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ThyssenKrupp: Franzosen und Deutsche planen Werften-Allianz à la EADS

ThyssenKrupp spricht mit den Franzosen über die Zusammenlegung der Werftsparten. Es wäre die größte Industriekooperation beider Länder seit Gründung des Luft- und Raumfahrtkonzerns.

Von L. Maier, K. Bialdiga, T. Steinmann und G. Hegmann

Frankreich und Deutschland unternehmen einen neuen Anlauf zur Zusammenlegung ihres Militärschiffbaus. Nach FTD-Informationen wollen die Konzerne ThyssenKrupp und DCNS sowie die Regierungen in Berlin und Paris nach der Sommerpause Gespräche über ein "EADS der Meere" aufnehmen - eine Zusammenarbeit nach dem Vorbild des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns.

Erste Kontakte habe der französische Botschafter mit ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme eingefädelt, sagten Insider. Auch das Management der Werftenkonzerne beider Länder - der Pariser Staatswerft DCNS, des Anteilseigners Thales sowie von ThyssenKrupp - sei bereits eingebunden, ebenso die Bundesregierung. Der Prozess stehe noch am Anfang, hieß es. Weder ThyssenKrupp noch die Bundesministerien für Wirtschaft und Verteidigung wollten sich am Wochenende dazu äußern.

Größte Industriekooperation seit 2000

Die Werftenfusion wäre die größte Industriekooperation beider Länder seit der Gründung von EADS im Jahr 2000. Europas Rüstungswerften stehen unter Druck, weil die Aufträge der nationalen Marinen sie immer weniger auslasten. ThyssenKrupp hatte bei Investoren die Erwartung geschürt, dass sich der Konzern rasch aus dem Marineschiffbau zurückzieht.

Paris wirbt seit Jahren für den Plan. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mehrfach darauf angesprochen. Sarkozy selbst hatte den Begriff "Airbus der Meere" propagiert. Die Deutschen lehnten eine solche Allianz aber lange ab - was mit schlechten Erfahrungen wegen Pariser Einflussnahme bei Airbus und dessen Mutterkonzern EADS begründet wurde. Gescheitert waren frühere Gespräche Insidern zufolge etwa an der Frage, welche Standorte erhalten bleiben und wer die Führung übernimmt. Deutsche Vertreter äußerten die Furcht, Paris gehe es in erster Linie um deutsche Technologie.

Daher hatte ThyssenKrupp mit Rückendeckung der Bundesregierung beim Verkauf seiner Werftentochter Blohm + Voss Verhandlungen mit der arabischen Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar den Vorzug gegeben - vor einem Pakt mit dem Nato-Partner Frankreich. Doch das Geschäft mit den Arabern scheiterte vor vier Wochen nach zwei Jahren Verhandlungen.

Die Deutsche sind noch kritisch

Damit ist der Weg für die Franzosen wieder frei. Diese könnten nun die Führung in einem Joint Venture zum Bau von Überwasserkriegsschiffen wie Fregatten erhalten. Im Gegenzug bekämen die Deutschen das Sagen in einer U-Boot-Gemeinschaftsfirma. Hier sind sie Marktführer. Allerdings beurteilt die deutsche Seite die Erfolgschancen der neuen Gespräche wegen der früheren Erfahrungen kritisch. Zudem müssten sich die deutsche und die französische Marine auf ein einheitliches Schiffsdesign einigen, hieß es. Hier gebe es jedoch große Vorbehalte. "Eine Marine ist daran gewöhnt, ihr Schiff von den Werften im eigenen Land so zu bekommen, wie sie es sich vorstellt", sagte ein Insider.

Ein Test für die Kooperation kann das jüngst vereinbarte deutsch-französische Bündnis bei Torpedos sein: Hier entwickeln Atlas Elektronik, deutscher Lieferant für Unterwassermarinetechnik, und DCNS künftig gemeinsam.

Regierungskreisen zufolge steht Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) dem Werftenverbund offen gegenüber. Als Befürworter gilt sein Staatssekretär Stéphane Beemelmans, der in Toulouse geboren ist und in Frankreich seinen Wehrdienst leistete. Auch Cromme zeichnet eine große Nähe zum Nachbarland aus, er saß früher im Thales-Verwaltungsrat.

FTD