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Spitzen-Smartphone Galaxy S21 Ultra im Test: Samsungs (sehr) großer Befreiungsschlag

Spitzen-Smartphone: Das Samsung Galaxy S21 Ultra wirkt selbst in großen Händen beachtlich groß
Das Samsung Galaxy S21 Ultra wirkt selbst in großen Händen beachtlich groß
© Malte Mansholt / stern
Samsungs S-Serie stand einst für das Beste vom Besten. Doch in den letzten Jahren verwässerte der Konzern dieses Prinzip zunehmend. Mit dem Galaxy S21 Ultra meldet er sich zurück. Leider hat die Sache einen Haken.

Die S-Klasse – das war einst Samsungs unangefochtenes Smartphone-Flaggschiff. Doch mit dem zunehmenden Erfolg des Galaxy Note, immer mehr Modellen in der Galaxy-S-Reihe und dem Aufkommen der Foldables nahm die Strahlkraft ab. Jetzt hat Samsung mit dem Galaxy S21 wieder ein Smartphone herausgebracht, das sich wie ein echtes Spitzenmodell anfühlt. Zumindest das Ultra-Modell.

Denn auch diesmal kommen nicht eines, nicht zwei sondern gleich drei Galaxy S21 auf den Markt. Wie schon beim Note 20 fühlen sich die "kleinen" Modelle aber wie Sparvarianten ab. Das, was früher als "Mini" vermarktet wurde. Das volle Premium-Paket gibt es nur beim Galaxy S21 Ultra. Wir haben es getestet.

Die matte Glassrückseite machen das Samsung Galaxy S21 Ultra nicht nur zum Hingucker, sondern fühlt sich auch sehr edel an
Die matte Glassrückseite machen das Samsung Galaxy S21 Ultra nicht nur zum Hingucker, sondern fühlt sich auch sehr edel an
© Malte Mansholt / stern

Handschmeichler

Das Premium-Gefühl stellt sich quasi sofort ein. So eine edle Kombination aus Look und Haptik gab es bei Samsung lange nicht. Auch wenn die gigantische Kamera-Erhebung sofort ins Auge springt, wird sie vom übrigen Design geradezu überstrahlt. An den Reflektionen liegt das nicht: Für das S21 Ultra hat Samsung eine eigene, besonders matte - und im Falle unseres Testmodelle extrem tiefschwarze - Glasrückseite entwickelt. Die sieht nicht nur toll aus, sondern fühlt sich auch extrem edel an. Und: Fingerabdrücke lassen sich nur noch bei ganz genauem Hinsehen erkennen. Zusammen mit dem glänzenden Edelstahl-Rahmen erzeugt das ein enorm edles Gesamtbild.

Das wurde im Test nur von zwei kleinen Mankos getrübt: Um die Kameraaussparung sammelten sich sehr schnell Staubflusen aus der Hosentasche, die vor dem matten Glas besonders schnell ins Auge fielen. Und: Das Glas ist wieder einmal sehr rutschig. Das fällt wegen des guten Griffs am Metallrahmen in der Hand nicht besonders negativ auf, sorgte aber dafür, dass es mir mehr als einmal beim Sitzen auf der Couch oder dem Bett unbemerkt aus der Hosentasche rutschte. Im Zug das Bein zu sehr anzuwinkeln, kann also theoretisch sehr teuer werden.

Die scharfen Kanten an der Kamera-Ausbuchtung und den Linsen selbst sind leider Fusselmagneten
Die scharfen Kanten an der Kamera-Ausbuchtung und den Linsen selbst sind leider Fusselmagneten
© Malte Mansholt / stern

