Piëch & Wiedeking bei Audi-Gala Der Showdown wird vertagt


Eigentlich ging's um Audi - doch bei der 100-Jahr-Feier der Marke hatten alle nur Augen für die starken Männer von Porsche und VW: Wie würden sich Wendelin Wiedeking und Ferdinand Piëch gegenübertreten? Doch die Rivalen taten den Gästen nicht den Gefallen - und ließen den Showdown einfach ausfallen.

Für einen Abend begruben die Streithähne von Volkswagen und Porsche das Kriegsbeil. Passend zum Wetter hieß die Devise während der großen Feier zum 100. Geburtstag von Audi in Ingolstadt am Donnerstag eitel Sonnenschein. Kein Schatten sollte durch das Machtgerangel der beiden Autokonzerne und ihrer Alphatiere auf die Feier fallen. Zwar kamen alle relevanten Akteure vom VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch über Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bis hin zu Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, sie hielten sich aber zurück und gaben sich demonstrativ aufgeräumt.

"Heute sind wir zum Feiern hier", betonte Wulff. Konkreten Fragen zum Verhandlungsstand zwischen Wolfsburg und Stuttgart wich er aus. "Audi ist eine Erfolgsgeschichte, und mein Interesse ist es, weitere solche Erfolgsgeschichten zu schreiben", sagte der Niedersachse am Rande der Galaveranstaltung. Für Neuigkeiten in Sachen VW/Porsche verwies er auf den kommenden Donnerstag. "Bis dahin müssen alle Geduld haben." Am 23. Juli tagt sowohl der Aufsichtsrat von Porsche als auch von VW in Stuttgart.

Wulff posierte in einem seltenen Bild der Eintracht scherzend mit seinem Kollegen Günther Oettinger aus Baden-Württemberg, der für die Selbstständigkeit von Porsche kämpft. Der VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch überließ die Bühne an diesem Abend Audi-Chef Rupert Stadler und schwieg zum Knatsch um Porsche. Piëch ist sonst durchaus für seine überraschenden Attacken und Querschüsse bekannt und gefürchtet. Erst im Mai hatte er von Sardinien eine Breitseite gegen Wiedeking abgefeuert.

Wiedeking versuchte sich ungeachtet von Rücktrittsgerüchten und Spekulationen über seine kurzfristige Absage ebenfalls in Feierlaune, schob aber dann doch eine kleine Spitze nach. "Ich bin glücklicher Vorstandschef und fühle mich in der Rolle pudelwohl", sagte der Porsche-Manager. Sein Vertrag laufe bis 2012 und den wolle er erfüllen. Zu den Diskussionen um seine Person und den Ausgang des Gerangels um die Zukunft von Porsche sagte der Manager: "Wir haben eine Aufgabe zu lösen für die Firma und die Belegschaft."

Damit wurde der Showdown vorerst um eine Woche vertagt. Ob der nächste Donnerstag tatsächlich zum Tag der Entscheidung wird, ist indes unklar. Zuletzt hieß es, es solle noch vor den Sitzungen der Kontrollgremien eine Grundsatzentscheidung der Porsche-Eignerfamilien Porsche und Piëch fallen. Auf dem Tisch liegt das von Niedersachsen favorisierte Konzept, nach dem VW fast die Hälfte des Autogeschäfts von Porsche übernimmt. Wiedeking setzt dagegen auf das Golf-Emirat Katar als neuen Geldgeber, um sich von der drückenden Schuldenlast zu befreien. Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von VW verhoben und sucht nun händeringend neue Geldquellen.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hingegen sieht auch die Familien in der Pflicht. Letztere seien nun am Zug, nachdem der Sportwagenbauer habe sie "reich gemacht", mahnte der Betriebsratschef am Mittwochabend. Bislang kontrollieren die Familien Porsche/Piëch den Stuttgarter Autobauer allein und haben sich dazu verpflichtet, einstimmige Entscheidungen zu fällen. Gerüchte, die Familien hätten die von VW favorisierte Lösung so gut wie beschlossen, wies Hück zurück. "Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben mir das Wort gegeben, dass es noch keine Entscheidung gibt."

Michael Friedrich, Dorothee Tschampa/DPA DPA

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