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Stimmung der Verbraucher: Dank Fußball-WM ist das Konsumklima stabil

Flachbildschirme und Fan-Trikots: Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt für eine "kleine Sonderkonjunktur" und dafür, dass sich die Stimmung der Verbraucher im Juni nicht weiter eintrübt. Aber auch an anderer Stelle gibt es Grund für Optimismus.

Gegensätzliche Nachrichten zum Aufschwung am Arbeitsmarkt einerseits und zur Diskussion um das Sparpaket der Bundesregierung andererseits lassen das Konsumklima der Verbraucher auf der Stelle verharren. Die Konsumstimmung in Deutschland bleibe im Juli unverändert, wie am Mittwoch das Marktforschungsunternehmen GfK unter Berufung auf seine monatliche Studie mitteilte. Jedoch sorge die Fußball-WM für eine "kleine Sonderkonjunktur".

"Wenn Schweinsteiger Tore für Deutschland schießt, ist das auch unmittelbar gut für den Konsum", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Je länger die deutsche Mannschaft in Südafrika mitkicke, desto länger würden sich Fans mit Trikots, Party-Ausrüstung und Lebensmitteln für das gemeinsame Fernsehen eindecken. Bereits bei der WM 2006 habe dies in den Branchen Textil und Lebensmittel zu einem Umsatzzuwachs von jeweils zehn Prozent geführt. Ähnliches erwartet die GfK für dieses Jahr. "Solche Großereignisse sind immer ein kleiner Konjunkturmotor", sagt Wübbenhorst. So seien seit einigen Wochen deutlich mehr Flachbildfernseher gekauft worden als im Vorjahr. Bei den Verbrauchern stieg neben den Konjunkturerwartungen auch die Neigung zu größeren Anschaffungen: Sie nahm im Juni nach vier Rückgängen in Folge wieder zu und erreichte mit einer Zunahme von 12,3 Punkten 30,4 Punkte - den höchsten Wert seit September 2009.

Die Diskussion um das Sparpaket der Regierung verunsichere die Verbraucher - die guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt sorgten aber gleichzeitig für Optimismus, analysierte die GfK die derzeitige Konsumstimmung. Die Verbraucher fürchteten, dass die Politik im Zuge des Sparpakets den Bundeshaushalt wieder einmal zu ihren Lasten sanieren könnte. Hinzu kämen die Vorschläge zur Einführung der Kopfpauschale im Gesundheitswesen. Dies habe sich im Juni auf die persönlichen Einkommensaussichten niedergeschlagen: Der GfK-Teilindex wies demnach ein Minus von 15,5 Punkten auf und lag bei 8,2 Punkten. Allerdings sei er damit noch immer 11,5 Zähler über dem Vorjahresstand, betonte die GfK.

Gute Meldungen vom Arbeitsmarkt

Laut der Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern rechnen die Bürger zudem wegen der hohen Staatsverschuldung mit einer steigenden Inflation. Dies drücke ebenfalls auf den Indikator, hieß es in der Studie.

Die "anhaltend positiven Meldungen vom Arbeitsmarkt" hingegen stützen die Zuversicht der Verbraucher in einen wirtschaftlichen Aufschwung, erklärte die GfK. Hinzu kämen Nachrichten über anziehende Exporte und den Einfluss des niedrigen Euro-Kurses auf die Ausfuhren. Dies habe zur Folge gehabt, dass sich die Konjunkturerwartungen der Verbraucher im Juni verbesserten. Der Teilindex stieg hier um 1,6 Punkte und lag damit bei 5,5 Punkten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei dies ein Plus von gut 28 Punkten, erklärte die GfK.

Export wird deutsche Wirtschaft beflügeln

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen erklärte am Mittwoch, die deutsche Wirtschaft werde 2010 voraussichtlich um 1,9 Prozent wachsen. Vor allem der Export werde die deutsche Wirtschaft beflügeln. Für das kommende Jahr rechnet das RWI mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Damit hoben die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen vom März deutlich an.

Die gegensätzlichen Entwicklungen, also der Aufschwung am Arbeitsmarkt einerseits udn die Diskussion um das Sparpaket andererseits ließen das Konsumklima im Juli voraussichtlich bei einem Wert von 3,5 Zähler im Gesamtindex stabil bleiben, teilte die GfK mit. In den kommenden Monaten werde es vor allem davon abhängen, inwiefern die derzeit günstigen Rahmenbedingungen an Bedeutung gewännen. Notwendig sei, den Diskussionen um Staatsschulden und die Stabilität des Euro nun "Taten folgen" zu lassen, mahnte die GfK die Politik. Sie müsse zeigen, dass sie "gewillt und in der Lage" sei, das Heft des Handelns wieder zu übernehmen.

zen/AFP/APN