Streik-Beginn "Müntefering du Drecksack"


Den Metallern fehlt es bei den ersten Warnstreiks nicht an Entschlossenheit im Kampf um fünf Prozent mehr Geld. Auch nicht an Kreativität, denn die Wut sitzt tief.

Am Mittwoch kurz nach Mitternacht - dem Ende der Friedenspflicht - kommt Georg Rodenbusch gemeinsam mit etwa 1000 Kollegen der Nachtschicht aus dem Tor 1 der Ford-Werke in Saarlouis. Auf seinem Kopf trägt er einen Schutzhelm, auf dem an einem Galgen ein Teufel hängt. "Hundt" steht auf einem kleinen Schild darunter. Rodenbuschs Wut richtet sich nicht nur gegen den Arbeitgeberpräsidenten.

IG Metall-Chef Jürgen Peters ist in dieser Nacht ins Saarland gekommen und wettert kräftig gegen die kompromisslosen Arbeitgeber, die in bislang bundesweit 30 Verhandlungsrunden kein einziges Angebot gemacht hätten. Dem "zügellosen Kapitalismus" müsse Einhalt geboten werden. "Wir sind mit der Geduld am Ende", ruft Peters von einem Wagen in das Meer von Fahnen und Fackeln. Etwa 3000 Beschäftigte aus zehn Betrieben sind zur zentralen Auftakt-Kundgebung vor dem Ford-Werk gekommen. Für die gute Stunde des Warnstreiks stehen die Produktionsbänder. Im Hintergrund geht ein kleines Feuerwerk hoch.

"Es wird endlich mal Zeit"

"Die Kollegen sind bereit, auf die Straße zu gehen. Es wird endlich mal Zeit", sagt Rodenbusch. In der Hand hält er den Stab des riesigen Transparents über ihm. Darauf hat er geschrieben: "Rente mit 67 Jahren. Müntefering du Drecksack. Wir fordern nach 40 Jahren Wechselschicht eine Rente ohne Abzug, egal wie alt." Rodenbusch selbst arbeitet seit vier Jahrzehnten bei Ford im Saarland. "Alles wird teurer: Strom, Gas, Sprit, jetzt wird über die Gesundheitsreform diskutiert - fünf Prozent mehr Lohn, wie die Gewerkschaft fordert, müssen drin sein", sagt der Arbeiter. Über seinem runden Bauch prangt ein T-Shirt mit einem roten Handabdruck auf dem "Gib mir 5" steht.

IG Metall-Chef Peters will, dass von Saarlouis ein Signal ausgeht: Die Metaller sind stark und meinen es ernst. "Die Arbeitgeber wollen uns testen, ob wir bereit sind, auf die Forderungen auch Taten folgen zu lassen." Die Metaller im Saarland muss Peters wohl kaum noch überzeugen. Rodenbusch sagt auf die Frage, ob ihn die Rede von Peters denn motiviert habe: "Ich hoffe, dass der Peters sich durch uns bestärkt fühlt und unsere Interessen gut vertritt. Die Basis steht hinter ihm."

Dörthe Hein/DPA


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