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Studie: Verschwendete Arbeitszeit

Fast jede dritte Arbeitsstunde in Deutschland wird mit unproduktiven Tätigkeiten verschwendet. Einziger Trost: Im Rest der Welt sieht es kaum besser aus.

Von Michael Prellberg

Global liegt die Arbeitsproduktivität bei 69,8 Prozent, hat die Unternehmensberatung Proudfoot in ihrer jährlich erhobenen Produktivitätsstudie ausgerechnet. Über 800 Führungskräfte aus 18 Ländern wurden dafür befragt, für die insgesamt 1900 Analysen Daten in 235 Unternehmen in 30 Ländern gesammelt.

Der Gesamtschaden durch den Leerlauf beziffert Proudfoot für deutsche Unternehmen auf mehr als 170 Mrd. Euro, das entspräche 7,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes pro Jahr. Früher sei noch mehr Zeit und Geld verschwendet worden, sagt Jochen Vogel, Leiter des Proudfoot-Geschäfts im deutschsprachigen Raum.

Gegenüber 2003 hätten sich die Zahlen in Deutschland immerhin um 6,8 Prozentpunkte verbessert. "Aber 32,5 verschwendete Arbeitstage pro Mitarbeiter im Jahr sind noch immer viel zu viel", sagt Vogel. Diese Ineffizienz senke die Wettbewerbsfähigkeit. "Nur durch hohe Produktivität können die Unternehmen im Wettbewerb mit den Billiglohnländern erfolgreich sein. Fällt dieser Vorteil weg, ist die Abwanderung der Arbeitsplätze aus Deutschland die Folge."

Keiner will delegieren

Trotz kaum spürbarer Verbesserungen sind deutsche Führungskräfte sehr optimistisch, wenn es um die Produktivität geht: 86 Prozent rechnen damit, dass in ihren Unternehmen noch Steigerungen drin sind. Das war allerdings schon in einer älteren Befragung so; tatsächlich sank die Produktivität im Folgejahr um fünf Prozentpunkte.

Die Gründe für verschwendete Arbeitszeit sind vielfältig. Viele befragte Führungskräfte machen vor allem schlechte interne Kommunikation dafür verantwortlich. Die Proudfoot-Analysen zeichnen ein differenzierteres Bild. In 38 Prozent der Fälle ist es mangelnde Führung, die zur Ineffizienz führt. "Die Manager haben zu wenig Zeit, sich um die eigentlichen Führungsaufgaben zu kümmern. Sie erledigen zu viele Arbeiten selbst, anstatt sie zu delegieren", sagt Vogel. "Und sie gehen zu selten in den Betrieb, um mit den Mitarbeitern zu sprechen."

Unzureichende Planung und Erfolgskontrolle

An zweiter Stelle der Ursachen für Unproduktivität nennt die Studie mangelhafte Planung und Erfolgskontrolle. In diesem Punkt hat sich der Studie zufolge allerdings einiges gebessert. Der Anteil sank von 46 auf 28 Prozent der Nennungen. Den Grund dafür sieht Vogel in verbesserten Managementmethoden.

Individuelle Zielvorgaben und Ergebniskontrolle seien in vielen Unternehmen etablierte Elemente der Führungskultur. Wenn Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern wollen, gehe es nicht um Investitionen in Maschinen oder Offshoring, sagt Vogel. "Es ist leichter und weniger riskant, ein Werk in Deutschland in zwölf Monaten um 20 Prozent produktiver zu machen, als die Produktion nach Osteuropa oder Asien zu verlagern."