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Versorger: Eon will sein Stromnetz verkaufen

Deutschlands Energie-Riese Eon prescht mit freiwilligen Plänen zum Verkauf seines Netzes vor. Dafür erwartet der Konzern die Einstellung eines EU-Kartellverfahrens. Die Verkaufspläne konterkarieren die bisherige Verhandlungslinie der Bundesregierung in Brüssel um die Entflechtung der Energiekonzerne.

Überraschende Wende im Machtkampf auf dem deutschen Strommarkt: Der größte Energieversorger Eon will seine Stromnetze freiwillig verkaufen. Außerdem bietet der Energieriese der EU-Kommission an, 4800 Megawatt Kraftwerksleistung an Wettbewerber abzugeben. Im Gegenzug erwartet der Konzern eine Einstellung der derzeit laufenden Kartellverfahren der EU-Kommission.

Eon betonte, mit dem überraschenden Angebot wolle der Konzern die Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission im Strombereich "konstruktiv beenden" und dem Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt im Interesse der Verbraucher noch stärkere Impulse geben. Eon will die eigenen Übertragungsnetze allerdings nur an einen Betreiber veräußern, der nicht im Bereich der Stromerzeugung oder Stromversorgung tätig ist.

Die EU-Kommission will nun prüfen, ob die Eon-Pläne die Kartellprobleme lösen. Eons Überraschungsofferte könnte ein wichtiger Schritt zu sinkenden Strompreisen in der Bundesrepublik sein. Denn die Tatsache, dass sich in Deutschland Stromnetze und Kraftwerke in einer Hand befinden, gilt als eines der größten Wettbewerbshindernisse auf dem deutschen Strommarkt.

Die Konkurrenz zieht nicht mit

Die EU-Kommission fordert deshalb seit langem eine Zerschlagung der Stromkonzerne. Die Eon-Konkurrenten auf dem Strommarkt wollen offenbar nicht mitziehen: Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, der Essener RWE-Konzern, kündigte an, er wolle auch weiter an seinen Hochspannungsnetzen festhalten. "Für uns gibt es gute Gründe, die Netze bei den Energieversorgern zu belassen", sagte eine Sprecherin am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Die von der EU vorgeschlagene eigentumsrechtliche Entflechtung sei der falsche Weg. Der Konzern werde die Bundesregierung bei ihrem Bemühen unterstützen, Alternativen zu den Plänen der EU zu entwickeln.

Auch der baden-württembergische Stromversorger EnBW erklärte, er plane zurzeit keine freiwillige Trennung von Netz und Stromerzeugung. Ein Sprecher des vierten großen Stromversorgers in Deutschland, Vattenfall, signalisierte dagegen etwas mehr Flexibilität: "Wir prüfen aus unternehmerischer Sicht alle Optionen für die Zukunft unserer Höchstspannungsnetze. Dabei sind auch andere Eigentümerstrukturen denkbar", sagte er. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Wichtig sei für Vattenfall, dass die Lösung einen echten, unabhängigen europäischen Strommarkt gewährleiste.

Angela Merkel ist darüber verschnupft

Bundeskanzlerin Angela Merkel sei von der überraschenden Nachricht wenig erbaut gewesen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Kein Wunder: Denn die Bundesregierung versucht derzeit, die Pläne der EU-Kommission zur Zerschlagung der Energiekonzerne zu verhindern. Sie setzt auf die "Dritte Option", eine organisatorische trennung von Produktion und Transport innerhalb der Konzerne. Auf der Jubiläumsfeier der Bundesnetzagentur bekräftigte Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag, dass sie den Zwangsverkauf von Netzen nicht unterstützen werde. "Das ist kein Garant für Wettbewerb", betonte sie. Verbraucherschützer begrüßten dagegen die Eon-Pläne und forderten von der Bundesregierung ein Konzept für die Trennung von Netz und Produktion.

"Die Bundesregierung muss Vorschläge machen, wie eine ordentliche Netzinfrastruktur sichergestellt wird", sagte Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen dem "Tagesspiegel". Eine Möglichkeit sei, dass der Staat die Netze wieder in sein Eigentum nehme. Das Hoch- und Höchstspannungsleitungsnetz von Eon hat nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine Länge von rund 10.000 Kilometer. Der Wert werde auf mehr als eine Milliarde Euro veranschlagt, berichtete das Blatt.

Versorger stehen in der Netzfrage unter Druck

Die Versorger stehen seit längerem in Deutschland unter großem Druck: Zum einen gilt ihr Monopol bei den Netzen als Hindernis für mehr Wettbewerb, weil Konkurrenten ihren Strom durch diese Leitungen schicken müssen. Die Bundesnetzagentur hatte die von den Konzernen verlangten Gebühren für diese Durchleitung wiederholt gekürzt.

In Kreisen der Branche waren zudem immer wieder Stimmen laut geworden, dass die Netze nicht mehr die gewünschten Renditen brächten und daher zur Belastung würden. Besonders Eon mit seinen internationalen Investoren stehe daher unter Druck, hieß es. Eon führt auch betriebswirtschaftliche Gründe für die Verkaufspläne an.

DPA/Reuters/msg / DPA / Reuters