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VW-Sanierung: Annäherung zwischen Tarifparteien

Die Sanierung der ertragsschwachen Traditionsmarke VW kommt in Gang - ebenso wie die Gespräche zwischen Gewerkschaft und Management. Dennoch bleibt die Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich der Knackpunkt.

Nach dem Auftakt entscheidender Gespräche zwischen Management und IG Metall am Freitag sprachen beide Seiten von einer Annäherung. Doch die Kernforderung des Unternehmens, die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 28,8 auf 35 Stunden ohne Lohnausgleich, bleibt heftig umstritten. VW-Personalvorstand Horst Neumann hatte vor Beginn des Treffens in Langenhagen bei Hannover gesagt: "Es geht heute und in den nächsten Wochen um die Zukunft von Volkswagen in Deutschland." Die Gespräche sollen am 18. September fortgesetzt werden.

Verlust in 2005 nur knapp verfehlt

Die Traditionsmarke VW, Kern des Volkswagen-Konzerns, war 2005 nur knapp an roten Zahlen vorbeigeschrammt. Die sechs westdeutschen VW-Werke hatten einen dreistelligen Millionenverlust verzeichnet. Sie gelten als nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Volkswagen-Spitze hatte im Februar zur Sanierung der Marke VW mindestens 20.000 Jobs auf den Prüfstand gestellt, jeden fünften Arbeitsplatz in den westdeutschen Werken.

IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine sagte nach dem Gespräch in Langenhagen: "Wir sind einen Schritt weitergekommen: Volkswagen ist offensichtlich bereit, verbindliche und nachhaltige Produkt- und Investitionszusagen für die sechs westdeutschen Standorte zu geben." Beide Tarifparteien seien sich einig, dass die Beschäftigungssicherung und der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Marke VW gleichwertige Ziele seien. Eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 35 Stunden aber werde "ohne jeglichen Lohnausgleich" nicht gehen.

"GroßerSchritt"

VW-Verhandlungsführer Klaus Dierkes sprach nach dem Gespräch, dem eine monatelange Sondierungsphase vorausgegangen war, von einem "großen Schritt". Volkswagen habe sehr konkrete Perspektiven zum Thema Beschäftigung auf den Tisch gelegt. Einzelheiten nannte er nicht. Dierkes betonte das Ziel, die Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden ohne Lohnausgleich zu verlängern. Dies sei nötig, um bei den Arbeitskosten gegenüber der inländischen Konkurrenz und auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Neumann hatte gesagt, VW habe ein Paket geschnürt, das jetzt in den Details verhandelt werden müsse. Er ließ durchblicken, dass das Stammwerk Wolfsburg neben dem Golf noch ein weiteres Modell bekommen könnte. Dies hatte die IG Metall gefordert.

Erfolgsabhängige Bezahlung möglich

Neumann betonte, die Arbeitskosten in den westdeutschen Werken seien die höchsten in der Autoindustrie, die Ergebnisse aber die niedrigsten. Dies müsse wieder miteinander ins Lot gebracht werden. "Wenn das wichtigste Auto, der Golf, in den roten Zahlen ist, dann ist die Welt bei Volkswagen nicht in Ordnung." Auch eine erfolgsabhängige Bezahlung könnte "Teil des Lösungswegs" sein.

Nach den Worten von IG-Metall-Bezirksleiter Meine stellte VW "Konturen eines Konzepts" vor, aus dem hervorgehe, dass das Unternehmen grundsätzlich bereit sei, die Auslastung der sechs Standorte zu verbessern. Es bestehe aber noch Gesprächsbedarf. Es gebe eine Chance, das die Gespräche bei ungekündigten Tarifverträgen fortgesetzt werden könnten. Am kommenden Montag (11. September) werde die Tarifkommission der IG Metall darüber beraten.

Alle Türen bleiben offen

Meine sagte, er wolle der Kommission empfehlen, die Gespräche "in Tarifgespräche bei ungekündigtem Tarifvertrag" zu überführen. Bis 2011 gilt eine Beschäftigungssicherung, die VW im Herbst 2004 seinen rund 100.000 Beschäftigten in den westdeutschen Werken gegeben hatte.

Die 20.000 Jobs, die laut Unternehmen bei der Marke VW auf dem Prüfstand stehen, sollen hauptsächlich auf freiwilligem Weg - etwa über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit - abgebaut werden. VW- Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte am Donnerstag bekräftigt, er gehe davon aus, dass die Beratungen mit IG Metall und Betriebsrat bis November beendet sein werden.

DPA / DPA