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Stromausfälle befürchtet: Die Angst vorm Pfingst-Blackout geht um

Gehen am Pfingstmontag in Deutschland die Lichter aus? Wegen starker Belastung befürchten Experten einen Blackout bei der Stromversorgung. Das Netz arbeitet derzeit am Limit.

In ihrer Rede zum Atomausstieg hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Blackout bei der Stromversorgung noch ausgeschlossen. Und nun befürchten Experten genau dies, und zwar schon für Pfingsten. Das Szenario sieht in etwa so aus: Pfingstmontag scheint die Sonne fast deutschlandweit, noch dazu weht im Osten und Norden starker Wind. Eine immense Menge Strom wird sofort in das Netz reingepresst. Strom, der wegen der in Industriebetrieben ruhenden Arbeit aber nicht gebraucht wird. "Die Netze sind dann unter Stress, das kann zu Schwierigkeiten führen", betont der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth.

Schon lange bevor in Fukushima die Reaktorkerne schmolzen, wurde von Energieexperten vor der Gefahr eines Blackouts speziell an Pfingsten gewarnt. "Da ist in der Regel sehr viel Energie im Netz bei wenig Verbrauch", sagt Andreas Preuß vom Netzbetreiber Amprion, der mit 850 Mitarbeitern 11.000 Kilometer an Höchstspannungsleitungen betreibt.

Dabei hat die Lage etwa am Pfingstmontag nichts zu tun mit der Stilllegung von acht Kernkraftwerken nach der Katastrophe von Fukushima. Sie zeigt aber das prinzipielle Problem mit bisher nicht auf die Ökowende ausgerichteten Netzen. Es liegt in der stark unterschiedlichen Produktion von Ökostrom, die für die Netzbetreiber mit dem Wetterbericht nur bedingt planbar ist.

Export im Norden, Import im Süden

"Fakt ist, in jeder Sekunde muss so viel Energie da sein wie verbraucht wird", so Preuß. Da es zwischen dem Norden und dem Süden fast nur "Strombundesstraßen" statt "Stromautobahnen" gibt, kommt es derzeit oft zur paradoxen Lage, dass im Norden Windstrom nach Skandinavien exportiert wird, im Süden fehlender Atomstrom aber aus Frankreich oder Tschechien eingeführt werden muss.

Die deutschen Stromnetze arbeiten nach Angaben von Netzagenturpräsident Kurth derzeit häufig am Limit: "Das geht nur, weil die Netzbetreiber immer stärker in die Erzeugung eingreifen. Kraftwerke müssen viel häufiger als in der Vergangenheit hoch- und heruntergefahren werden". Die Situation sei wegen der starken Schwankungen von Angebot und Nachfrage bei Strom so angespannt, dass zum Teil geplante Reparaturen verschoben worden seien. Der Ausbau des Netzes sei dringend geboten. Regionen, die davon betroffen sind, sollen Zahlungen erhalten.

Doch letztlich bleibt es ein Blick in die Kristallkugel, ob es am Pfingstmontag und auch danach wirklich zu großen Ausfällen kommen kann, deren Schaden RWE-Chef Jürgen Großmann auf eine Milliarde Euro täglich taxiert. Durch das Atommoratorium der Bundesregierung und die Revision weiterer Atommeiler gab es trotz aller Kassandrarufe keine größeren Probleme.

"Die Märkte wissen es am besten"

Durch die geplante Energiewende müssen sich die Verbraucher allerdings auf höhere Strompreise einstellen. Davon geht zumindest das Bundeskartellamt aus: "Die Märkte rechnen mit einer Strompreiserhöhung - und sie wissen es am besten", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Rheinischen Post". An der Strombörse in Leipzig seien die Preise bereits um zehn Prozent gestiegen, nachdem die Regierung ihr Atom-Moratorium verhängt habe. "Der Preis ist auch nicht wieder zurückgegangen".

Auch nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle kommen auf die Verbraucher höhere Strompreise zu. Die Kilowattstunde Strom aus Kernkraftwerken koste heute rund 4,5 Cent, Strom aus erneuerbaren Quellen sei momentan noch wesentlich teurer, sagte Brüderle dem "Spiegel". Der Netzausbau und der Neubau von Gaskraftwerken würden zusätzlich Geld kosten.

Die Frage, ob der Strom durch den Ausstieg aus der Atomkraft teurer wird, ist aber umstritten: In einer Untersuchung der Universität Leipzig und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung heißt es, Mehrbelastungen beim Strompreis seien durch einen Atomausstieg im Zeitraum 2020 bis 2022 kaum zu erwarten. Demnach dürfte der Spotmarktpreis für Strom im Jahr 2015 um 0,7 Cent pro Kilowattstunde höher liegen als bei einem Ausstieg erst 2038, wie die Regierung es zeitweise plante. Später dürfte der Strompreis dann bei einem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien wieder sinken.

be/DPA/AFP / DPA