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Tarifverträge unter Mindestlöhnen: So billig sind deutsche Arbeitskräfte

Das Niedriglohn-Problem weitet sich aus: 5,26 Euro bekommt ein Konditor in Bayern, eine Friseuse in Norddeutschland verdient 7 Euro. Viele Branchen liegen mit ihrem Stundenlohn unter dem Mindestlohn.

Viele Tarifverträge in Deutschland schreiben nach wie vor Stundenlöhne fest, die deutlich unter dem Niveau der bislang vereinbarten Mindestlöhne liegen. Die niedrigen Tarifverdienste gelten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vor allem für gering qualifizierte Beschäftigte. Aber auch Fachkräfte verdienten in einigen Branchen vergleichsweise wenig.

Einige Beispiele für Branchen mit Stundenlöhnen unter Mindestlohnniveau:

  • Konditoren in Bayern: 5,26 Euro
  • Fleischer in Sachsen: 6,00 Euro
  • Gärtner in Brandenburg: 6,46 Euro
  • Mitarbeiter im Hotel- und Gaststättengewerbe: 6,29 Euro
  • Bäcker und Konditorengesellen in Mecklenburg-Vorpommern: 6,97 Euro
  • Friseurgesellinnen in Schleswig-Holstein: 7,00 Euro

Derzeit gelten in Deutschland in zehn Branchen - darunter vier Baubranchen - allgemeinverbindliche Mindestlöhne. Diese reichen von 6,53 bis 11,53 Euro je Stunde. Nach den Daten des Bundesamtes liegt der Mindestlohn im früheren Bundesgebiet bei Wäschereidienstleistungen und größtenteils im Wach- und Sicherheitsgewerbe bei weniger als 8,00 Euro je Stunde. In den neuen Ländern werden 8,00 Euro des weiteren bei der Gebäudereinigung und in der Pflegebranche unterschritten.

Die Acht-Euro-Marke setzte das Bundesamt wegen der jüngsten Vereinbarung für die Zeitarbeitsbranche an: Auch für die etwa 900.000 Beschäftigten der Zeitarbeitsbranche gilt vom 1. Januar 2012 an ein Mindestlohn. Er liegt bei 7,01 Euro in Ostdeutschland und 7,89 Euro im Westen. Eine entsprechende Verordnung von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) billigte das Bundeskabinett kurz vor Weihnachten.

Gewerkschaften im Zwiespalt

Die von den Gewerkschaften in diesen Branchen vereinbarten Tarifverdienste bleiben deutlich hinter deren Forderungen nach einem allgemeinen Mindestlohn von 8,50 Euro zurück. Gewerkschafter sehen sich dort nach Einschätzung des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung einem Zwiespalt ausgesetzt. "Gewerkschafter stehen in solchen Branchen bei Tarifverhandlungen immer wieder vor der Alternative, niedrigen Tarifen zuzustimmen oder ganz auf eine tarifliche Regulierung der Arbeitsbedingungen zu verzichten", sagte vor kurzem der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck.

Als Erfolg verbuchen die Gewerkschaften, dass die Zahl der tariflichen Vergütungsgruppen mit Stundenlöhnen unter 8,50 Euro gesunken ist. Im September 2011 sahen laut WSI-Tarifarchiv 13 Prozent der mehr als 4700 untersuchten Vergütungsgruppen aus 41 Branchen Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro vor. Im März 2010 habe dieser Anteil noch 16 Prozent betragen.

Die Ergebnisse des Bundesamtes beruhen auf einer Auswertung von mehr als 600 Flächentarifverträgen. Bei Angaben zu Monatsverdiensten wurden diese auf Stundenbasis umgerechnet. Informationen über die Zahl der Beschäftigten in den untersten Vergütungsgruppen liegen den Statistikern nicht vor.

tkr/DPA/Reuters / DPA / Reuters