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Von Brockhaus bis Würth: Lauter große Namen

Wer sie sind, und woher sie kommen: das "Who's who" erfolgreicher Familienunternehmer, die sich für den Deutschen Gründerpreis engagieren.

Wolfgang Grupp, 63, übernahm 1969 die Leitung des Betriebs, der 1919 von seinem Großvater gegründet wurde: die Mechanische Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer, kurz Trigema (80 Millionen Euro Umsatz, 1200 Mitarbeiter, Sitz: Burladingen, Schwäbische Alb). Grupp machte aus dem Unternehmen den größten deutschen T-Shirt-Hersteller. In TV-Spots vor der "Tagesschau" verkündet regelmäßig ein Affe, was sonst keine Textilfirma hierzulande schafft: "Trigema produziert nur in Deutschland."

Maximilian Hugendubel,

37, leitet seit rund einem Jahr gemeinsam mit seiner Schwester das Buchhandelsunternehmen Hugendubel (225 Millionen Euro Umsatz, 1100 Mitarbeiter, Sitz: München). Die heute zweitgrößte deutsche Buchhandelskette mit 32 Filialen und weiteren Beteiligungen geht zurück auf Karl Gustav Hugendubel, der sich 1865 mit einer Buchhandlung in Eichstätt selbstständig machte.

Rosely Schweizer,

65, ist die älteste Tochter von Rudolf-August Oetker und kontrolliert - zusammen mit ihren Geschwistern - die Oetker-Gruppe (6,4 Milliarden Euro Umsatz, 21 000 Mitarbeiter, Sitz: Bielefeld). Schweizer fungiert als persönlich haftende Gesellschafterin der Henkell & Söhnlein Sektkellereien und hat sich mehrere Jahrzehnte politisch für die CDU engagiert, unter anderem im Landtag Baden-Württembergs.

Friedrich von Metzler,

62, ist Bankier in elfter Generation. Er leitet das Bankhaus Metzler (113 Millionen Euro Provisionsergebnis, 650 Mitarbeiter, Sitz: Frankfurt), das vor 332 Jahren gegründet wurde und heute als Investment- und Vermögensverwaltungsbank arbeitet. Es ist Deutschlands älteste Privatbank, die sich ausschließlich im Besitz der Gründerfamilie befindet. Ursprung war ein Handelshaus, mit dem sich Benjamin Metzler Ende des 17. Jahrhunderts selbstständig machte.

Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell,

64, führt in achter Generation das Schreibgeräteunternehmen Faber-Castell (290 Millionen Euro Umsatz, 5800 Mitarbeiter, Sitz: Stein bei Nürnberg). Mit einer Jahresproduktion von 1,8 Milliarden Bleistiften ist der Familienbetrieb Weltspitze. Den Grundstein legte der Schreiner Kaspar Faber, der von 1761 an "Bleyweißsteffte" aus Holz und Graphit herstellte und sie auf dem Markt in Nürnberg verkaufte.

Reinhold Würth,

70, übernahm nach dem Tod seines Vaters 1954 den Zweimannbetrieb, den Adolf Würth neun Jahre zuvor gegründet hatte - und machte aus der Schraubenhandlung den global tätigen Konzern Würth (6,2 Milliarden Euro Umsatz, 50000 Mitarbeiter, Sitz: Künzelsau). Würth besitzt eine der größten privaten Kunstsammlungen des Landes, in Schwäbisch Hall stiftete er eine Kunsthalle. Seine Tochter Bettina wird von März an die Leitung des Konzerns übernehmen.

Toni Meggle, 74, ist Aufsichtsratschef des Molkereiunternehmens Meggle (520 Millionen Euro Umsatz, 1830 Mitarbeiter, Sitz: Wasserburg am Inn), einem der größten Hersteller von Milcherzeugnissen in Europa. Besonders bekannt ist die Kräuterbutter. Großvater Josef Anton Meggle gründete 1882 eine Käserei, barfuß besorgte er sich bei den Bauern die nötige Milch.

Annette Roeckl,

38, leitet in sechster Generation den Handschuhmacher Roeckl (20 Millionen Euro Umsatz, 130 Mitarbeiter, Sitz: München) - europäischer Marktführer bei Lederhandschuhen. Schon Kaiserin Sisi kaufte beim Königlich-Bayerischen Hoflieferanten, der 1839 von Jakob Roeckl als kleiner Handwerksbetrieb mit Ladengeschäft gegründet wurde.

Jürgen Heraeus,

69, ist Aufsichtsratschef eines Milliardenkonzerns, den meist nur Fachleute kennen: die Heraeus Holding (8,3 Milliarden Euro Umsatz, 9800 Mitarbeiter, Sitz: Hanau). 17 Jahre lang leitete er selbst das Familienunternehmen. Aus dem Edelmetallverarbeiter machte er einen Technologiekonzern, Marktführer in den Bereichen Edelmetalle, Dentalwerkstoffe, Sensoren, Quarzglas und Speziallichtquellen. Begonnen hat alles Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Apotheker Wilhelm Carl Heraeus ein Verfahren entwickelte, Platin zu schmelzen.

