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Verdis Dorfladen-Konzept Aus Schlecker soll Tante Emma werden


Hoffnungsschimmer im Südwesten: Mit neuem Logo und je einem Euro Startkapital könnten 100 Schlecker-Filialen zu Tante-Emma-Läden umfunktioniert werden. Ob das Verdi-Konzept aufgeht, ist umstritten.

Rund 100 frühere Schlecker-Filialen im Südwesten könnten künftig als Tante-Emma-Laden weitergeführt werden. Wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch in Stuttgart berichtet, soll dazu für jeden Laden eine eigene Mini-GmbH gegründet werden. Für die kleinere Variante der GmbH reicht bereits ein Euro Startkapital. Eine übergeordnete Holding soll dann beispielsweise die Buchhaltung und den Einkauf übernehmen. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft interessieren sich bisher rund 40 frühere Schlecker-Mitarbeiterinnen für das Vorhaben.

Sie wollen frühere Drogeriemärkte mit neuem Logo und dem Sortiment eines klassischen Dorfladens neu öffnen. Bis Ende Oktober sollen mindestens drei Läden rund um Ludwigsburg bei Stuttgart das Modell erproben. Das Vorhaben ist zunächst auf Baden-Württemberg begrenzt. In ganz Deutschland gibt es Verdi zufolge aber rund 1000 Standorte, die aufgrund ihres guten Umsatzes für eine Weiterführung infrage kämen.

"Es gibt eine Menge Top-Standorte, und der eigentliche Skandal ist, dass die nicht weitergeführt werden sollen, obwohl sie profitabel sind", sagte Christina Frank, Gewerkschaftssekretärin von Verdi in Stuttgart, der Nachrichtenagentur AFP. "Es geht aber nicht nur um die Angestellten. Auch die Einwohner und die Vermieter haben was davon", erklärte Frank. Geht ihr Plan auf, könnten bundesweit rund 4000 Arbeitsplätze gerettet werden. 600 Schlecker-, 300 Schlecker XL- und 100 Ihr Platz-Märkte hätten das Potenzial, um weiter zu machen, glaubt Frank. Dafür sei aber die Unterstützung der Kommunen, der Vermieter und natürlich der Kunden nötig.

Handelsverband ist skeptisch

Der Unternehmensberater Michael Gschwinder warnt dagegen vor überzogenen Erwartungen. "Schlecker raus, Laden rein, das klingt schön einfach, aber für die Umsetzung muss man sich jeden Standort ganz genau ansehen", sagte Gschwinder der Nachrichtenagentur DPA. Der Fachmann vom Handelsverband Baden-Württemberg berät Unternehmensgründer. Zurzeit liegen zwei Anfragen von ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen auf seinem Schreibtisch, die Stadtteilfilialen übernehmen wollen. Zudem berät er ein Dorf, das in einem aufgegeben Schleckermarkt einen Laden eröffnen will.

Ein Dorfladen funktioniert nach Erfahrung von Gschwinder nur, wenn die Gemeinschaft hinter dem Projekt steht. Deshalb rät er dazu, solche Läden als Genossenschaft oder Verein zu führen. "Es muss ein Wir-Gefühl entstehen, nach dem Motto: Wir kaufen in unserem Laden ein." Zudem könnten solche Läden oft ohne ehrenamtliche Unterstützung gar nicht überleben. "Wir reden hier über Gewinne im Cent-Bereich." Früheren Schleckermitarbeiterinnen könne man den Aufbau eines solchen Ladens in der Regel "nicht mit gutem Gewissen empfehlen".

mlr/DPA/AFP DPA

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