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US-Forscher:: BP erkauft sich Schweigen von Wissenschaftlern

Ein US-Wissenschaftler hat dem dem Ölkonzern BP vorgeworfen, gezielt angesehene Forscher unter Vertrag zu nehmen, um nachteilige Informationen zur Ölkatastrophe unter Verschluss zu halten. Zudem klagte ein Techniker an, dass der Alarm auf der explodierten Bohrinsel "Deepwater Horizon" abgeschaltet gewesen wäre.

Ein führender US-Wissenschaftler hält BP vor, angesehene Forscher zum Schweigen bringen zu wollen. BP habe die Wissenschaftler gezielt unter Vertrag genommen, um Informationen eine Zeit lang unter Verschluss zu halten. "Ein wahrlich gigantischer Konzern versucht das Schweigen von Hochschullehrern in einem umfassenden Ausmaß zu erkaufen", kommentierte Cary Nelson, Vorsitzender des US-Professorenverbandes AAUP, den Vorgang im britischen Sender BBC. Nelson kritisiert, BP wolle sich mit den Verträgen für die Forscher einen Vorteil bei bevorstehenden Gerichtsprozessen verschaffen. Anwälte des Energiekonzerns wollen die Wissenschaftler laut den Verträgen, die der britische Sender am Samstag dokumentierte, an das Unternehmen binden. Die Experten müssten demnach enge Absprache über ihre Arbeit mit den Anwälten des Konzerns führen.

BP will die nächste Tiefseebohrung

Ein besonderer Punkt der von BP angestrebten Vereinbarungen sei "strenge Vertraulichkeit". Forschungsergebnisse dürfen frühestens nach drei Jahren veröffentlicht werden - oder früher, falls die US- Regierung dem Wiederaufbauplan für die gesamte Golfregion vorher zustimmen sollte. Der Londoner Ölkonzern hat nach eigenen Angaben mehr als zwölf US-Wissenschaftler engagiert, bestreitet aber, dass es für die Experten Beschränkungen gebe.

Den jüngsten Vorwurf gegen BP erhebt ein Techniker, der sich bei der Explosion auf der "Deepwater Horizon" nur durch einen Sprung ins Wasser retten konnte. "Sie wollten nicht, dass die Leute um drei Uhr nachts durch Fehlalarme geweckt werden", sagt Mike Williams. Deshalb sei der Sirenen-Signal in der Unglücksnacht nicht aktiviert gewesen. Elf Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben.

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Der Alarm sei schon ein Jahr vor der Explosion am 20. April abgeschaltet worden, sagte Williams vor einem Untersuchungsausschuss im Bundesstaat Louisiana. Da das Alarmsystem nicht vollständig funktionierte, sei die Evakuierung der Plattform behindert worden. Unklar sei allerdings, ob man mit voll funktionierenden Alarm die elf Todesfälle hätte verhindern können, schreibt die "New York Times". 115 der 126 Menschen auf der Bohrinsel wurden damals gerettet. Er habe seine Vorgesetzen über den abgeschalteten Alarm informiert, sagte Williams weiter - doch die hätten ihm klargemacht, dass dies Absicht sei.

Trotz der Katastrophe im Golf von Mexiko will BP die nächste Tiefseebohrung im Mittelmeer vor der Küste Libyens starten. "Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen", sagte BP-Sprecher David Nicholas am Samstag der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times". Die Quelle soll spätestens in einem halben Jahr erschlossen sein. In dem Feld soll es große Mengen Erdöl und bis zu 850 Millionen Kubikmeter Erdgas geben. Der Energiekonzern wies Sicherheitsbedenken über die neue Tiefseebohrung zurück.

Die Bohrung erfolgt in der Mittelmeerbucht Große Syrte. Etwa 200 Kilometer westlich der Hafenstadt Bengasi liegt die Quelle in rund 1750 Metern Tiefe - rund 250 tiefer als das Bohrloch vor der US- Küste. Die US-Regierung hat nach dem Unglück weitere Tiefseebohrungen in Küstengewässern für sechs Monate verboten.

Reuters/AFP / Reuters
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