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Verbraucher 5G und die Kosten: Warum bei dieser Mobilfunk-Revolution alles anders ist

Preis Leistung Smartphone: Zwei Frauen machen ein Selfie. Die vordere streckt
Bei 5G haben die Verbraucher:innen gut Lachen
© PeopleImages / Getty Images
5G kommt. Doch während die Vorgängertechnologien oft nur gegen satte Aufpreise zu bekommen waren, gibt’s den neuen Standard oft obendrauf. Dahinter steckt eine neue Strategie der Mobilfunkkonzerne – und der Druck der Discounter.

Schneller surfen, weniger ausgelastete Netze und völlig neue Nutzungsszenarien: Der neue Mobilfunkstandard 5G bietet den Verbrauchern und auch der Industrie jede Menge Vorteile. Eine der revolutionärsten Neuerungen aus Verbrauchersicht: Sie müssen für die Nutzung oft nicht mehr bezahlen als vorher.

Das war nicht immer so. Als zuerst mit UMTS und dann mit dem Nachfolger LTE die letzten Male die Revolution des Mobilfunkmarktes versprochen wurde, war das für die Kunden oft eine teure Angelegenheit. Die Provider ließen sich den Zugang zum neuen Netz meist durch Zusatzgebühren bezahlen, selbst in Premium-Tarifen kostete die Freischaltung oft einen Aufpreis. Bei 5G ist es anders. Und zeigt damit gut, wie sich der Markt in den letzten Jahren gewandelt hat.

Kein Preissprung für 5G

"Die meisten Vertragstarife der Netzbetreiber haben 5G zum gleichen Preis mit drin", bestätigte das Vergleichsportal Verivox eine Anfrage des stern. Und das nicht wie früher üblich nur bei neu abgeschlossenen Verträgen. Wer einen der höherwertigen Laufzeittarife bei Vodafone, Telekom oder Telefónica hat, bekommt die Option in der Regel einfach kostenlos freigeschaltet. Und kann – ein entsprechendes Smartphone mit 5G-Unterstützung und eine Netzabdeckung vor Ort vorausgesetzt – einfach über den neuen Standard ins Netz gehen.

Diese Strategie kommt natürlich nicht aus dem Nichts. "Mit 5G als kostenlosem Bestandteil in unseren gängigen Tarifen, setzen wir uns qualitativ von günstigeren Angeboten im Markt ab", erklärte ein Vodafone-Sprecher auf Anfrage des stern. Sprich: Der neue Internet-Standard wird zum Teil des Premium-Pakets, mit dem sich die Netzbetreiber von der günstigeren Konkurrenz durch Discounter-Anbieter abzugrenzen versuchen.

Der Siegeszug der Discounter verändert den Markt

Die hatten den deutschen Mobilfunk-Markt in den letzten Jahren gewaltig durcheinandergewirbelt. Galten die deutschen Tarife lange als überteuert, hat sich dieses Bild gewaltig gewandelt. Nachdem die Telefónica im Rahmen der Übernahme von E-Plus auch Resellern Zugang zum LTE-Netz gewähren musste, purzelten die Preise. Der Effekt war auch für die Premium-Anbieter nicht mehr zu ignorieren, Vodafone und Telekom schafften es zwar, das Niveau der monatlichen Gebühren zu halten, dafür legten sie aber beim Datenvolumen kräftig nach. Seit 2019 hat sich etwa das Datenvolumen bei der Telekom in vergleichbaren Tarifen verdreifacht, rechnete Verivox in einer Studie aus.

Ewig wird das als Lockmittel für die Kunden aber nicht ausreichen. Der Datenverbrauch der Nutzer steigt zwar, aber längst nicht so schnell wie das Angebot in den modernen Tarifen. Schon jetzt bieten Tarife erheblich mehr Datenvolumen als tatsächlich genutzt werden. So verbrauchte der deutsche Durchschnittsnutzer laut Verivox im letzten Jahr 3 GB Datenvolumen im Monat. Das durchschnittliche Inklusivvolumen liegt aber bei 23 GB – also fast achtmal so hoch. Hinzu kommen Regelungen, bei denen bestimmte Inhalte wie Musik- oder Serienstreaming vom verbrauchten Volumen ausgenommen werden. Das viel zu üppige Inklusivvolumen wird also noch weniger belastet.