Zucker für die Augen

Der sonst gute Eindruck setzt sich – wie bei Samsungs Highend-Geräten gewohnt – auf der Vorderseite fort. Das Display des Galaxy S21 Ultra ist eine schlichte Wucht. Die enorm hohe Auflösung von 3200 x 1440 Pixeln kommt auf den 6,8 Zoll voll zur Geltung, das AMOLED-Display liefert sattes Schwarz und wunderschöne Farben. Und: Zum ersten Mal setzt Samsung auf eine dynamische Bildwiederholrate zwischen 10 und 120 Bildern die Sekunde, die sich je nach gezeigtem Inhalt anpasst. So wird das flüssige Scrollen einer hohen Bildwiederholrate möglich, ohne den Akku zu schnell leerzusaugen. Das Umschalten war im Alltagseinsatz nicht zu bemerken, das Galaxy fühlt sich durchgehend extrem flüssig an. Auch bei der Helligkeit legt Samsung eine Schippe drauf: Mit 1500 Nit ist das S21 Ultra auch im hellsten dem deutschen Winter abzugewinnenden Sonnenlicht gut lesbar geblieben.

All das bekommt man bei den "kleinen" S21 übrigens nicht. Die Auflösung ist geringer, die Bildwiederholrate weniger flexibel. Und auch die Helligkeit ist mit 1300 Nit zwar sehr hoch, aber nicht so hoch wie beim Spitzenmodell.

Die starke Kamera ist - neben dem Display - der Star des Samsung Galaxy S21 Ultra
Die starke Kamera ist - neben dem Display - der Star des Samsung Galaxy S21 Ultra
© Malte Mansholt / stern

Starke Knipse

Auch bei der Kamera der S21 Ultra legt Samsung noch eine Schippe drauf – und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Vier Linsen stecken in der wuchtigen Kamera-Ausbuchtung. Da ist die Weitwinkel-Hauptkamera mit 108 Megapixeln, die im Standardmodus allerdings jeweils aus neun Bildpunkten einen einzelnen berechnet – und so doch "nur" auf 12 MP große Bilder kommt. Hinzu kommen ein Ultraweitwinkel (12 MP), sowie gleich zwei Zoomlinsen, die in 10 MP auflösen, und jeweils einen dreifachen und zehnfachen optischen Zoom bieten. Mit digitaler Unterstützung lässt sich das Bild bis zu 100x heranholen. Dann leidet allerdings die Bildqualität.

Das Kamerasystem ist beeindruckend, wirkt in der Benutzung aber nicht so revolutionär. wie Samsung es bewirbt. Bei gutem Licht sind die Bilder sehr scharf, stellen Farben für Samsung-Verhältnisse ungewohnt natürlich dar. Im Vergleich zum iPhone 12 sind es etwa nicht wie früher die Samsung-Bilder, die vor Farben strotzen – sondern die des iPhones. Welche Variante einem besser gefällt, ist aber letztlich Geschmackssache.

Interessant ist allerdings, dass sich die Nachberechnung der Bilder bei schlechtem Licht genau anders herum darstellt: Plötzlich ist es das Galaxy, das das blaue Restlicht etwas zu enthusiastisch betont und so auch eine einfache Straßenkulisse in Neontöne taucht, die mit dem bloßen Auge so gar nicht zu sehen waren. Ob das iPhone oder das Galaxy mehr Details erwischen, hängt im Dunkeln etwas von der Situation ab. Beide halten sich etwa die Waage. Schade: Ein paar Mal schaffte es das Galaxy aus nicht geklärten Gründen im Dunkeln nicht zu fokussieren – und stellte einfach alles unscharf dar. Beim nächsten Bild funktionierte es dann wieder normal. Beim Knipsen im Dunkeln sollte man also lieber mehr als ein Foto schießen.

Eine Besonderheit ist nach wie vor der starke Zoom. Vom Weitwinkel bis zum 100x-fachen Heranholen bietet das Galaxy eine unglaubliche Reichweite bei der Darstellung eines Motivs. Das können nach wie vor nur wenige Smartphones, etwa von Huawei. Apple beschränkte sich beim iPhone 12 Pro auf einen 2,5-fachen Zoom. Wirklich sinnvoll ist Samsungs Zoom aber auch nur maximal bis zur 30-fachen Vergrößerung. Selbst dann sieht man bereits leichte Artefakte, jeder noch so kleine Zitterer der Hand kann das Motiv verwackeln. Der drei- und zehnfache optische Zoom liefert aber tolle Ergebnisse. Beispielbilder finden Sie in der Galerie.

Stark: Als eines der ersten Smartphones kann das Galaxy S21 Ultra auch in 8K filmen. Ob das wirklich einen Vorteil bringt, ließ sich mangels eines 8K-fähigen Bildschirms aber leider nicht nachvollziehen.

Samsung: überraschende Fakten über den Weltkonzern aus Südkorea

Es läuft und läuft...

Bei der sonstigen Umsetzung hat Samsung aus alten Fehlern gelernt. Der selbstentwickelte Exynos 2100 arbeitet rasant, selbst aufwendige Spiele brachten ihn nicht ins Schwitzen. An die enorm hohen Werte des A14-Chips im iPhone 12 kommt er zwar in Testprogrammen nicht heran, liegt aber auch nicht weit dahinter. Hier ist Samsung ein echtes Comeback gelungen, wenn im der in manchen Erdteilen verbaute Snapdragon 888 von Qualcomm auch noch einen Ticken potenter zu sein scheint.

Vor allem ist Samsungs Chip aber sehr Akku-schonend: Im Alltag schaffte das Galaxy zweimal einen vollen zweiten Tag Nutzung, ohne dass der Akku voll verbraucht war. Und das trotz Dauernutzung. Eine beachtliche Leistung. So dürfte selbst der höhere Stromverbrauch durch das helle Display oder die Nutzung eines 5G-Netzes für eine lange Weile kein Problem darstellen.

Die S-Serie geht stiften

Eine eigentlich tolle Neuerung ist auch die Unterstützung des S-Pens. Als erstes Galaxy S kann das S21 Ultra den von der Note-Reihe bekannten Stift nutzen. Das funktioniert recht gut. Schon nach wenigen Notizen merkt man aber das größte Manko: Dem S21 Ultra fehlt ein Schlitz, um den Stift nach getaner Arbeit unterzubringen. Zwar bietet Samsung eine Hülle mit entsprechendem Schlitz an, die ist aber wie der Stift selbst nicht im Lieferumfang enthalten. Somit dürfte das Feature für die meisten Nutzer eher theoretischer Natur sein.

Bei der Software setzt Samsung wie gewohnt auf die jüngste Version von Android, verbessert Googles System nur in kleinen, nützlichen Details. Auch die lange gescholtene Update-Politik des Konzerns scheint sich gebessert zu haben: Samsung ist laut einer neuen Studie der Android-Anbieter mit den schnellsten Updates. An den Langzeitsupport eines iPhones kommt es leider aber immer noch nicht heran.

Schade: Das Galaxy S21 unterstützt nicht die Speicher-Erweiterung durch eine microSD-Karte. Man muss also beim Kauf entscheiden, wie viel Platz man benötigt. Immerhin sind selbst die kleinsten Modell mit 128 GB recht gut ausgestattet.

Fazit: Ein starkes Comeback

Das Galaxy S21 Ultra ist das, was man früher von Samsungs S-Klasse erwartete: Es ist stark verarbeitet, technisch auf dem neuesten Stand und fühlt sich wirklich wie ein waschechtes Premium-Smartphone an. Vor allem beim Display, dem edlen Design und der starken Kamera kann es nahezu auf ganzer Linie überzeugen. Damit ist es eines der stärksten Samsung-Flaggschiffe seit Jahren.

Ein kleineres Mankos ist das etwas rutschige, an den Kanten leicht staubanfällige Gehäuse. Auch die S-Pen-Unterstützung wirkt ohne den Schlitz etwas sinnlos.

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Und dann ist da noch der Preis. Das Galaxy S21 kostet mindestens 1200 Euro, mit mehr Speicher wird es noch teurer. Die "kleinen" Modelle sind zwar günstiger, müssen allerdings auf viele Features verzichten. Diese Kröte dürfte für viele schwer zu schlucken sein. Zumal man mit dem Oneplus 8T oder dem Galaxy Note 20 Ultra ähnlich tolle Geräte für deutlich weniger Geld bekommt. Selbst das notorisch teure iPhone 12 Pro Max ist mittlerweile günstiger.

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