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Währungskrise: Finanzspritze: Der Golfstaat Katar will die Türkei mit 15 Milliarden US-Dollar aufpäppeln

Die Türkei taumelt in eine Wirtschaftskrise, doch in höchster Not verspricht der Emir von Katar eine saftige Finanzspritze. Der Herrscher bietet dringend benötige, harte Devisen - ein Milliardeninvestition. 

Nach Lira-Absturz: Türkei erhält in der Krise Beistand von Katar

Zum Schluss des Treffen setzte der Sprecher Erdogans zu einem Seitenhieb auf die USA an: Die Beziehungen zwischen der und Katar basierten auf wahrer Freundschaft und Solidarität. Grund zum Jubeln haben er und der türkische Präsident allemal. Der Emir des Golfstaates Katar - Tamim bin Hamad al Thani -  teilte nach einem Treffen mit Erdogan an, die Türkei zu unterstützen.

Er wolle 15 Milliarden Dollar in das Land investieren. Wie genau diese Investitionen aussehen sollen, war zunächst unklar. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Thani habe zudem betont, dass er die Beziehungen zwischen den beiden Ländern ausbauen wolle.

Trump fährt einen harten Kurs

Die Hilfe hat Erdogans Staat auch bitter nötig, seit er sich mit den verkracht hat. Der evangelikale Pastor Brunson war 2016 im westtürkischen Izmir wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden und wurde kürzlich unter Hausarrest gestellt. US-Präsident Donald Trump hat mehrfach die umgehende Freilassung des Pastors gefordert. Anfang August war Trumps Geduld dann am Ende: Die USA verhängte Sanktionen gegen zwei türkische Minister, die die Türkei erwiderte.

Aus Frustration über mangelnde Fortschritte in den Verhandlungen hatte Trump Zölle auf die Einfuhr von türkischem Stahl und Aluminium stark erhöht. Erdogan sprach daraufhin von einem "Wirtschaftskrieg". Erdogans Sprecher sagte am Mittwoch, sein Land müsse sich wehren, wenn es angegriffen werde.

Am Vortag hatte der türkische Staatspräsident Erdogan angekündigt, elektronische Produkte aus den USA boykottieren zu wollen. Er erwähnte auch die iPhones des Herstellers Apple.

In der Währungskrise bemüht sich die Türkei um Investoren

Der Kursverlust der schon seit Monaten schwachen Lira verstärkte sich am Freitag und am Montag nochmals. Sie erholte sich am Dienstag und Mittwoch leicht. Analysten führten das auf erste Notmaßnahmen der Zentralbank zur Stützung der Lira zurück sowie auf die Ankündigung, dass Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag per Telefonkonferenz mit Investoren unter anderem aus den USA und Europa sprechen werde.

Zwar blieben die Preise für Grundnahrungsmittel zunächst stabil. Viele Türken machen sich dennoch Sorgen um die wirtschaftliche Situation. Vor allem Importprodukte, die in Devisen eingekauft werden, sind in der Türkei teuer geworden und die Menschen verzichten vorerst auf aufschiebbare Anschaffungen. Ein Werkzeug-Importeur aus Istanbul sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir sind nicht glücklich, die Händler sind nicht glücklich und die Kunden sind es auch nicht".

Erdogan hielt Katar die Treue

Nun scheint Erdogan in höchster Not, einen Gönner gefunden zu haben. Denn mit der Wirtschaftskrise ist das Land gespaltener denn je. Während ein Teil der Wähler voll und ganz hinter Erdogan steht und die USA beschuldigen, werfen andere der islamisch-konservativer AKP eine misslungene Wirtschaftspolitik vor.

Das Golfemirat konnte in der Vergangenheit aber auch auf Erdogan zählen. Er hatte im Juni 2017 den Emir unterstützt, nachdem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain eine Blockade über verhängt hatten. Sie warfen Katar unter anderem die Unterstützung von Terrorgruppen vor, was das Emirat zurückwies.

Video: Erdogan: Kontern US-Zölle mit iPhone-Boykott
sos / DPA