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Telekom Abhör-Affäre: Bsirske spricht von Stasi-Methoden

Heftige Worte vom Verdi-Chef: Der von der Deutschen Telekom bespitzelte Frank Bsirske hat die Praktiken des Unternehmens als "durchaus mit Stasi-Methoden vergleichbar" kritisiert.

Die verantwortlichen Telekom-Manager hätten nicht nur gegen geltendes Recht verstoßen und Persönlichkeitsrechte verletzt, sondern mit der Bespitzelungsaktion auch einen eklatanten Angriff gegen die Mitbestimmung und die Koalitionsfreiheit geführt, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zur Affäre um die Bespitzelung von mindestens 55 Personen.

Vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass die Spitzelaffäre immer größere Dimensionen annimmt. Nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft sind mindestens 55 Personen betroffen, darunter Aufsichtsräte von Telekom und T-Mobile, ein Telekom-Vorstandsmitglied, Angehörige des Betriebsrats und weitere Mitarbeiter der Telekom sowie sieben Journalisten und "dem Konzernbereich nicht zuzuordnende Dritte". Dabei handelt es sich auch um Bsirske.

Schnelle Aufklärung gefordert

"Dass unsere Vertreter in Tarifverhandlungen Managern gegenübersitzen, die möglicherweise Aufträge erteilt haben könnten, deren Telefonverkehr auszuwerten und zu protokollieren, ist einfach unerträglich", sagte Bsirske. Der Ver.di-Chef forderte eine schnelle Aufklärung der Affäre. Sollte es Vorstände geben, die in die kriminellen Machenschaften involviert gewesen seien, müsse das natürlich Konsequenzen haben.

Die Telekom hatte Mitte Mai Strafanzeige erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass 2005 und 2006 unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der Konzernsicherheit bespitzelt worden waren. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richteten sich vor allem gegen acht Personen, darunter den ehemaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Bei der Durchsuchung zahlreicher Büros hatten die Ermittler Ende Mai nach eigenen Angaben zwei Lastwagenladungen an Unterlagen sichergestellt.

AP/DPA