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VW-Affäre: Gebauer belastet Hartz

In der Affäre um angebliche Begünstigungen des VW-Betriebsrates hat der entlassene VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer den zurückgetretenen Personalvorstand Peter Hartz belastet und jede Schuld von sich gewiesen.

Hartz habe ihn erstmals 1993 und ein weiteres Mal 1997 angewiesen, dem damaligen Betriebsratschef Klaus Volkert jeden Wunsch zu erfüllen, heißt es in einem Schreiben von Gebauers Anwalt an das Arbeitsgericht Braunschweig, aus dem die "Braunschweiger Zeitung" am Samstag zitierte. Gebauer klagt vor dem Arbeitsgericht gegen seine Entlassung durch Volkswagen.

Spesen müssten "relativ frei" abgerechnet werden drüfen

Ein VW-Sprecher sagte dazu, Gebauer versuche offenbar, die Verantwortung auf andere abzuwälzen. "In dem Prozess vor dem Arbeitsgericht werden wir zunächst das Schriftstück abwarten, das bezeichnenderweise zuerst in den Medien aufgetaucht ist." Hartz war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Hartz hatte im Zuge der Affäre seinen Rücktritt angeboten und die politische Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter übernommen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Hartz nicht, wohl aber gegen Gebauer wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs.

Gebauer erklärte in dem Schreiben an das Arbeitsgericht laut der Zeitung nun, Hartz habe seine Anweisung an ihn damit erklärt, dass die Betriebsräte eine ähnlich hohe Verantwortung für das Unternehmen trügen wie Vorstandsmitglieder. Sie würden aber nicht so bezahlt. "Deshalb müssten sie zumindest Spesen relativ frei - ’das heißt ohne weitergehende Kontrolle’ - abrechnen dürfen", zitierte die Zeitung aus dem Schreiben.

Neben Gebauer ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den früheren Personalvorstand der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs. VW wirft den beiden vor, ein Netz aus Tarnfirmen entwickelt und sich auf Kosten des Konzerns bereichert zu haben.

Gegen Volkert laufen Ermittlung wegen des Verdachts der Beihilfe oder Anstiftung zur Untreue. Anlass für diese war eine Indien-Reise, die Volkert mit Gebauer und Schuster unternommen und die nach Angaben der Staatsanwaltschaft VW eine sechsstellige Summe gekostet hat.

Reuters