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Wirtschaftskrise: Toyota wankt - Japan zittert

Jahrelang ging es für den japanischen Autobauer Toyota steil bergauf, doch jetzt schlägt auch beim Branchenprimus die Krise zu. Toyota rechnet erstmals seit mehr als 45 Jahren mit einem Verlust. Und ist damit ein Spiegelbild Japans. Das Land kämpft gegen Massenentlassungen und Rezession.

Japan steuert auf die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit zu. Die Industrieproduktion des Landes brach im Dezember in Folge der Weltwirtschaftskrise um 9,6 Prozent ein und damit so heftig wie noch nie. Wegen der Rezession in den USA, Europa und der Talfahrt in China ist die Nachfrage nach japanischen Autos und Elektronikgeräten dermaßen gesunken, dass Unternehmen wie Toyota und Sony die Produktion drosseln und Tausende Arbeiter entlassen. Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember rasant um 0,5 Prozentpunkte zum Vormonat auf 4,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die Zahl der offiziell nicht beschäftigten Menschen stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 390.000 auf 2,7 Millionen.

Toyota erwartet angesichts der Krise zum ersten Mal seit 1963 einen Verlust in der Jahresbilanz. Die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr, das Ende März endet, wurden zum dritten Mal gesenkt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo und die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Freitag berichteten. Demnach rechnet Toyota nunmehr mit Verlusten von rund 400 Milliarden Yen (3,4 Milliarden Euro). Zuvor wurde von einem Gewinnrückgang um 150 Milliarden Yen ausgegangen, insgesamt aber noch von einem geringfügigen Plus in der Gesamtbilanz. Toyota wird am 6. Februar sein Ergebnis für das Quartal von Oktober bis Dezember 2008 vorlegen.

Honda in der Krise

Ein noch schlimmeres Bild gibt der Autobauer Honda ab. Das Unternehmen hat zum vierten Mal seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt und im dritten Quartal beim operativen Gewinn einen Einbruch von 63 Prozent verzeichnet. Die japanische Nummer Zwei nach Branchenprimus Toyota erwartet nach Zahlen vom Freitag für 2008/2009 einen operativen Gewinn von 140 Milliarden Yen (rund 1,2 Milliarden Euro), was einem Rückgang von über 85 Prozent zum Vorjahr entspricht. Zuvor war Honda von einem Gewinn von 180 Milliarden Yen im Geschäftsjahr ausgegangen. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Gewinn von 135 Milliarden Yen erwartet.

Für das dritte Quartal gab Honda einen operativen Gewinn von 102,45 Milliarden Yen (rund 887 Millionen Euro) bekannt. Vor einem Jahr fuhr der Konzern im gleichen Zeitraum noch 276,24 Milliarden Yen ein. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um 17 Prozent auf 2,533 Billionen Yen (rund 21 Milliarden Euro).

Insgesamt fiel der Einbruch der Industrieproduktion stärker aus als von Analysten erwartet und übertrifft den erst im Vormonat erzielten Rekordrückgang von 8,5 Prozent. Die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sanken im Dezember um den Rekord von 35 Prozent. Als Folge streichen viele Unternehmen ihre Ertragsaussichten kräftig zusammen, lassen zigtausende Zeitarbeiter gehen und kürzen Überstunden. Nach einer am Freitag veröffentlichten Erhebung des Arbeitsministeriums haben schätzungsweise fast 125 000 irregulär Beschäftigte in Japans Industrie zwischen vergangenem Oktober und März ihren Arbeitsplatz verloren oder werden ihn noch verlieren.

DPA / DPA