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Schaden in Millionenhöhe: So funktionieren die Tricks der Pfandbetrüger

Mit Pfand lässt sich Geld verdienen. Das wissen nicht nur ehrliche Flaschensammler, sondern auch Betrüger. Die lassen sich immer ausgetüfteltere Maschen einfallen, um Automaten zu manipulieren, wie Mitarbeiter von Lidl und Aldi verrieten.

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Ein und dieselbe Pfandflasche mehrfach in den Automaten geben - das kann sich schnell lohnen (Symbolbild)

Für die Täter selbst ist es womöglich nur ein Kavaliersdelikt, laut Gesetz aber begehen sie eine Straftat: Der Betrug mit Pfandflaschen entwickelt sich in Deutschland zu einem größer werdenden Problem. Offenbar zu verlockend ist der Ausblick aufs schnelle Geld, entsprechend immer ausgetüftelter die Masche, mit denen Kriminelle die Pfandautomaten manipulieren. Wie dreist die Betrüger inzwischen vorgehen, berichteten nun Mitarbeiter der Discounterketten Lidl und Aldi dem Magazin "Chip".

Besonders verbreitet ist demnach eine Methode, bei der die Pfandflasche mit einer Angelschnur versehen wird. Hat der Automat die Flasche erkannt und akzeptiert, ziehen die Betrüger diese blitzschnell wieder aus dem Gerät, ehe sie zur Vernichtung weitergeleitet wird. Anschließend kann die Flasche erneut eingeführt werden - ein Prozedere, das sich gerade im Fall von 25-Cent-Leergut schnell lohnen kann, wie auch die Staatsanwaltschaft Köln feststellen musste: Allein in 2016 leitete man 14 Ermittlungsverfahren wegen derartiger Betrugsfälle ein. Zur Anzeige kämen solche Vorfälle allerdings nur sehr selten, erklärt eine Lidl-Kassiererin in dem Bericht. "Viele ergreifen die Flucht".

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Gefälschte Logos auf eigentlich pfandfreien Flaschen

Wohl auch deshalb sahen sich viele Supermärkte und Discounter genötigt, ihre Pfandautomaten nachzurüsten. Mittlerweile schlügen die Geräte Alarm und zeigten einen Hinweis im Display an, sobald eine eingegebene Flasche nachträglich wieder aus dem Schacht gezogen werde, so die Kassiererin weiter.

Schutz vor einer anderen, ebenfalls beliebte Masche bietet das Technik-Update jedoch nicht. So hätten sich einige Betrüger inzwischen darauf spezialisiert, das Logo der Deutschen Pfandsystem GmbH (DPG) zu kopieren und dieses auf eigentlich pfandfreie Flaschen zu kleben. Und nicht nur auf die. "Vor wenigen Jahren hatten wir den Fall, dass Klopapierrollen so bedruckt und in das Gerät eingeführt wurden", berichtet eine Aldi-Nord-Mitarbeiterin "Chip".

Auch hier reagierten die Unternehmen zwangsläufig. Neben dem Pfandlogo würden manche Geräte inzwischen auch den sogenannten EAN-Code überprüfen. Sei eine Flasche zerdrückt oder das Etikett zusammengeknüllt, verhindere eine Fehlermeldung die Annahme des Leerguts, so ein Mitarbeiter von Lidl

Kölner erbeutet rund 44.000 Euro mit Pfandbetrug

Wie lukrativ der Betrug mit Pfandflaschen sein kann, zeigte Ende 2016 der Fall eines Kölner Getränkehändlers. Der 37-Jährige hatte einen einen Pfandrückgabeautomaten mit Hilfe eines Holztunnels und eines Magnetsensors so umgebaut, dass Flaschen zwar gescannt, aber nicht geschreddert wurden. So konnte er dieselbe Flasche immer wieder neu einstecken und das Pfand einlesen lassen - insgesamt schätzungsweise fast 180.000 Mal. Mit der Zeit kam auf diese Weise eine Summe mehr als 44.000 Euro zusammen.

Erst nach einem anonymen Hinweis ging der Mann der Polizei ins Netz. Später verurteilte ihn das Amtsgericht Köln wegen gewerblichen Betrugs zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung.

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mod