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Billig-Airlines: "Team Wallraff" deckt auf: So funktioniert das fragwürdige Geschäft von Ryanair

Das "Team Wallraff" durchleuchtet das Geschäftsmodell von Billig-Airlines. Dafür wurden Mitarbeiterinnen undercover bei Ryanair und Eurowings eingeschleust. Die Sicherheitsschulungen des Bordpersonals machen Experten Sorgen.

Die Reporterin Alicia vom Team Wallraff arbeitet undercover bei der Airline Ryanair. Der TV-Beitrag kann bei "TVNow" angesehen werden. 

Die Reporterin Alicia vom Team Wallraff arbeitet undercover bei der Airline Ryanair. Der TV-Beitrag kann bei "TVNow" angesehen werden. 

TV Now

Das "Team Wallraff" hat sich in der neuesten Folge des RTL-Formats Billig-Airlines vorgeknöpft. Dafür wurden Reporterinnen als Mitarbeiterinnen bei Ryanair und Eurowings eingeschleust. Wochenlang konnte eine Undercover-Journalistin als Stewardess arbeiten. Dafür wurde sie von Crewlink, einer Leiharbeitsfirma, die für Ryanair Personal rekrutiert, zur Flugbegleiterin ausgebildet.

Für die Sicherheitsaspekte gibt es im Rahmen der Ausbildung wenig Zeit, so das Reporterteam. Nur anderthalb Tage werden für die Notfallversorgung an Bord eingeplant. In sieben Szenarien sollen die neuen Flugbegleiter einen kühlen Kopf bewahren. Doch jeder Azubi spielt nur eine dieser Varianten samt Evakuierung durch. Einige Auszubildene scheinen überfordert mit der zeitlich sehr knapp bemessenen Aufgabe. Auch eine Nachbesprechung der Übung gibt es nicht. Das soll für die Sicherheit über den Wolken ausreichen. Doch einige Absolventen dieses Trainings gestehen gegenüber RTL, dass sie sich dazu kaum in der Lage sehen. 

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, lässt das Unternehmen Crewlink das Team Wallraff wissen: "Alle unsere Kabinenpersonalschulungen sind von der irischen Luftfahrtbehörde gemäß den EASA-Bestimmungen genehmigt." RTL bittet den Luft- und Sicherheitsexperten Thomas Friesacher um eine Einschätzung: "Es ist eher eine Art Pflichtveranstaltung, damit die rechtlichen Vorgaben für die Qualifikation erfüllt sind. Als maßgeblich erfüllende Ausbildung würde ich das nicht ansehen."

Einen deutlich größeren Zeitrahmen bekommen Bordverkäufe in der Ausbildung. Fast eine Woche lang werden die Azubis auf das Zusatzgeschäft eingeschworen. Ryanair macht "mit den Verkäufen den größten Profit", sagt eine Ausbilderin zu der angehenden Flugbegleitern. Und wird deutlich: "Wenn du keine 50 Euro einnimmst, dann musst du dich erklären." 

Arbeitsvertrag bei Ryanair

Nach bestandener Ausbildung darf die Undercover-Reporterin als Stewardess arbeiten. Sie erhält einen Arbeitsvertrag, der überrascht: Null Tage Kündigungsfrist (in den ersten 13 Arbeitswochen) und lediglich 18 Tage Urlaub sind dort vermerkt. Das allerdings verstößt gegen deutsches Recht. "Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage. Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind", heißt es im Bundesurlaubsgesetz. Am Ende ihres Einsatzes bekommt die Reporterin nicht das ihr zustehende Gehalt, sondern lediglich etwas mehr als 100 Euro ausgezahlt. Ryanair soll dies mit einer Steuernachzahlung gerechtfertigt haben, heißt es in dem Beitrag. Wichtig dabei: Die Undercover-Reporterin ist selbst nicht direkt bei Ryanair, sondern bei der Leiharbeitsfirma angestellt. Selbst will sich Ryanair dazu auf RTL-Anfrage nicht äußern. Die Leiharbeitsfirma lässt das Team Wallraff wissen: "Crewlink hält sich voll und ganz an das deutsche Arbeitsrecht." 

Am Airport Düsseldorf arbeitet die Reporterin Alicia undercover am Ticketschalter. Ihr Eindruck: Vor allem Passagiere der Billigairlines Eurowings, die nur den günstigen Basic-Tarif gebucht haben, werden bei Überbuchungen und der Handgepäckmitnahme benachteiligt. Das will die Airline auf RTL-Nachfrage so nicht stehenlassen, sie verweist darauf, dass bei Überbuchungen nicht der Kaufpreis der Tickets relevant sei - sondern sich häufig Passagiere freiwillig melden würden, die auf den Flug verzichten würden. "Die gebührenpflichtige Sitzplatzreservierung ist kein Kriterium. In nahezu allen Fällen finden sich Passagiere, die freiwillig und auf Grundlage der ihnen angebotenen Entschädigungszahlung vom Flug zurücktreten bzw. sich auf einen späteren Flug umbuchen lassen", so die Airline in einer Stellungnahme.

Die gesamte Sendung können Sie in unter TVNow ansehen.

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kg