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Umstrukturierung: Siemens-Aufsichtsrat gibt grünes Licht

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher hegte radikale Pläne zum Umbau des Siemens-Konzerns. Nun gibt der Aufsichtsrat grünes Licht für deren Verwirklichung. Aber schon der Führungswechsel hat den Konzern offenbar viel Geld gekostet.

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher hat vom Aufsichtsrat grünes Licht für seine radikalen Umbaupläne des von Korruptionsskandalen erschütterten Traditionskonzerns bekommen. Künftig wird Siemens statt in neun nur noch in die drei Kernsparten Energie, Industrie und Gesundheit gegliedert. "Durch die neue fokussierte Unternehmensstruktur werden wir unsere Ertragskraft und Transparenz weiter steigern", betonte Löscher nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Der Vorstand wird von elf auf acht Mitglieder verkleinert.

Die IG-Metall begrüßte Löschers Konzern-Umbau und erklärte, dass kein dramatischer Arbeitsplatzabbau drohe. "Löscher hat an jeder Stelle sein Wort gehalten", lobte der IG-Metall-Vorsitzende und Siemens-Aufsichtsrat Bertold Huber. Siemens werde nicht zerschlagen, sondern als integrierter Technologiekonzern erhalten. Auch Osram und Bosch-Siemens-Hausgeräte blieben im Unternehmen. "Ein zweites BenQ wird es nicht geben", betonte Huber. Löscher, der zugleich die Traditionsbezeichnung "Zentralvorstand" für die oberste Führungsebene strich, erklärte, der Konzern solle mit den Umbau flexibler werden: "Klare Verantwortlichkeiten stellen sicher, dass wir schneller und kundennäher im Markt auftreten."

Neue Chefs in drei Sparten

Der Aufsichtsrat stimmte Löschers Personalvorschlägen zu und bestimmte die Chefs der drei neuen Sparten: Von der alten Siemens-Garde des einstigen Vorstandschefs Heinrich von Pierer bleibt nur der erfolgreiche Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt in der Konzernspitze. Der ursprünglich als Arbeitsdirektor vorgesehene Siemens-Vorstand Heinrich Hiesinger leitet künftig die mit Abstand größte Konzernsparte Industrie. Mit Bereichen wie der Verkehrs- und Eisenbahntechnik, Industrie-Automatisierungsanlagen und Osram beträgt der Spartenumsatz über 40 Milliarden Euro. Die Energiesparte übernimmt der frühere Chef der von Siemens verkauften Autozuliefersparte VDO, Wolfgang Dehen. Für den aus Altersgründen ausscheidenden 66-jährigen Arbeitsdirektor Jürgen Radomski berief der Aufsichtsrat den 44-jährigen Siegfried Russwurm zum neuen Personalvorstand. Neben Radmoski scheiden vier weitere unter Pierer und dessen Nachfolger Klaus Kleinfeld berufene Manager im Zuge des Konzernumbaus aus dem Vorstand aus.

Der Schritt erfolge in Einvernehmen und Einsicht in die Notwendigkeit der Neuorganisation, hieß es in Unternehmenskreisen. Nach Konzernangaben sollen die Ex-Vorstände Rudi Lamprecht, Eduardo Montes, Uriel Sharef und Klaus Wucherer weiter beratend für den Konzern tätig sein. Auf ihren Posten bleiben Finanzchef Joe Kaeser und Technologie-Chef Hermann Requardt, die beide 2006 unter Kleinfeld in den Vorstand aufrückten - ebenso der im Oktober als Zeichen des unternehmenspolitischen Neuanfangs von General Electric geholte Chefjustiziar Peter Solmssen. Der Amerikaner soll die Aufklärung der Schmiergeldskandale vorantreiben und den Konzern zu einem Vorbild für saubere Geschäfte machen.

Hohe Sonderzahlungen für Kleinfeld und Löscher

Unterdessen wurde bekannt, dass Siemens der Wechsel an der Konzernspitze deutlich teurer als bislang bekannt gekommen ist. Wie aus dem an die US-Börsenaufsicht übermittelten Konzern-Jahresabschluss hervorgeht, zahlte Siemens Kleinfeld eine einmalige Sonderleistung von 5,75 Millionen Euro für die Unterzeichnung einer Wettbewerbsklausel. Kleinfeld habe darin zugesichert, nicht zu einem direkten Konkurrenten von Siemens zu wechseln. Löscher erhielt dem Bericht zufolge eine Einzahlung von 8,5 Millionen Euro auf sein Pensionskonto. Damit habe Siemens finanzielle Nachteile kompensiert, die Löscher bei seiner Vertragsauflösung bei Merck entstanden seien.

Michael Pohl/AP / AP