Alfred Theodor Ritter,

52, leitet seit Ende vergangenen Jahres das Schokoladenunternehmen Ritter Sport (290 Millionen Euro Umsatz, 800 Mitarbeiter, Sitz: Waldenbuch bei Stuttgart), Marktführer in Deutschland. Gegründet wurde es von seinem Großvater im Jahre 1912. Zwanzig Jahre später entwickelte der Familienbetrieb die noch heute charakteristische quadratische Form (Werbeslogan: "Quadratisch, praktisch, gut"), weil sie besser in die Tasche von Sportjacketts passte.

Michael Lindner,

56, ist Chef des familieneigenen Kosmetikunternehmens Börlind (30 Millionen Euro Umsatz, 170 Mitarbeiter, Sitz: Calw), das seine Mutter Marianne 1959 gründete. Die ursprünglichen Geschäftspartner Börner und Lindner gaben der Firma ihren Namen. Bei der Herstellung der Kosmetika zur Gesichts- und Körperpflege setzt Börlind konsequent auf Naturprodukte und gehört damit weltweit zu den führenden Unternehmen.

Hubertus Brockhaus,

56, kontrolliert im Aufsichtsrat den Verlag Brockhaus, der von seinem Ururururgroßvater, dem Wollhändler Friedrich Arnold Brockhaus, 1805 in Amsterdam gegründet wurde und inzwischen Teil des Verlags Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus (65 Millionen Euro Umsatz, 340 Mitarbeiter, Sitz: Mannheim) ist. Der Verlag gibt die drei bekannten Nachschlagewerke Brockhaus, Duden und Meyer heraus.

Florian Langenscheidt,

50, ist der Ururenkel des Sprachlehrers Gustav Langenscheidt, der 1856 in Berlin die Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung gründete, Vorläuferin der heutigen Langenscheidt Verlagsgruppe (1400 Mitarbeiter, Sitz: München). Er ist Gesellschafter des Familienunternehmens, dessen gelbe, zweisprachige Wörterbücher jedes Schulkind kennen lernt, engagiert sich darüber hinaus aber vor allem als Firmenfinanzierer, Buchautor und für soziale Projekte.

Die weiteren Mitglieder des Gründerpreis-Kuratoriums (nicht auf dem Gruppenfoto):

Willy Bogner,

64, leitet seit 1970 in zweiter Generation das Modeunternehmen Willy Bogner (130 Millionen Euro Umsatz, 750 Mitarbeiter, Sitz: München), das etwa die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Turin ausgestattet hat. Als Skirennläufer nahm Bogner selbst an zwei Olympischen Winterspielen teil, drehte später erfolgreich Kinofilme.

Heinz-Horst Deichmann,

79, erbte von seinen Eltern ein Schuhgeschäft in Essen. Er machte daraus den Schuhhandelskonzern Deichmann (2,5 Milliarden Euro Umsatz, 22000 Mitarbeiter, Sitz: Essen), der inzwischen von seinem Sohn geführt wird. Deichmann engagiert sich mit dem Missionswerk "Wort und Tat" in Indien und Tansania, gibt dafür jährlich mindestens fünf Millionen Euro aus.

Günther Fielmann,

66, eröffnete 1972 in Cuxhaven sein erstes augenoptisches Fachgeschäft. Dank günstiger Preise und aggressiver Werbung ("Brillen zum Nulltarif") erwuchs daraus die Fielmann AG (760 Millionen Euro Umsatz, 10500 Mitarbeiter, Sitz: Hamburg), Deutschlands größter Optiker mit mehr als 500 Filialen. Jede zweite verkaufte Brille in Deutschland stammt von Fielmann.

Klaus Fischer,

55, leitet seit 1980 das Dübelunternehmen Fischer (440 Millionen Euro Umsatz, 3300 Mitarbeiter, Sitz: Waldachtal, Nordschwarzwald). Gegründet hat es im Jahr 1948 sein Vater Artur Fischer, ein Tüftlergenie. Er erfand den Dübel und beglückte Kinder einst mit dem Fischer-Baukasten. Auch heute bietet das inzwischen weltweit tätige Unternehmen neben den Heimwerkerprodukten noch Technikspielzeug an, aber auch Autozulieferteile.

Claus Hipp,

67, trat 1964 in den elterlichen Betrieb ein, den Babynahrungshersteller Hipp (300 Millionen Euro Umsatz, 1000 Mitarbeiter, Sitz: Pfaffenhofen). Er füllt konsequent Bio-Kost in die Gläschen (Werbeslogan: "Dafür bürge ich") und wurde so zum Marktführer für Kindernahrung in Deutschland. Gentechnisch veränderte Lebensmittel lehnt er ab. Hipp macht sich über sein Unternehmen hinaus auch als Maler einen Namen.

Gerd Strehle,

65, ist Vorstandschef des Modeunternehmens Strenesse (81 Millionen Euro Umsatz, 500 Mitarbeiter, Sitz: Nördlingen), der einzigen selbstständigen deutschen Designermarke mit Weltruf. Die Aktiengesellschaft befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz. Gegründet wurde die Firma von der Familie Strehle im Jahr 1949, anfangs standen Damenmäntel und Kostüme zum Verkauf.

Frank Thomsen / print