TELEKOMMUNIKATION Banken stunden Mobilcom 4,7-Milliarden-Kredit


Die Frist für die Kreditlösung läuft nun bis 30. September, jetzt ist France Télécom am Zug: Das Bankenkonsortium verlangt eine Absichtserklärung der Franzosen.

Die angeschlagenen Mobilfunkfirma Mobilcom und vier Großbanken haben sich auf die Stundung eines Kredits über 4,7 Milliarden Euro geeinigt, der am Mittwoch ausgelaufen wäre. Wie der Konzern am Dienstagabend mitteilte, haben das kreditführende Bankenkonsortium unter Führung der ABN Amro Bank, der Deutschen Bank, der Societe Generale und Merrill Lynch die Stundung der zum 31. Juli fälligen Refinanzierung zugesagt.

Absichtserklärung von France Telecom

Der Kredit zum Aufbau des UMTS-Netzes wird damit zum 30. September 2002 fällig, erklärte Mobilcom. Die Stundung erlaubt den beteiligten Unternehmen, innerhalb des Zeitraumes die Refinanzierung abzuschließen. Die Vereinbarung steht unter anderem unter der Bedingung, dass eine Absichtserklärung über eine langfristige Lösung der Finanzierung zwischen der France Telecom und dem Bankenkonsortium Bestand hat. Hintergrund sind die Querelen zwischen den Mobilcom-Großaktionären Gerhard Schmid, der früher auch Vorstandschef war, und France Telekom. Die Franzosen hatten eine weitere Zusammenarbeit mit Mobilcom vom Ausscheiden Schmids abhängig gemacht und so seinen Abgang erzwungen.

Stolperstein UMTS

Mobilcom und France Telecom hatten sich zusammengetan, um in den deutschen UMTS-Markt einzusteigen. France Telecom verpflichtete sich, die milliardenschweren Pläne zu finanzieren. Doch im Frühjahr brach der Streit zwischen den mit über 60 Milliarden Euro verschuldeten Franzosen und Schmid offen aus, weil France Telecom wegen Finanzproblemen das Tempo des Ausbaus verlangsamen wollte. Schmid dagegen setzte weiter auf ein schnelles Voranschreiten und pochte auf die Vereinbarungen. Für France Télécom geht es unter anderem um den Verkaufspreis der Aktien von Firmengründer Schmid. Der zuletzt von ihm vorgeschlagene Preis von 14 Euro pro Aktien sei noch zu hoch, sagte ein Sprecher des Telekommunikationskonzerns in Paris. Außerdem müsse noch eine Lösung für die MobilCom-Verbindlichkeiten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bei den Zulieferern Nokia und Ericsson gefunden werden.

Angebot für Kleinaktionäre gefordert

Er streitet sich seit Wochen mit Schmid über den Preis für das 40-prozentige Aktienpaket des MobilCom-Gründers. Schmid, der sein Paket zunächst für 22 Euro je Aktie in bar angeboten hatte, ist der Ansicht, dass France Télécom auch den Kleinaktionären ein Angebot machen müsste. Dazu hat er ein Gutachten bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingereicht. Demnach soll France Télécom seit dem 21. Juni, als Schmid seinen Posten abgeben musste, de facto die volle Kontrolle über MobilCom übernommen haben. Daher sieht Schmid die Franzosen in der Pflicht. Zu dem Stichtag betrug das gesetzlich festgeschriebene Mindestangebot 14,5 Euro je Aktie. Da Schmid den Franzosen eine Kurs stürzende Informationspolitik vorwirft, nimmt er für sich eine höhere Preisforderung in Anspruch.

Ende August ist austelefoniert

Nach dem Verkauf der PC-Handelskette Comtech an das Wolfsburger Systemhaus Trend-e-Pak trennt sich MobilCom auch von seinen Telefon-Ortsanschlüssen. Den Kunden wird zu Ende August gekündigt, bestätigte ein MobilCom-Sprecher. Das betrifft auch die schnellen DSL-Anschlüsse an das Internet, die direkt an das Ortsnetz geknüpft sind. Das ist aber nur in acht Städten angeboten worden, ergänzte der Sprecher. Kundenzahlen nannte er nicht. Nicht betroffen sind das Festnetzgeschäft mit dem Call-by-Call-Angebot und die Abwicklung der Ferngespräche für Kunden, die sich für MobilCom entschieden haben (Pre-Selection).


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