VW-Aufsichtsrat Personalie Pischetsrieder wird vertagt


Das Signal kam aus Kreisen, die es wissen müssen: Die Verlängerung des Vertrags für Konzernchef Bernd Pischetsrieder fällt nicht jetzt, aber sicher bis Anfang Mai. Dafür dürfte das Sanierungsprogramm Hauptthema der Aufsichtsratssitzung sein.

Der Aufsichtsrat von Volkswagen wird bei seiner mit Spannung erwarteten Sitzung voraussichtlich nicht über eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Konzernchef Bernd Pischetsrieder entscheiden. Aufsichtsratskreise signalisierten am Mittwoch, dass sie an einer Vertragserneuerung in der auf zwei Tage angesetzten Klausurtagung nicht beharren wollen. "Man verkämpft sich nicht ohne Not", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine mit der Situation in dem Kontrollgremium vertraute Person. Zwar streben die beiden VW-Hauptaktionäre, das Land Niedersachsen und der Sportwagenbauer Porsche, eine vorzeitige Vertragserneuerung für Pischetsrieder an. Dagegen betrachten die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat dieses Thema nicht als so dringend und wollen zunächst über das von Pischetsrieder angekündigte Sanierungsprogramm beraten.

Möglich ist, dass der Aufsichtsrat während der zweitätigen Klausur die vorzeitige Vertragserneuerung für Pischetsrieder zwar behandelt, eine Entscheidung aber erst Anfang Mai fällt. "Es muss auf der Hauptversammlung am 3. Mai für die Aktionäre Klarheit herrschen", sagte die mit der Situation vertraute Person. Unter dem Tagesordnungspunkt "Vorstandsangelegenheiten" könnte die vorzeitige Verlängerung von Pischetsrieders 2007 auslaufenden Vertrag thematisiert werden, hieß es aus den Aufsichtsratskreisen. Verwiesen wurde auf die Berufung des früheren Audi-Managers Horst Neumann zum neuen Personalchef, dessen Personalie ebenfalls unter diesem Punkt behandelt worden sei.

Tagesordnungspunkt "Vorstandsangelegenheiten"

Unter diesem Tagesordnungspunkt könnte aber auch die erstmalige Vernehmung des Konzernchefs durch die Staatsanwaltschaft behandelt werden. Denn fast zehn Monate nach Beginn der Ermittlungen in der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten, musste Pischetsrieder zum offiziellen Rapport. Wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig mitteilte, ging es bei der gut einstündigen Befragung am Mittwoch vor allem um die Verantwortlichkeiten des früheren VW-Arbeitsdirektors Peter Hartz und die Kostenstelle "1860", über die die strittigen Kosten meist abgerechnet wurden. Pischetsrieder habe betont, dass eine Kontrolle des genannten Kontos durch ihn nicht stattgefunden habe, hieß es. Dafür sei Hartz zuständig und verantwortlich gewesen. In der Zeugenvernehmung Pischetsrieders seien "sämtliche Sachverhaltsbereiche" in der VW-Affäre angesprochen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Über detaillierte Inhalte wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.

Hauptgesprächsthema der Aufsichtsratssitzung soll die Sanierung der kriselnden Kernmarke VW von Europas größtem Autobauer sein. Der Konzern stellt im Rahmen der Umstrukturierung der unrentablen und schwach ausgelasteten Montage- und Komponentenwerke jeden fünfte Arbeitsplatz im Inland in Frage. Insgesamt beschäftigt VW in seinen westdeutschen Werken gut 100.000 Mitarbeiter, damit wären 20.000 Jobs betroffen. Details des Sanierungsprogramms sind bislang nicht bekannt. Spekuliert wird unter anderem über eine Verlängerung der Arbeitszeit. Das könnte fdas Aus für die vor 12 Jahren eingeführte Vier-Tage-Woche bedeuten.

Wackeln 20.000 Jobs?

Medienberichten zufolge wird in einem Sanierungskonzept erwogen, sechs Stunden Mehrarbeit ohne Lohnausgleich von der Belegschaft zu fordern. 20.000 Stellen könnten damit in Deutschland überflüssig werden. Betriebsbedingte Kündigungen solle es demnach nicht geben, vielmehr Abfindungen und Altersteilzeit. Was den angeschlagenen Autobauer wiederum Geld kosten würde. Schon vor gut zwei Monaten hatte Markenvorstand Bernhard sogar die Schließung von Betriebsteilen ins Gespräch gebracht. Er sprach von einem Produktivitätsnachteil in den Fahrzeugwerken gegenüber den Wettbewerbern von bis zu 50 Prozent. VW habe zudem europaweit Überkapazitäten von 20 Prozent. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte schon Anfang Februar erklärt, Umstrukturierungen im Konzern könnten bis zu 20.000 Mitarbeiter betreffen. Pischetsrieder will bis 2008 die Kosten konzernweit um 10 Milliarden Euro senken und den Gewinn vor Steuern auf 5,1 Milliarden Euro steigern.

Reuters, AP, DPA AP DPA Reuters

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