VW-Prozess Hoffen auf den Racheakt


Im VW-Prozess um Lustreisen und Betriebsratsbegünstigung tritt nach Ex-Vorstandschef Ferdinand Piech nun auch dessen Nachfolger Bernd Pischetsrieder vor dem Braunschweiger Landgericht als Zeuge auf. Bislang hat er sich eher ausweichend geäußert.
Von Johannes Röhrig

"Nichts gewusst, nicht verantwortlich" - so zog sich jüngst schon Porsche-Enkel Piech, der Volkswagen von 1993 bis April 2003 geleitet hatte, aus der Affäre. Bei Pischetsrieder, der das Unternehmen 2006 verließ, wird dies kaum anders sein.

Der VW-Skandal war im Sommer 2005 aufgeflogen - damals ging es um verdeckte Geschäfte in Indien, Tschechien und Angola sowie um Lustreisen auf Firmenkosten. Von den ominösen Deals im Ausland spricht heute niemand mehr. Dafür rückten millionenschwere Sonderzahlungen an den ehemaligen Betriebsratschef Klaus Volkert, die Alimente für seine brasilianische Geliebte sowie die Abrechnungen von Bordellbesuchen und anderen Vergnügungen über ein Firmenkonto von VW - "1860 Diverses" - in den Blick. Nur darum geht es heute in dem Prozess gegen Ex-Arbeiterführer Volkert und den ehemaligen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer.

Schon im April 2006 als Zeuge ausgesagt

Intern sagte der damalige Volkswagen-Chef Pischetsrieder gegenüber den Ermittlern bereits im April 2006 als Zeuge aus. Damals gab er an, sich um die "Kostenstellen meiner Kollegen" nicht gekümmert zu haben. Die Rechnungsstelle 1860 war seinerzeit bei Personalvorstand Peter Hartz angehängt. Pischetsrieder: "Dass diese Kostenstelle 1860 mit diesen speziellen Kosten belastet wurde", sei ihm nicht bekannt gewesen.

Auch zu der außergewöhnlich fürsorglichen Behandlung Volkerts äußerte sich Pischetsrieder damals - und zwar eher ausweichend: "Durchgeblickt in dem Sinn habe ich jedenfalls nicht", gab er an. Bei der Abrechnung von Volkerts Spesen sei das Vertrauen des Unternehmens offensichtlich "grob missbraucht" worden, doch auch dies sei ihm die ganze Zeit verborgen geblieben.

So kann an diesem Dienstag allenfalls spannend werden, ob sich bei Piechs und Pischetsrieders Aussagen zu den Usancen bei VW irgendwo doch noch Widersprüche auftun. Die beiden Herren sind sich nicht gerade grün, denn Piech betrieb Pischetsrieders Entlassung. Dass dieser sich nun aber vor Gericht an dem VW-Patriarchen rächen könnte, wie manche in diesem Prozess zu hoffen scheinen, ist illusorisch. Was Piech aus der damaligen gemeinsamen Zeit belasten würde, fiele wohl auch Pischetsrieder auf die Füße.


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