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Kritik an Corona-Reise-Regeln "Ein Fehler": Zahlreiche Politiker gegen Beherbergungsverbot – erste Klagen erwartet

Sehen Sie im Video: Studie – Corona-Viren überleben bis zu 28 Tage.




Wie lange kann das Corona-Virus auf Oberflächen überleben? Für viele Forscher steht diese Frage im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen. Ein Team des australischen Wissenschaftsinstituts CSIRO hat nun neue Erkenntnisse hierzu gewonnen. Shade Riddell aus dem Forschungsteam hierzu: "Wir haben das Virus in eine künstliche Matrix gegeben, die menschlichem Sekret ähnelt, haben es da trocknen lassen und es bis zu 28 Tage stehen gelassen, bei 20, 30, und 40 Grad, und haben jeweils geprüft, ob wir noch lebende Viren vorfinden." Demnach kann das Virus bis zu 28 Tage auf glatten Oberflächen überleben. Das ist länger als das, was andere Studien bisher herausfanden, und auch rund 10 Tage länger, als beispielsweise Grippeviren. Allerdings, gaben die Forscher zu bedenken, ist die Überlebenszeit in der realen Welt sehr wahrscheinlich kürzer, als in dem Versuch. "Bei unserer Studie herrschten ja sehr kontrollierte Bedingungen, stabile Temperaturen und Feuchtigkeit. In der echten Welt sind die Oberflächen ja wahrscheinlich in Kontakt mit Sonnenlicht und wechselnden Gegebenheiten." Und Sonnenlicht, so die Forscher, kann das Virus abtöten. Zudem wissen sie noch immer nicht, welche Menge des Virus zu einer Ansteckung führt. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass das Virus länger überlebte, je niedriger die Temperatur war, und länger auf glatten Oberflächen, statt auf komplexen Strukturen, wie etwa Baumwolle.
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Immer mehr Politiker kritisieren die Beherbergungsverbote. Das Thema wird wohl auch die Ministerpräsidenten am Mittwoch beschäftigen. Immer mehr Städte überschreiten kritische Warnwerte. Bundesweit steigen die Infektionszahlen.

Die Kritik am Beherbergungsverbot wird immer lauter. Zahlreiche Politiker fordern eine Rücknahme der erst in der vergangenen Woche beschlossenen Regelung. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigten an, darüber auch am Mittwoch bei der Ministerpräsidentenkonferenz zu reden. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Montagmorgen 2467 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages, eine Woche zuvor waren es 1382 neue Fälle.  

Immer mehr Städte überschreiten den Warnwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb sieben Tagen. Nach RKI-Angaben vom Montagmorgen überschritt der Wert für München erneut die Marke und liegt nun bei 50,6. Die bayerische Landeshauptstadt hatte bereits schon einmal die Warnstufe erreicht und Maßnahmen verschärft. Auch Duisburg liegt nun knapp über dem Wert, wie aus den RKI-Angaben hervorgeht, Düsseldorf nur noch knapp darunter. Am Wochenende meldeten unter anderem Köln, Stuttgart, Essen und Mainz das Überschreiten der wichtigen Warnstufe. Andere Großstädte wie Berlin, Frankfurt und Bremen waren schon zuvor über diese Marke gestiegen. 

"Da wurde ein Fehler gemacht"

Im Fokus kontroverser Diskussionen steht aktuell das Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, forderte eine Rücknahme. Die Regelung sei "nicht durchdacht, da wird man noch mal rangehen müssen", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).

Die meisten Bundesländer hatten am Mittwoch beschlossen, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen bei Reisen innerhalb von Deutschland nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte: "Da wurde ein Fehler gemacht, das müsste abgeräumt werden", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). "Keine Studie zeigt, dass das Reisen innerhalb Deutschlands ein Pandemietreiber ist. Ich löse mit diesen Regeln also kein Problem, weil es da kein Problem gibt." Die Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner werde ohnehin in sehr kurzer Zeit an sehr vielen Orten in Deutschland überschritten werden. Viele Details der Regelung wirkten zudem willkürlich. "Wenn man Regeln wie diese trotzdem aufrecht erhält, verliert man die Unterstützung der Bevölkerung für Regeln, die sinnvoll und wichtig sind."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller kündigte an, dass die Beherbergungsverbote bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch noch einmal beraten werden. Beherbergungsverbote zum Beispiel zwischen Berlin und Brandenburg etwa machen angesichts von Hunderttausenden Pendlern keinen Sinn, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".  

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte, sein Land habe eine entsprechende Regelung zwar verankert, aber nicht in Kraft gesetzt. Kritik kam auch aus der Opposition. "Die pauschale Einschränkung der Freizügigkeit innerhalb Deutschlands empfinde ich als unverhältnismäßig", sagte FDP-Partei- und Fraktionschef Christian Lindner der "Welt" (Montag).

Dehoga erwartet Klagen gegen Beherbergungsverbot

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erwartet noch in dieser Woche Klagen gegen das Beherbergungsverbot. "Ich gehe davon aus, dass hier in den nächsten Tagen Gerichtsverfahren anhängig gemacht werden", sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges am Sonntagabend im "Bild"-Gesprächsformat "Die richtigen Fragen". Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) verteidigte das Beherbergungsverbot dagegen in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" als "echte Notfallmaßnahme".

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach sich für mehr Einheitlichkeit in Bezug auf die Corona-Reise-Regeln aus: "Es muss zwingend eine einheitliche und eine klare Regelung geben, damit jeder Bürger weiß, woran er ist." Die 16 Bundesländer stünden in der Verantwortung, sich gemeinsam zu einigen, sagte Altmaier im "Bild"-Gesprächsformat "Die richtigen Fragen".

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey warnte davor, junge Menschen pauschal wegen des starken Anstiegs der Corona-Fallzahlen zu verurteilen. Man dürfe nicht Alt gegen Jung ausspielen, sehr viele junge Leute verhielten sich besonnen und vernünftig, sagte die SPD-Politikerin, die auch Jugend- und Seniorenministerin ist, am Montag im ARD-"Morgenmagazin" mit Blick auf feierwillige junge Leute. "Die Grenze geht nicht zwischen Alt und Jung, sondern zwischen vernünftig und unvernünftig", fügte sie hinzu. Wenn es massive Verstöße gegen Corona-Beschränkungen gebe, müsse das Konsequenzen haben, unabhängig davon, wie alt die Menschen seien. Zugleich forderte sie dazu auf, auf große Feiern derzeit zu verzichten.

fs DPA

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