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VW-Affäre: Der Preis der Freiheit

Es war der erste Tag in der Gerichtsverhandlung gegen Peter Hartz, doch es ging längst nicht nur um ihn. Der kurze Prozess gegen den einstigen VW-Vorstand soll auch Munition gegen den früheren Betriebsratschef Klaus Volkert liefern.

Von Arne Daniels und Johannes Röhrig

Zumindest wird diesmal mit offenen Karten gespielt: Ankläger, Richter und Verteidigung haben sich bereits vor Prozessbeginn auf einen Deal verständigt. Gegen ein "glaubhaftes Geständnis" werden dem prominenten Angeklagten Obergrenzen bei der Strafzumessung versprochen: eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren, eine Geldstrafe von maximal 360 Tagessätzen. Doch die Milde hat ihren Preis. Es reicht für Peter Hartz nicht, wenn er sich zerknirscht zeigt über seine eigene Schuld. Offensichtlich soll er auch Klaus Volkert belasten, den einstmals mächtigen Betriebsrat und Hauptprofiteur des Spesen- und Bonussystems bei VW.

Und Hartz lieferte. Über seinen Anwalt Egon Müller räumte er nicht nur umfassend seine "strafrechtliche Verantwortung" ein, sondern schilderte Volkert auch als einen, der ständig mehr wollte: ein höheres Gehalt, höhere Bonuszahlungen, Geld für die brasilianische Geliebte, Privilegien. Volkert habe "gedrängt", habe "mit Nachdruck" seine Besserstellung verlangt. Ja, Hartz habe "den Betriebsratsvorsitzenden begünstigt, ausgelöst auch von der fordernden Haltung dieses Herren", sagte Verteidiger Müller, und er sagte es ausdrücklich nicht, um die Schuld seines Mandanten zu relativieren.

Was passierte mit den Sonderboni?

Dieses Geständnis ist das Vorspiel zu dem sehr viel spannenderen Prozess gegen Klaus Volkert, der sich wohl viel heftiger gegen eine Verurteilung wehren dürfte. Darum brauchen Gericht und Staatsanwaltschaft den Angeklagten Peter Hartz. Das zeigt etwa, wie das Gericht heute mit den so genannten Sonderboni umging, rund zwei Millionen Euro, die Volkert heimlich kassierte. Da wollten die Richter doch gern genauer wissen, welche Rolle der Betriebsrat selbst dabei spielte und ob er es war, der auf diskrete Auszahlung bestand. Beim nächsten Prozesstag am Donnerstag kommender Woche will Müller die Fragen gern beantworten.

Die mögliche Beteiligung des VW-Patriarchen Ferdinand Piech an der Begünstigung Volkerts spielt bei den Nachfragen des Gerichts hingegen überhaupt keine Rolle. Hartz beteuert, er habe allein gehandelt. Das scheint in diesem Fall zu genügen.