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Warnstreiks im Öffentlichen Dienst: Gewerkschaft Verdi erhöht den Druck

Busse fahren nicht, Kitas bleiben geschlossen: Mit Warnstreiks in Baden Württemberg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erhöht die Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst den Druck. Am Mittwoch soll wieder verhandelt werden.

Vor der nächsten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst am Mittwoch hat die Gewerkschaft Verdi erneut zu Warnstreiks aufgerufen. Den ganzen Tag über sind am Montag Städte und Regionen in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern betroffen. Wie in der vergangenen Woche bleiben Kitas geschlossen, Arbeitsämter unbesetzt und Busse in den Depots.

Trotz der scheinbar festgefahrenen Positionen halten Vertreter beider Tarifparteien eine Einigung in dieser Woche für möglich. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse", die Chancen stünden "50 zu 50". Bereits am Sonntag hatte Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag" geschrieben: "Die Arbeitgeber sind einigungsbereit. Die Gewerkschaften hoffentlich auch! Ein angemessener Abschluss ist machbar."

Zuvor müssen sich die Menschen in Stuttgart aber den ganzen Tag über mit Behinderungen im öffentlichen Nahverkehr arrangieren. "Um drei Uhr waren die ersten an den Depots, haben Streikplakate aufgehängt und die Schranken runtergemacht", sagte eine Verdi-Sprecherin.

Gewerkschaft will 6,5 Prozent mehr Geld

Auch die Beschäftigten des Wasser- und Schifffahrtsamtes, der Arbeitsagenturen, der Bundesbank und der Stadtwerke sind zum Warnstreik aufgerufen. Allein in Baden-Württemberg rechnet Verdi mit über 10.000 Streikenden.

Ebenso viele Menschen erwartet Verdi auf der zentralen Kundgebung in Kiel. "Die Kollegen wollen den Arbeitgebern zeigen, dass die ihr Angebot deutlich verbessern müssen", sagte ein Verdi-Sprecher aus Schleswig-Holstein am Morgen.

Die Gewerkschaft fordert für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens 200 Euro. Von den Warnstreiks erhoffe man sich "ein Angebot, das den Namen auch verdient", so die Verdi-Sprecherin in Baden-Württemberg. Von Mittwoch an verhandelt die Gewerkschaft in Potsdam wieder mit den Arbeitgebervertretern.

Verdi im Duett mit der IG Metall?

Innenminister Friedrich verwies am Wochenende auf das Arbeitgeber-Angebot von 3,3 Prozent mehr Gehalt, dazu eine Einmalzahlung für alle Beschäftigten und eine Verbesserung für die Auszubildenden.

Ohne ein vernünftiges Angebot seien Urabstimmung und Streik wahrscheinlich, sagte Bsirske. Die Dienstleistungsgewerkschaft will dann laut Bsirske "die Beeinträchtigungen für die Bürger möglichst in Grenzen halten". Die Arbeitgeber sollten getroffen werden, nicht die Bürger.

Bsirske schließt auch einen gemeinsamen Arbeitskampf mit der IG Metall nicht aus, die ebenfalls gerade in schwierigen Tarifverhandlungen ist. "Dann wären die beiden größten Branchen zeitgleich im Streik. Das hat es in Deutschland noch nie gegeben", sagte er.

kng/DPA / DPA