Premium-Feature 5G

5G ist da noch die perfekte Gelegenheit, den eigenen Tarif aufzuwerten und sie gegenüber den günstigen Tarifen wertiger wirken zu lassen. "Derzeit sind 5G-Tarife auf die Netzbetreiber beziehungsweise die Netzbetreiber-Originaltarife von Service-Providern beschränkt", bestätigt Verivox. "Bei Prepaidtarifen kostet 5G teilweise Aufpreis (rund 3 Euro für vier Wochen), in manchen kleinen Tarifen ist nur LTE inkludiert, kein 5G. Discounter-Tarife sind bei vergleichbarem Datenvolumen meist erheblich günstiger, aber noch nicht 5G-kompatibel." 

Geht es nach den Kunden, könnte 5G sogar etwas mehr kosten, fand eine Studie des Branchenverbandes Bitkom heraus. 11 Euro würden die Befragten im Schnitt mehr auszugeben bereit sein, nur 27 wollen für den neuen Standard auf keinen Fall mehr zahlen. 

Die Netzbetreiber könnten aber noch eine weitere Motivation haben, die neue Technologie ohne Aufpreis anzubieten. "5G ist darauf ausgelegt, bei besserer Performance eine deutlich größere Anzahl von Geräten gleichzeitig auf dieselbe Funkzelle zugreifen lassen zu können", erklärt Hakan Ekmen, dessen Agentur umlaut regelmäßig die internationalen Mobilfunknetze testet. "Die Provider haben also ein Interesse, möglichst viele Nutzer von den LTE-Netzen ins 5G-Netz zu bringen – letztendlich auch um damit die begrenzten Frequenzen viel effizienter nutzen zu können." Für die Kunden hat das ebenfalls einen spürbaren Effekt: Sie haben seltener mit durch viele gleichzeitig eingeloggte Nutzer überlasteten Netzen zu kämpfen.   

Noch kein Massen-Produkt

Von den Kunden wird das Angebot bisher nur bedingt genutzt. Das liegt allerdings auch daran, dass das Netz sich noch im Aufbau befindet. "Mobilfunk-Stationen, die mit 5G-Technik ausgestattet sind, sind für rund 20 Prozent des Datenverkehrs in unserem Netz verantwortlich", erklärt Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland. Genauer könne man es aber nicht sagen, aus technischen Gründen: "Da einige Mobilfunk-Antennen Daten sowohl über 5G als auch über LTE übertragen, ist eine klare Abgrenzung nicht möglich, weil es zu Überschneidungen kommt." Auch die Telekom bestätigt, dass sich die Nutzung noch in Grenzen hält. "Der 5G-Anteil am Traffic ist noch gering, da es sich um eine neue Technologie handelt und bisher eine geringe Penetranz 5G-fähiger Endgeräte vorliegt", erklärte ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage.

Das dürfte sich schnell ändern. Seit knapp zwei Jahren kommen immer mehr Smartphones auf den Markt, die 5G unterstützen. "Rund 60 Prozent aller Smartphones, die Kunden bei Vodafone kaufen, sind 5G-Smartphones", bestätigt Ametsreiter. Dabei handelt es sich nicht nur um Premiumgeräte wie das iPhone 12 (hier bei uns im Test) oder das Galaxy S21 (ebenfalls von uns getestet). Selbst in der Klasse um 200 Euro gibt es bereits jetzt Geräte, die 5G unterstützen, wenn man danach sucht. Beispiele sind etwa das Motorola Moto G 5G oder das Samsung Galaxy A42 5G.

Wer noch nicht an 5G teilhaben kann – sei es wegen einer fehlenden Unterstützung der Technologie im Tarif oder dem Smartphone oder wegen des noch nicht ausgebauten Netzes – muss sich aber deshalb nicht ärgern, glaubt Michael Gundall von der Verbraucherzentrale. "Aktuell ist 5G noch nice to have und kein Muss", beruhigt er. "Das neue Netz bietet zwar schon jetzt Vorteile wie eine potenziell schnellere Verbindung, aber die Weiterentwicklungen bei 5G sind noch nicht zu Ende", erläutert Gundall. "Bis dahin wird uns der LTE-Standard noch eine Weile erhalten bleiben." 

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