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Steuerlast: Interaktiver Rechner: So viel zahlen Sie in die Sozialkassen ein – und so viel bekommen Sie raus

Wir zahlen Steuern und Abgaben an den Staat, wir erhalten aber auch Renten, Arbeitslosen- oder Kindergeld. Ein interaktiver Umverteilungsrechner zeigt, wie die Rechnung für verschiedene Einkommen ausfällt.

Der Staat nimmt - aber er gibt auch

Der Staat nimmt - aber er gibt auch

Getty Images

Für uns Bürger eines Sozialstaats gehört das Gejammer über Steuern und Abgaben ebenso dazu wie das stillschweigende Genießen der damit verbundenen Wohltaten. Beim Blick auf den Lohnzettel ärgern wir uns zwar immer wieder über Einkommensteuer und Sozialabgaben. Dafür nutzen wir selbstverständlich öffentliche Straßen und Krankenhäuser. Wir schicken unsere Kinder in staatliche Schulen, profitieren von einer funktionierenden Verwaltung, verlassen uns auf den Schutz durch die Polizei und wenn's mal brennt, kommt die Feuerwehr.

Außerdem bekommen wir auch direkt Geld aus öffentlichen Kassen – zum Beispiel Kindergeld, Elterngeld, Arbeitslosengeld oder Rentenzahlungen. Und das ist gar nicht so wenig: Laut einer aktuellen Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erhält die einkommensschwächere Hälfte der privaten Haushalte unterm Strich mehr Transferzahlungen als sie an Steuern und Abgaben zahlen. Nur die besserverdienende Hälfte der Haushalte ist Nettozahler.

Die reichsten zehn Prozent zahlten 2019 im Schnitt 47.600 Euro mehr ein als sie an staatlichen Geldzahlungen erhielten. Die einkommensschwächsten zehn Prozent erhielten aufs Jahr gesehen 4400 Euro mehr heraus. Am meisten bekam laut der Rechnung allerdings nicht das ärmste, sondern das zweitärmste Zehntel heraus, nämlich 6400 Euro. Das hänge damit zusammen, dass diese Einkommensklasse stärker von Rentenzahlungen profitiert, schreibt Studienautor Martin Beznoska. Zudem treffen einkommensunabhängige Steuern, vor allem die Mehrwertsteuer, die Ärmsten am härtesten.

Sind Sie Nettozahler oder -empfänger?

Ob Sie selbst eher zu den Nettozahlern oder -empfängern des Sozialstaats gehören, können Sie mit einem interaktiven Rechner herausfinden, den das IW parallel zur Studie veröffentlicht hat. Wer sein Haushaltseinkommen und die Zahl der zum Haushalt gehörenden Personen angibt, erhält einen Überblick über geleistete Abgaben und erhaltenen Zahlungen. Die Zahlen sind dabei als Durchschnittswerte für alle Haushalte mit dem gleichen Einkommen zu verstehen, da der Rechner nicht alle individuellen Bedingungen abbilden kann. Durch An- und Abwahl einzelner Parameter unterhalb der Grafik lässt sich das Ergebnis zumindest etwas anpassen.  

Zu beachten ist, dass die Rechnung nur die direkten Zahlungen berücksichtigt. Viele staatliche Leistungen tauchen daher nicht auf. So sind zwar die Ausgaben für Krankenversicherung erfasst, aber die Gesundheitsleistungen, die man dafür erhält, fehlen. Auch die Nutzung von Schulen und Straßen oder die Leistungen von Polizei und Feuerwehr finden keinen Eingang in die Rechnung. Und natürlich spielt auch die Lebenssituation eine große Rolle: Ein junger Gutverdiener zahlt viel ein, Rentenzahlungen erhält nur ein Rentner.

Was das IW mit der Studie zeigen will, ist, dass die Umverteilung von Besserverdienern zu Schlechterverdienern in Deutschland grundsätzlich funktioniert: Die besserverdienende Hälfte zahlt im Schnitt mehr in den Sozialstaat ein, die andere bekommt mehr heraus. Ob das Maß an Umverteilung ausreicht, ob etwa Reiche nicht noch mehr beitragen sollten, darüber dürfen weiter Gerechtigkeitsdebatten geführt werden.