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US-Hypothekenmarkt: Krise trifft deutsche Großbanken

Die Krise am US-Hypothekenmarkt hat sich verschärft: Der US-Hypothekenfinanzierer Homebanc stellte einen Antrag auf Gläubigerschutz mit dem Ziel, das Unternehmen zu schließen. Mehrere deutsche Großbanken werden wohl Millionen abschreiben müssen.

Von Mark Schrörs, Sebastian Dullien und Heike Buchter

Zu den Homebanc-Gläubigern gehören laut der US-Finanzaufsicht SEC die Deutsche Bank und Commerzbank, Frankreichs größte Bank BNP Paribas sowie die US-Bank JP Morgan. Die Homebanc bezifferte die eigenen Schulden auf 4,9 Milliarden Dollar sagte aber nicht, welcher Anteil davon auf welchen Gläubiger entfällt.

Die neue Pleite schürt Ängste, dass sich die Lage am US-Hypothekenmarkt zuspitzt und weltweit Banken in Schieflage geraten. Diese Bedenken haben bereits zu Verlusten an den Börsen, zu steigenden Risikoprämien und Spannungen am Geldmarkt geführt, wo Banken einander Geld leihen. Darauf haben vergangene Woche die Notenbanken mit Liquiditätsspritzen in bislang nie gesehener Höhe reagiert.

Vor dem Insolvenzantrag der Homebanc hatte bereits die größte private US-Hypothekenbank Countrywide massive Finanzierungsprobleme eingeräumt und auf "nie da gewesene Störungen" der Märkte verwiesen.

Rettungsaktion für IKB-Bank

Ängste vor einer schweren Bankenkrise in Deutschland, die zuletzt aufgekommen waren, wies der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup, entschieden zurück. "Es gibt derzeit keine Anzeichen einer systemischen Krise", sagte er der FTD. Ähnlich hatte sich zuvor bereits Bundesbankchef Axel Weber geäußert.

Die schlechten Nachrichten reißen aber nicht ab: So war die Mittelstandsbank IKB wohl viel stärker auf dem kriselnden US-Hypothekenmarkt engagiert als bislang bekannt. Laut "Spiegel" soll sie 7,8 Milliarden Euro in wackligen US-Anleihen angelegt haben. Die IKB hatte nur eine konzertierte Rettungsaktion der gesamten deutschen Finanzbranche vor der Pleite bewahrt. Die WestLB bezifferte am Wochenende ihr Engagement im Markt für zweitklassige US-Hypotheken (Subprime) auf 1,25 Mrd. Euro.

Betroffen: Postbank, Sachsen LB

Die Postbank räumte ein, dass sie mit 600 Mio. Euro bei zwei Gesellschaften des IKB-Rhineland-Fonds engagiert war. Diese Papiere habe sie nun in die eigenen Bücher aufgenommen. Wie viel davon auf Subprime entfalle, sei noch unklar. Die Postbank habe für die zwei Rhineland-Gesellschaften auch Garantien abgegeben, sagte ein Sprecher.

In den Fokus rückte auch die Sachsen LB. Die Finanzaufsicht BaFin nahm eine 13 Milliarden Euro schwere Zweckgesellschaft der Landesbank ins Visier. Die Sachsen LB wies aber Liquiditätsprobleme und Vergleiche mit der IKB zurück. Für die Deutsche Bank ist die Homebanc-Pleite der zweite Rückschlag in einer Woche. Zuvor hatte American Home, zu dessen größten Gläubigern eine Tochter der Deutschen Bank gehört, Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts gestellt. Die Deutsche Bank hatte sich zuletzt zu ihren Kreditrisiken bedeckt gehalten. Die Commerzbank hatte sich sogar zuversichtlich geäußert, von der Situation wegen des Ausfalls von Wettbewerbern profitieren zu können.

Notenbanken schießen Geld nach

Die Spekulationen um Ausfälle bei Banken sorgten am Freitag erneut für Engpässe an den Geldmärkten. Die Notenbanken stellten 100 Mrd. Euro zusätzliche Barmittel zur Verfügung. Die US-Fed kündigte an, dass sie ein "ordentliches Funktionieren der Finanzmärkte" gewährleisten wolle.

Nach Informationen der Financial Times plant die Europäische Zentralbank, sich bei der Fed Dollar gegen Euro zu beschaffen, um europäische Banken damit auszustatten. Denen droht auch eine Kreditklemme in der US-Währung, da kurzfristig US-Geldmarktpapiere auslaufen und US-Geschäftsbanken nicht mehr gewillt sind, die Kredite erneut nach Europa zu vergeben.

Der Internationale Währungsfonds trat Sorgen um die Weltwirtschaft entgegen. Die laufende "Neubewertung der Risiken" sei "beherrschbar". Unter Volkswirten wuchsen indes die Sorgen. "Je länger die Turbulenzen anhalten, desto größer ist die Gefahr, dass die Banken nicht bereit sind, wie bisher ihre Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte auszuweiten", sagte Christel Aranda-Hassel von der Credit Suisse.

FTD