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Dosenpfand: Rücknahme weiterhin völlig verzettelt

Es lebe die Zettelwirtschaft. Das von der VfW AG vorgestellte System darf ein Jahr mit Pfandcoupons arbeiten - Konkurrent Lekkerland-Tobaccoland ist erbost. Die Kooperation aller Systeme bleibt unklar.

Kurz vor Ablauf der Übergangsfrist beim Dosenpfand am 1. Oktober muss sich der Verbraucher auf eine weitere "Zettelwirtschaft" mit Pfandcoupons und Wertmarken einstellen. Damit bleiben die künftigen Rücknahmesysteme für Dosen und Wegwerfflaschen unübersichtlich. Das Kölner Logistikunternehmen VfW AG stellte am Freitag ein System vor, das in einer von Bund und Ländern gestatteten Übergangsfrist bis Oktober 2004 weiter auf Basis von Pfandcoupons operieren darf.

Der Kiosk-Belieferer Lekkerland-Tobaccoland, ebenfalls Anbieter eines bundesweiten Rücknahmesystems für Einweg-Leergut, warf Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) deshalb Wortbruch vor. Es sei ein "unglaublicher Vorgang", dass Trittin kurz vor Fristende dem Konkurrenten VfW weiterhin den billigeren Pfand-Mechanismus per Coupon gestatte, sagte der Vorstandschef Christian Berner in Berlin. Der Pfandcoupon stehe nicht im Einklang mit dem geltenden Recht und bedeute einen Wettbewerbsnachteil für Lekkerland, das vom Wochenende an mit einem speziellen 'P'-Logo gekennzeichnete Einweg-Verpackungen ausliefern werde.

Theoretisch ist ja alles klar ...

Trittins Sprecher Michael Schroeren wies die Kritik zurück. "Konkurrenz ist immer ärgerlich, damit muss man leben in der Marktwirtschaft", sagte er. Für den Verbraucher sei es aber gleich, ob es vom 1. Oktober an ein oder mehrere Rücknahmesysteme für die Dose gebe, sagte Schroeren. Der Kunde dürfe dann überall Pfand-Dosen abgeben, wo pfandpflichtige Einwegverpackungen verkauft werden. Also kann der Kunde eine Dose des 'P'-Systems von Lekkerland-Tobaccoland auch bei VfW-Händlern abgeben und sein Pfand zurückerhalten. Das ist zumindest die Theorie. In der Praxis ist unklar, wie die einzelnen Rücknahmesysteme miteinander kooperieren wollen. Vom 1. Oktober könnte es drei bundesweite Dosenpfand-Systeme geben: VfW, Lekkerland und der Berliner Anbieter AVR.

Nach den Worten Schroerens ist in der Verpackungsverordnung nicht zweifelsfrei geklärt, ob der Pfandcoupon rechtens ist. Berner verwies in einem Brief an Trittin am Freitag aber auf einen Brief des Ministers an die Bundesländer von Anfang August. Darin hatte Trittin das VfW-Coupon-System noch als Verstoß gegen die Verpackungsverordnung bezeichnet. Auch ein der dpa vorliegendes Gutachten des von den Grünen geführten Umweltministeriums von Nordrhein-Westfalen kommt zu dem Schluss, dass sich "die Einführung einer Pfandmarke nicht mit der Verpackungsverordnung vereinbaren lässt". Trittin selber hatte davor gewarnt, die "Zettelwirtschaft zu perpetuieren".

Zunächst manuelle Rücknahme

VfW-Vorstandsmitglied Rainer M. Dehm räumte ein, dass Einwegverpackungen mit der Pfandmarke zunächst noch manuell zurückgenommen würden. Von November an rechne VfW dann mit Bestellungen von Rücknahmeautomaten. Zu den Kunden gehören nach Unternehmensangaben unter anderem die Handelskette Spar und die Genossenschaft der Süßwarenhersteller. Die Kosten für das VfW-Rückgabesystem liegen nach Unternehmensangaben bei unter einem Cent pro Einwegverpackung. Für das Lekkerland-System bezifferte Vorstand Berner die Kosten auf etwa zwei Cent pro Gebinde.

Lekkerland beliefert nach eigenen Angaben rund 70.000 Kioske und Tankstellen bundesweit und hat im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Einweggebinde verkauft. Berner kündigte an, dass Lekkerland-Geschäfte auch Pfanddosen mit separaten Coupons zurücknehmen würden. "Wir glauben, Chaos verhindert zu haben", sagte er. Und fügt als Spitze hinzu, dass eigentlich "überhaupt kein Grund zur Pfandpflicht" bestehe.