Verpackung Wenn Pfanddosen kein Dosenpfand bringen


Geld liegt doch auf der Straße. 25-Cent-weise und vor allem auf Autobahnen und Fernstraßen - nämlich jene Dosen, die weggeworfen statt eingelöst wurden.

Geld liegt doch auf der Straße. 25-Cent-weise und vor allem auf Autobahnen und Fernstraßen - bevorzugt im Gebüsch am Randstreifen. Leider kann mit dem Geld niemand mehr etwas anfangen, denn es hat die Gestalt weggeworfener Getränkedosen, die alle 25 Cent Pfand gebracht hätten. Wenn sie zurück ins Geschäft gebracht worden wären. Doch jede vierte Dose findet nicht den Weg zurück in den Laden, schätzt der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Sie wird aus dem Auto geworfen, landet im Müll oder bleibt leer im Fußballstadion liegen.

Tankstellen profitieren

Die Hauptprofiteure sind Tankstellen und Kioske, denn wer unterwegs eine Dose kauft, kehrt wegen 25 Cent selten zurück. Bei den Shell- und DEA-Tankstellen in Deutschland kommt nach Konzern-Angaben nur jede dritte Dose zurück. «Aber die Quote wird steigen, denn inzwischen kann der Kunde an jeder zweiten unserer Tankstellen die bei Shell gekaufte Dose zurückgeben», sagt ein Konzernsprecher. Konkurrent Aral will ab Anfang März das gleiche System einführen, fast alle Tankstellen sollen mitmachen.

«Eine kleine Katastrophe»

«Das bringt auch nicht viel», schimpft der Nürnberger Spediteur Wolfgang Kollmann. «Dafür gibt es zu wenig Tankstellen. Klar, dass meine Fahrer die Dosen eher wegwerfen, als sie tagelang im Auto zu sammeln. Es ist eine kleine Katastrophe.» Die kaum bessere Alternative: Die Lkw-Fahrer kaufen große Mehrwegflaschen, in denen die Getränke dann aber schnell schal werden.

Lukrativer Pfandgewinn

Für die Händler ist die Pfand-Problematik dagegen ein lukratives Zusatzgeschäft. Bis zu 100 Prozent Aufschlag bringt der Zuschlag bei billigen Getränken wie Dosenbier aus dem Supermarkt, da die Verkäufer an ihre Großhändler kein Pfand zahlen müssen. «Ein guter Nebenverdienst. Das könnte immer so bleiben», sagt daher auch die Verkäuferin in einer Nürnberger Aral-Tankstelle. Sie rechnet vor: «Bei uns gehen pro Tag 200 Dosen und 200 Einwegflaschen über die Theke. Die Hälfte kommt nicht zurück.» 50 Euro Pfandgewinn pro Tag - im Monat immerhin 1.500 Euro.

Negativbeispiel Münchner Flughafen

Besonders kundenunfreundlich geht es auf dem Münchner Flughafen zu. Wer hier vor dem Abflug noch schnell eine Dose kauft, kann sein Pfand abschreiben. Oder wegen 25 Cent einen neuen Flug buchen - denn das Geschäft liegt hinter dem Check-In-Bereich. Das Ergebnis: Nur jede dritte Dose wird zurückgegeben.

Dosenabsatz halbiert

In Deutschland wurden im Jahr 2002 nach Angaben der Stiftung Deutsche Umwelthilfe (DUH) rund 18 Milliarden Getränkeverpackungen verkauft, die jetzt bepfandet werden. Trotz einer von der DUH ermittelten Halbierung des Dosenabsatzes seit Januar bleiben dem Handel pro Monat dennoch rund 50 Millionen Euro Zusatzeinnahmen, da die Kunden Pfand nicht zurückfordern.

System lässt sich nicht ändern

Der HDE sieht die Mehreinnahmen jedoch eher skeptisch: Die zusätzlichen Personal- und Entsorgungskosten wiegen die Pfandgewinne auf - vor allem bei kleineren Läden», sagt Sprecher Hubertus Pellengahr. Ändern kann der Handel das System jedoch nicht. Wer keine Dosen zurücknimmt, zahlt bis zu 50.000 Euro Strafe.

Besserung erst im Oktober

«Für die Kunden ist es aber eine noch viel unbefriedigendere Situation», schimpft Gitta Geue von der Münchner Verbraucherzentrale. «Wenn der Handel leidet, ist seine eigene Schuld. Denn er hat sich nicht rechtzeitig auf ein zentrales Rücknahmesystem geeinigt.» Bis Anfang Oktober wird sich daran auch nichts ändern, erst dann soll die zentrale Regelung in Kraft treten, dass alle Dosenverkäufer sämtliche Dosen - auch die der Konkurrenz - zurücknehmen müssen.


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