VW-Affäre Piech beteuert seine Ahnungslosigkeit


Schluss mit der Gerüchteküche um die Verwicklung von Ex-Vorstandschef Ferdinand Piech in die VW-Affäre: Auch vor Gericht bezeugte er, dass er über Schmiergeldzahlungen und Bordellbesuche für einflussreiche Betriebsräte nichts gewusst habe - sonst hätte er seine "schärfste Polizei eingesetzt".
Von Inga Niermann

Ferdinand Piech will von der Affäre um Lustreisen des VW-Betriebsrates nichts gewusst haben und schiebt dem ehemaligen Personalvorstand Peter Hartz die gesamte Verantwortung zu. "Wenn mir ein Missbrauch zu Ohren gekommen wäre, hätte ich meine schärfste Polizei eingesetzt", sagte der jetzige VW-Aufsichtsratsvorsitzende am Mittwoch als Zeuge vor dem Braunschweiger Landgericht. In dem Prozess sind der ehemalige Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, der Lustreisen und Prostituierte für Betriebsräte des Konzerns organisierte, wegen Untreuen sowie der ehemalige VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert wegen Anstiftung zur Untreue angeklagt. Volkert soll den Ex-Personalvorstand von VW, Peter Hartz, angestiftet haben, ihm Sonderboni in Höhe von zwei Millionen Euro zu zahlen.

Mit dem Konto "1860" nie befasst

Piech betonte, er habe sich um wichtigere Themen bei VW zu kümmern gehabt, als um korrekte Spesenabrechnungen auf dem Konto "1860", über das Lustreisen und Bordellbesuche zur Belustigung der Betriebsräte abgewickelt wurden. Die Summen seien zu gering gewesen, als dass sich ein Konzernvorstand damit befassen würde. "Das habe ich meinen Mitarbeitern überlassen, sagte der 70-Jährige.

Als er bei VW als Vorstandschef antrat, sei die wirtschaftliche Situation des Unternehmens katastrophal gewesen, betonte Piech. Der gesamte Vorstand habe sich ausschließlich damit befasst, das Unternehmen zu retten. Das Konto "1860", über das Sonderzahlungen und Spaßreisen abgerechnet wurden, sei eines unter 6000 bis 7000 Konten bei VW gewesen, betonte Piech. "In meiner Zeit als Vorstandschef hatte ich nie einen Anlass, mich mit diesem Konto zu beschäftigen."

Rentenerhöhung für Volkert blind unterschrieben

Insbesondere Hartz habe er vertraut, betone Piech: So habe er unter anderem eine Rentenerhöhung für Volkert blind unterschrieben, nachdem Hartz bereits seine Unterschrift geleistet hatte. Im Detail habe er nicht gewusst, wie Volkert vergütet wurde. "Es gab von meinen Mitarbeitern auch nie Klagen über Sonderboni für Betriebsräte", betonte Piech.

Mit Volkert selbst hat sich Piech nach eigenen Angaben ein Mal im Jahr für eine Stunde unterhalten. Alle anderen Kontakte seien über den Personalvorstand gelaufen. Von Volkerts Privatleben mit der brasilianischen Prostituierten Adriana Barros hätte er zwar gehört, "aber ich habe mich um die Gerüchte nicht gekümmert." Auch von Damenprogrammen zur Belustigung von VW-Mitarbeitern sei ihm nichts bekannt gewesen.

Gebauer-Anwalt Wolfgang Kubicki sieht seinen Mandanten durch die Aussage von Piech entlastet: "Er hat bestätigt, dass Volkert den Wert eines Markenvorstandes hatte und als solcher auch bezahlt wurde", sagte er. Zudem sei deutlich geworden, dass Gebauer stets auf Anweisung aus dem Top-Management gehandelt habe, da schriftliche Anweisungen immer durch die Unterschriften zweier Vorstandsmitglieder erfolgten. Gebauer habe also nicht eigenmächtig die Vergnügungsreisen veranlasst.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker