milliarden Dollar in Europa.

GM erwartet nun Planung aus Europa

Angesichts der Existenz bedrohenden Probleme bei GM plädierte Einenkel für eine rasche Suche nach Alternativen. Man müsse nach Partnern suchen, mit denen man auch in Zukunft gute Autos bauen könne, sagte der Betriebsratschef. Es sei ein positives Signal, dass GM-Chef Wagoner seine Meinung geändert habe und nun auch offen sei für eine Herauslösung von Opel. "Dieses Angebot muss nun ergriffen werden."

Opel Europe soll nach dem Willen der GM-Spitze in den kommenden Wochen einen Sanierungsplan ausarbeiten. GM-Chef Wagoner ist aber zugleich offen für eine schrittweise Herauslösung Opels aus dem ums schiere Überleben kämpfenden Konzern. "Es ist uns ein Stein vom Herzen gefallen", sagte Rüttgers nach dem Gespräch mit dem GM-Boss. Er habe deutlich machen können, dass der Erhalt der deutschen Werke Voraussetzung für Staatshilfen sei, auf die ja auch Wagoner bei der GM-Sanierung setzt. Dass die Planung nun in europäischen Hände liege, mache ihn sehr zuversichtlich, sagte Rüttgers. Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard, der an dem Gespräch teilgenommen hatte, zeigte sich ebenfalls zufrieden. "Wagoner ist offen für eine Beteiligung Dritter und eine Herauslösung von Opel", sagte er.

DPA/AP / AP / DPA