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Umsatzeinbruch: O2 will hunderte Jobs streichen

Der Mobilfunkbetreiber O2 setzt den Rotstift an: Vor allem in den Bereichen Technik und Marketing will O2-Chef Gröger hunderte Stellen abbauen. Ein Grund für die Sparmaßnahmen ist das verunglückte Geschäft mit Flatrate-Tarifen.

Der Mobilfunknetzbetreiber O2 Germany wird noch im laufenden Jahr einige hundert Stellen abbauen. Bis Ende des Monats würden der Betriebsrat und die Führungskräfte über die geplanten Stellenstreichungen informiert, sagte O2-Deutschland-Chef Rudi Gröger auf einer Handelsblatt-Veranstaltung in Düsseldorf. "Wir werden dann relativ schnell im Sommer damit beginnen." Gröger hatte jüngst gesagt, die Personalmaßnahmen seien für dieses Jahr abgeschlossen.

Auf eine genaue Zahl wollte sich Gröger nicht festlegen. Er sagte lediglich, dass die in einem Medienbericht genannte Zahl von 1000 gefährdeten Arbeitsplätze deutlich zu hoch gegriffen sei. Derzeit beschäftigt O2 über 4800 Mitarbeiter. Betroffen vom Personalabbau seien schwerpunktmäßig die Bereiche Technik und Marketing, sagte Gröger. Das Unternehmen wolle 2007 rund 80 Millionen Euro einsparen. 2008 seien es dann 100 Millionen Euro. "Wir müssen in unseren eigenen Strukturen schlanker werden", sagte er. Die Auslagerung von Bereichen sei derzeit kein Thema.

4,6 Prozent Umsatzrückgang

Die Mobilfunknetzbetreiber liefern sich am deutschen Markt einen harten Wettbewerb. Preisrückgänge und die gesunkenen Gebühren für die Weiterleitung von Gesprächen in andere Netze führten bei O2 von Januar bis März zu einem Rückgang des Serviceumsatzes mit Gesprächen und Daten um 4,6 Prozent. „Das erste Quartal war das schlechteste“, bekräftigte Gröger. Die neuen Pauschaltarife würden derzeit gut nachgefragt.

O2 hatte im November 2006 als letzter der vier Wettbewerber Pauschaltarife eingeführt, zu diesem Zeitpunkt war E-Plus mit seiner Flatrate-Marke Base schon über ein Jahr lang aktiv. "Wir lassen E-Plus nicht mehr alleine", sagte Gröger. 2006 hatte O2 auch Zeit darauf verwendet, sich auf den Einstieg in den DSL-Markt vorzubereiten. Diesen Schritt ging das Münchener Unternehmen in Kooperation mit Telefonica im Herbst, fast zeitgleich mit dem Wettbewerber Vodafone, der DSL-Anschlüsse seiner Konzernschwester Arcor vertreibt. Doch schnell habe O2 gemerkt, dass die Kunden nicht so zügig bedient werden konnten wie geplant. Das Problem sei jetzt aber behoben. "Wir wollen bis zum Jahresende 130.000 bis 150.000 Kunden haben", sagte der Unternehmenschef.

Zu einem Bericht in der "Wirtschaftswoche", wonach er um seinen Posten kämpfen müsse, weil Telefonica mit der Entwicklung unzufrieden sei, sagte Gröger, er habe die Unterstützung der Muttergesellschaft. Das gelte auch für die mögliche Wahl zum Bitkom-Präsidenten. Diese steht am 22. Juni an.

Reuters / Reuters
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