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Standort Bochum: Opel-Mitarbeiter müssen weiter zittern

Tausende Mitarbeiter des Bochumer Opelwerks bangen um ihren Arbeitsplatz. Die Krisensitzung des Autobauers hat keine Klarheit darüber gebracht, wie es mit dem Standort weitergeht. Fest steht nur: Die Lage ist ernst.

Von Friederike Ott

Die Mitarbeiter des Bochumer Opelwerks fürchten um ihre Jobs - mal wieder. Vielen wird die Angst um die Zukunft des Autobauers wie ein nicht enden wollender Albtraum vorkommen. Denn das Treffen des Aufsichtsrats der General-Motors-Tochter in Rüsselsheim am Mittwoch hat keine Klarheit darüber gebracht, wie es mit der Produktionsstätte langfristig weitergehen wird. Diskutiert werden sollte ein Geschäftsplan, mit dem das Management das Europageschäft des Autobauers aus den roten Zahlen führen soll. Doch Beschlüsse über die weitere Sanierung von Opel fassten die Beteiligten nicht.

Eines steht jedoch fest: Es sieht nicht gut aus für Opel in Europa. Das Bochumer Werk produziert weniger Fahrzeuge als es könnte. Im vergangenen Jahr hat der Konzern mit dem Europageschäft 750 Millionen Dollar Verlust gemacht, was vor allem daran liegt, dass die Autonachfrage in Südeuropa wegen der Krise massiv eingebrochen ist. Lange kann der Konzern ein solches Minusgeschäft sicherlich nicht finanzieren. Und will es wohl auch nicht.

Das Management von General Motors (GM) schließt nach Medienberichten Werkschließungen inzwischen nicht mehr aus. Das Vauxhall-Werk im britischen Ellesmere Port und das Bochumer Opel-Werk stehen offenbar auf der Abschussliste. Vor 2014 wird die Produktionsstätte im Ruhrgebiet aber wohl nicht dicht gemacht. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat erst kürzlich bekräftigt, dass an der Standortgarantie nicht gerüttelt wird, die bis übernächstes Jahr Werke und Arbeitsplätze sichert. Zudem haben Arbeitnehmervertreter massiven Widerstand angekündigt, falls das Unternehmen sein Versprechen nicht einhält. Die Unterstützung der rot-grünen Landesregierung, die sich im Wahlkampf befindet, ist ihnen sicher.

"So kritisch war die Situation noch nie"

Doch längerfristig droht dem Standort Bochum der Gau. Bei einem Aus der Autoproduktion stünden nicht nur die Jobs der 3000 Beschäftigten im Bochumer Werk auf dem Spiel. Ingesamt würde eine Schließung 45.000 Stellen in Nordrhein-Westfalen gefährden: Neben den Opel-Mitarbeitern wären Jobs bei Partnerbetrieben, Dienstleistern und Lieferanten betroffen.

Deshalb liegen die Nerven der Bochumer blank. Die Arbeitslosenquote liegt mit zehn Prozent schon jetzt über der des Bundeslandes von 8,3 Prozent und über dem Bundesdurchschnitt von 7,4 Prozent. Sollte die Produktionsstätte dicht machen, wäre es nicht das erste Mal, dass ein großer Arbeitgeber in der Stadt die Segel streicht: Vor einigen Jahren musste bereits das Bochumer Nokia-Werk schließen. Und auch die Zukunft des Edelstahlwerks, das ThyssenKrupp an den finnischen Konkurrenten Outokumpu abstoßen will, ist ungewiss.

Nun liegt alle Hoffnung auf dem Fahrzeugbauer, doch Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sehen die Zukunft von Opel pessimistisch. "Der Druck durch die hohen Verluste ist enorm hoch", sagt Dudenhöffer zu stern.de. "So kritisch wie heute war die Situation noch nie." Vermutlich werde das Management nun mithilfe von Kurzarbeit versuchen, die schwache Nachfrage zu überbrücken. Langfristig sieht er für die Fabrik in Bochum jedoch nur eine Chance, wenn GM die Fertigung anderer Modelle, etwa von Chevrolet, nach Bochum verlegt.

Ob die Strategie aufgeht, ist fraglich

Genau das fordern nun auch die Mitarbeiter. "Die für Europa geplante Produktion von jährlich 40.000 Chevrolet Orlando muss ernsthaft für das Bochumer Werk geprüft werden", heißt es in einem Brief der Angestellten. Darüber hinaus wollen sie, dass die Produktion des Familienwagens Zafira bis zum Auslaufen der Modellreihe garantiert wird.

Doch ob das Opel in Bochum noch retten kann, ist fraglich. Schon vor einigen Jahren hatte GM seine angeschlagene Tochter verkaufen wollen, entschied sich aber dann doch, das defizitäre Europageschäft in eigener Regie zu sanieren. 8000 der einst 48.000 Jobs gingen verloren, das Werk im belgischen Antwerpen wurde dichtgemacht. Damals trugen die Beschäftigten durch Einbußen jährlich 265 Millionen zur Sanierung bei, 177 Millionen Euro davon entfielen auf Deutschland. Im Gegenzug sicherte GM zu, bis Ende 2014 keine Werke zu schließen und keine betriebsbedingte Kündigung auszusprechen.

Trotzdem kam Opel nicht aus den roten Zahlen.

mit Agenturen