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Sanierung: Umbau soll Arcandor retten

Eine dramatische Schieflage zwingt den Handelskonzern Arcandor zum Umbau. Technikcenter und tausende Shops werden ausgegliedert, Kaufhäuser verkauft. Das Luxusgeschäft hat beim früheren Karstadt-Quelle-Konzern keine Chance mehr, die Masse soll es künftig machen.

Der Handelskonzern Arcandor, einst Karstadt-Quelle, wird umgebaut. Alle Geschäfte, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören und sanierungsbedürftig sind, werden in eine neue Gesellschaft ausgegliedert, teilte der im Börsenindex MDax notierte Konzern am Montag in Essen mit.

Betroffen ist vor allem die Versandhandelstochter Primondo, zu der Quelle gehört. 115 Technikcenter sollen genauso ausgegliedert werden wie rund 1500 Quelle-Shops. Drüber hinaus bereitet der Konzern die Trennung von acht Karstadt-Filialen vor. Die betroffenen Standorte sollen künftig genauso wie die Luxus-Häuser der so genannten Premium-Group, zu denen das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg gehören, in einem separaten Vorstandsressort weiterentwickelt werden. Angaben zu einem möglichen Stellenabbau machte der Konzern nicht. Die Aktie stürzte zunächst ab, erholte sich anschließend aber wieder etwas.

Das kriselnde Unternehmen braucht für die Sanierung in den kommenden fünf Jahren weitere Kredite in Höhe von 900 Millionen Euro. Das Geld ist zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung im Sommer notwendig. Der Konzern will künftig in allen drei Kerngeschäftsbereichen - Warenhausgeschäft, Versandhandel und Touristik - positive Ergebnisse erzielen. Ziel ist es laut Vorstandschef Karl-Gerhard Eick zudem, die durchschnittlichen jährlichen negativen Cash Flows von rund 300 Millionen Euro möglichst schnell auf Null zu bringen. Ein negativer Cashflow bedeutet, dass Geld aus dem Unternehmen abfließt und die Liquidität aufgezehrt wird.

Vorstandschef Eick bekannte sich zugleich zum Touristikgeschäft und will den Bereich trotz weiteren Finanzbedarfs für die Sanierung des Konzerns nicht verkaufen. "Der Touristikbereich Thomas Cook ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor", erklärte er. Zuletzt hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass sich Arcandor von seiner Mehrheitsbeteiligung an Thomas Cook trennen könnte, um die Sanierung im Versandhandel und Warenhausgeschäft zu finanzieren.

Arcandor will den Einkauf bündeln und dadurch bis zu 350 Millionen Euro sparen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollen Synergien von bis zu fünf Prozent des Arcandor-Einkaufsvolumens (ohne Thomas Cook) in Höhe von mehr als sieben Milliarden Euro erzielt werden.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters