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Nach Ausfällen und Service-Problemen: O2 geht in den Angriff - und fühlt sich missverstanden

Bei den Kunden hat der Ruf von O2 in den letzten beiden Jahren mächtig gelitten. Die größte Baustelle: das Netz. Das will der Konzern aber nicht so sehen - und versucht, die Probleme wegzuloben.

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O2 kämpft seit der Übernahme von E-Plus mit Empfangs- und Netzproblemen

Getty Images

Ärger mit dem Service, kaum Empfang und ständige Ausfälle: Kaum ein Unternehmen sorgt für soviel wütendes Feedback der stern-Leser wie die Telefónica. Auch in Netztests schneidet O2 immer wieder am schlechtesten ab. Jetzt hat sich der Konzern in einem Blogpost zu seinem Netz geäußert - und feiert es in schillerndsten Farben.

Die größte Baustelle ist sicher die Integration des E-Plus-Netzes. Seit der Übernahme kämpft die Telefónica damit, die beiden Netze zusammenzubringen. Immer wieder melden sich Leser wegen daraus resultierender Ausfälle und Störungen. Im Blogpost klingt das deutlich positiver: "Das europaweit einzigartige Großprojekt Netzintegration läuft derzeit bundesweit auf Hochtouren und macht in allen Regionen große Fortschritte", erklärt die Telefónica dort. Zehntausende Standorte würden "bearbeitet und mit modernster, leistungsfähiger Technik bestückt." Die komplizierte Integration wird nach zwei Jahren voller Pannen als erfolgreiches Zukunftsprojekt dargestellt.

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Umbau unterschätzt

In einem Interview des Telefónica-Chefs Jose Maria Alvarez-Pallete klang das noch selbstkritischer. "Wir haben für den Umbau länger gebraucht, als wir intern dachten. Wenn wir an einer Basisstation arbeiten, merkt der Kunde das und denkt, das Netz sei schlecht", sagte er dem "Handelsblatt". Die Zukunftsprognosen fielen aber auch bei Alvarez-Pallete positiv aus. Inzwischen seien aber 80 Prozent der Arbeiten erledigt. "Und da, wo wir fertig sind, haben wir das leistungsfähigste Netz in Deutschland", gab sich der Chef selbstbewusst.

Wo dieses Supernetz sein soll, verrät der Blogpost. "Unter anderem profitieren Mobilfunkkunden in den Städten München, Stuttgart, Halle (Saale), Braunschweig, Potsdam sowie in Süddeutschland und dem westlichen Münsterland vom neuen O2 Netz", heißt es dort. Weitere Gebiete Deutschlands sollen folgen. Dass nicht die ganze Bundesrepublik O2s Supernetz bekommt, machte der Chef schon klar: Auf dem Land könne man mit der Infrastruktur der Telekom auch künftig nicht mithalten, gab er gegenüber dem "Handelsblatt" zu.

Enger Zeitplan

Einig sind sich Chef und Blogpost beim Zeitplan. Bis Ende des Jahres soll das Megaprojekt abgeschlossen sein. Das hatte der deutsche Telefónica-Chef Markus Haas aber bereits im letzten September erklärt. "Wir sind über den Berg", sagte er damals gegenüber dem stern. Der Umbau solle nur noch ein paar Monate dauern. Ein gutes Jahr später ist der nach außen kommunizierte Zeitplan quasi der gleiche.

Immerhin wurden die Ziele erweitert. In den nächsten Monaten soll nicht nur die Integration abgeschlossen sein, "sondern auch die Netzoptimierung und den bedarfsgerechten Ausbau mit zusätzlichen LTE-Kapazitäten" vorangetrieben werden, erklärt der Blog. Konkret wird das etwa am Beispiel München: Dort wurden demnach bereits 750 Masten modernisiert, 249 neue LTE-Stationen wurden errichtet. In Stuttgart hat sich die Zahl der LTE-Stationen demnach verdreifacht. In Halle (Saale) sollen beinahe alle O2-Masten LTE unterstützen.

Ob die Telefónica diesmal die Zeitpläne einhalten kann, wird sich zeigen. Das erklärte Ziel des Konzerns dürfte trotzdem sportlich bleiben: "Bis 2022 wollen wir zum "Mobile Customer & Digital Champion" werden, d.h. zum bevorzugten Partner der Kunden im deutschen Mobilfunkmarkt", so der Konzern auf der Unternehmensseite. Bis dahin dürfte er noch einige Überzeugungsleistung bringen müssen.

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