HOME

Forderung vom Bundesrat: Zahlen wir bald Pfand für Saftkartons, Milchtüten und Weinflaschen?

Bierflaschen sind pfandpflichtig, Weinflaschen nicht. Das gilt auch für Saft in Tetrapacks, während für Wasser in Plastikflaschen Pfand fällig wird. Eine verwirrende Regelung findet der Bundesrat. Und fordert eine umfassende Pfandpflicht. Neu ist die Idee nicht.

Pfand auf Getränkekartons und Weinflaschen

Der Bundesrat fordert Pfand für Tetrapacks und Weinflaschen

Deutschland, dein Pfandsystem: Wer Getränke in Kisten kauft, zahlt Mehrwegpfand. Doch das ist nicht gesetzlich geregelt. Und so blechen Kunden für Bierflaschen mit Bügelverschluss mal 15, 25 oder auch 50 Cent. Bei Coca Cola in Mehrweg-Plastikflaschen sind es 15 Cent, Ginger Ale und Co. aus dem Hause Schweppes bekommen Kunden hingegen schon für 10 Cent. Verwirrend? Richtig - und das war nur der Mehrwegpfand-Irrsinn. Das absurdeste Pfand wird wohl auf 1,5-Liter-Einwegflaschen mit Mineralwasser vom Discounter fällig. Dort zahlen kunden 25 Cent für die Flasche - der Inhalt kostet dagegen nur 19 Cent.

Klar ist: Das Pfandsystem erhöht die Rückgabe der Flaschen. Die Rückgabequote der Einweg- und Mehrwegverpackungen zusammengenommen liegt bei 99 Prozent, so eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC für die Deutsche Umwelthilfe. Doch nicht alle Getränke gibt es in pfandpflichtigen Verpackungen. Getränkekartons für Milch oder Saft und Glasflaschen für Wein und Schnaps fallen aus dieser Regelung raus. Das liegt am Inhalt - nicht am Verpackungsmaterial.

Für Verbraucher ein sehr verwirrendes Pfandsystem, befindet der Bundesrat. Die Länderkammer kritisiert diesen Wildwuchs bei der Pfandregelung in einer Stellungnahme zum Entwurf des Verpackungsgesetzes von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die Forderung des Bundesrats: Künftig soll sich die Pfandpflicht nicht mehr an Größe und Inhalt einer Getränkeverpackung orientieren, sondern am verwendeten Material dafür. Konkret bedeutet das: Milchtüten, Saftkartons, aber auch Flaschen mit Wein oder Hochprozentigem könnten dann pfandpflichtig werden. 

Kritik von Milchindustrie und Winzern

Die Hersteller der davon betroffenen Getränkegruppen sind entsetzt."Es besteht kein Grund, das etablierte System zu zerschlagen", sagt Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbands Eckhard Heuser zur "Welt". Für Winzer könnte die Teilnahme am Pfandsystem sogar existenzbedrohend sein, so das Deutsche Weininstitut zur "Welt". Denn die Winzer müssten nicht nur die eigenen Produkte in Pfandflaschen abfüllen und für einen Kreislauf der Flaschen sorgen, sondern wären Teil des großes Systems - und müssten somit auch anderes Leergut zurücknehmen. Und den Kunden dafür Pfand auszahlen. "Das können die kleinen Familienbetriebe gar nicht leisten", zitiert die "Welt" das Deutsche Weininstitut.


Pfandregelung wird seit Jahrzehnten diskutiert

Neu ist die Idee nicht. So wurde 2004 bereits eine Pfandregelung für Tetrapacks und Weinflaschen diskutiert. Nachdem 2003 der Einwegpfand eingeführt worden war, waren viele Verbraucher auf Getränkekartons umgestiegen. Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung hatte sich der Mehrweganteil bei nicht-alkoholischen Getränken bis 2008 auf 31 Prozent fast halbiert. Verbraucher griffen bei Limo, Wasser und Co. zu Einwegverpackungen. Laut einer TNS-Emnid-Umfrage glaubt die Hälfte der befragten Verbraucher, dass Einwegpfandflaschen genauso ökologisch sind wie Mehrwegverpackungen.

Einwegverpackungen sind auf dem Vormarsch

Das Bundesumweltministerium hat nun Zeit bis Anfang März, um das Gesetz zu überarbeiten. Dann soll es zu Lesung in den Bundestag kommen. In dem Entwurf war die verbindliche Mehrwegquote gestrichen worden. Bislang wurde das Ziel von 80 Prozent Mehrwegverpackungen ausgegeben. Allerdings wird diese Quote nur beim Bier erfüllt. Die Mehrweggesamtquote lag 2014 bei gerade einmal 45 Prozent