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Tarif-Streit: Lokführer wollen gesamten Berufsverkehr lahm legen

Die Lokführergewerkschaft GdL will am Donnerstagmorgen den Bahnverkehr bundesweit für rund eine Stunde zwischen 6 und 7 Uhr lahmlegen.

Im Tarifkonflikt der Deutschen Bahn wollen die Lokführer am Donnerstagmorgen den Berufsverkehr flächendeckend für knapp eine Stunde lahm legen. In ganz Deutschland soll im Frühverkehr für etwa 45 Minuten kein Zug mehr fahren, kündigte die Lokführergewerkschaft GdL an. Damit spitzt sich der Tarifstreit, der am Donnerstag in Berlin in die dritte und voraussichtlich entscheidende Runde geht, erheblich zu. Erstmals hat jetzt auch die Lokführergewerkschaft zu Protesten aufgerufen. Bisher haben die Konkurrenz-Gewerkschaften Transnet und GDBA nur mit regionalen Warnstreiks Druck auf das Bahn-Management gemacht.

Mit der Brechstange

«Wir wollen nicht kleckern, sondern klotzen», sagte der Berliner GdL-Bezirkschef Hans-Joachim Kernchen. Die Lokführer sollen nach seinen Angaben zu Beginn der flächendeckenden Warnstreiks möglichst bis zu einem Bahnhof fahren. Stopps in Tunnels und auf Brücken sollen auf jeden Fall vermieden werden. Auch sollen Informationen an Kunden weitergegeben werden.

Drei Prozent mehr Lohn angepeilt

Die beiden Gewerkschaftslager stehen in Konkurrenz zueinander und sind mit unterschiedlichen Forderungen in die Tarifrunde gegangen. Die GdL verhandelt separat und strebt einen Spartentarifvertrag nur für Lokführer und Zugbegleiter an. Dafür fordert sie eine Entgelterhöhung von drei Prozent und eine Anpassung der Osteinkommen an Westniveau von jährlich zwei Prozent bis 2007.

Bahn bietet Inflationsausgleich

Transnet und GDBA fordern dagegen für die rund 160.000 Angestellten fünf Prozent mehr Einkommen und eine sofortige Angleichung der Ost-Einkommen. Die Bahn hat für Donnerstag ein «konkretisiertes Angebot» angekündigt. Bisher hatte sie erklärt, in den kommenden drei Jahren einen Inflationsausgleich zahlen zu wollen.

300.000 Fahrgäste in Bayern betroffen

Am Dienstag kam es zu den bisher massivsten Arbeitskämpfen seit Beginn der Warnstreiks von Transnet und GDBA am Wochenende. In Bayern wurde am Morgen der öffentlichen Nahverkehr in München, Nürnberg und Regensburg zeitweise lahm gelegt. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren rund 300.000 Fahrgäste und 160 Züge betroffen.

Letzter Bahnstreik im Jahr 1992

Die Bahn reagierte erneut mit Unverständnis auf die massiven Proteste. «Wir haben mehrfach erklärt, dass wir unser Tarifangebot bei dem nächsten Verhandlungstermin am Donnerstag konkretisieren werden», bekräftigte Personalvorstand Norbert Bensel. Die Rede war zuletzt von 1,3 Prozent höheren Bezügen, was die Gewerkschaften aber ablehnen. Sollte weiter keine Einigung möglich sein, haben die Gewerkschaften mit dem Scheitern und Streik-Urabstimmungen gedroht. Ein Schlichtungsabkommen gibt es bisher nicht. Zuletzt wurde bei der Bahn im Jahr 1992 flächendeckend gestreikt.