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PREISE: Bahn: Telefonischer Ticket-Verkauf teurer

Der Preis pro Anruf bei den Bahn-Call-Centern steigt ab 1. Juli von 12 auf 61 Cent pro Minute. Gleichzeitig kommt ein kostenloses automatisches Auskunftssystem.

Das Ziel ist, Kunden zu ermuntern, ihre Fahrkarten auf anderem Weg zu kaufen und den Service in den Call-Centern zu verbessern, sagte Hans-Gustav Koch, Vorstand im Unternehmensbereich Personenverkehr der Deutschen Bahn AG, in Frankfurt.

Zu teurer Vertriebskanal

Viele der rund 30 Millionen Anrufer pro Jahr hatten die Call-Center lediglich als telefonische Zug-Auskunft und nicht zum Kauf eines Tickets genutzt. Die Call-Center sind im Vergleich zu anderen Vertriebswegen wie Internet, Automaten oder Reisezentren in den großen Bahnhöfen zu teuer. »Call-Center ist der teuerste Vertriebskanal«, sagte Koch. Die Zahl der rund 1.00 Arbeitsplätze in den neun Call-Centern der Bahn soll nicht reduziert werden, aber der Service ist verbesserungswürdig. Zurzeit werden nur rund 75 Prozent der Anrufer innerhalb von 20 Sekunden bedient. Um diese »Erreichbarkeit« auf 90 Prozent zu steigern, müsste die Bahn 700 zusätzliche Beschäftigte einstellen.

Fahrkartenschalter auf Prüfstand

Insgesamt will die Bahn ihre jährlichen Vertriebskosten ab 2005 um 150 Millionen Euro im Vergleich zu 2000 senken. Der Ticket-Verkauf über das Internet soll von derzeit weniger als einem Prozent auf 20 Prozent bis 2006 gesteigert werden. Auch an Automaten sollen Kunden häufiger ihr Ticket kaufen. Außerdem werden auch alle Fahrkartenschalter auf ihre Rentabilität überprüft. Für rund 300 kleine Schalter mit ungünstigen Öffnungszeiten könnte eine Schließung in Frage kommen, meinte Koch. Anstatt am Schalter im Bahnhof könnten Bahnkunden ihre Fahrkarten dann möglicherweise nach dem Beispiel der Post-Agenturen beim Fleischer oder in der Gastwirtschaft um die Ecke kaufen.

Ticket-Verkaufsstellen geschlossen

Entlassungen sind aber nicht geplant. »Dies ist kein Arbeitsplatz-Abbauprogramm«, unterstrich Koch. Für betroffene Beschäftigte könnten andere Arbeitsplätze bei der Bahn gefunden werden. Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Bahn nach eigenen Angaben 130 solcher kleinen Ticket-Verkaufsstellen auf dem Land geschlossen.

Kostenlose Fahrplanauskunft

Telefonische Fahrplanauskünfte sollen vom 1. Juli an über eine 0800-Vorwahlnummer kostenlos einzuholen sein. Dieses Sprachdialog-System ist nach Darstellung der Bahn eine automatisierte Reiseauskunft. »Dafür brauchen Sie keine Menschen, das ist der große Vorteil«, sagte Koch. Das neue System soll wesentlich besser funktionieren als das vor einigen Jahren eingesetzte, mit dem es zahlreiche Probleme gab.

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