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Wirtschaftsweiser Bofinger: "Schwerste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg"

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht das internationale Finanzsystem in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg und hat Banken wegen riskanter Geschäfte scharf kritisiert. Auch für die Konjunktur in Deutschland sieht er "klare Abwärtsrisiken".

Das internationale Finanzsystem befindet sich nach den Worten des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch für die Konjunktur in Deutschland gebe es klare Abwärtsrisiken. Groß- und Kleinanleger müssten aber keine Angst um ihre Ersparnisse haben, denn die betroffenen Banken würden "wie die Patienten auf der Intensivstation" rund um die Uhr von den Notenbanken betreut, sagte der Würzburger Ökonom der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Um die Finanzmärkte wieder sicherer zu machen, müsse der Staat nun mehr als bisher dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten die Regeln hielten. Auch müssten Kredite künftig wieder stärker über traditionelle Banken laufen und nicht über exotische Zwischenhändler.

Keine Kredite mehr über "exotische Zwischenhändler"

"Kredite müssen in Zukunft wieder stärker über traditionelle Banken laufen und nicht über exotische Zwischenhändler", so der Experte. Der Staat müsse dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten an die Regeln hielten. "Nur so werden die Finanzmärkte wieder sicherer." Zugleich zeigte sich Bofinger verwundert über den Ruf von Banken nach mehr Staat. Das Mitglied des Sachverständigenrates erklärte: "Gerade sie haben in den letzten Jahren alles getan, um staatliche Regeln zu umgehen. Die Devise lautete: Es müssen 25 Prozent Rendite her."

Für sichere Anlagen gebe es aber nur 4 Prozent Zinsen. Deswegen sei man hohe Risiken eingegangen und habe fragwürdige Geschäftsmodelle gewählt. "Wer auf der Landstraße eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h erzielen will, muss schneller fahren als erlaubt und Überholverbote ignorieren. Das geht eine Zeit lang gut, aber früher oder später kommt der Crash." Angst um Ersparnisse seien aber unbegründet, schrieb Bofinger. "Die kranken Banken werden rund um die Uhr von den staatlichen Notenbanken betreut, ähnlich wie die Patienten auf der Intensivstation. Die Eingriffe erfolgen so professionell, dass Groß- und Kleinanleger keine Angst um ihre Ersparnisse haben müssen." I

Gemeimsamer Plan zur Belebung der Weltkonjunktur

In den schlimmsten Fällen wie bei der Mittelstandsbank IKB helfe der Staat zusätzlich mit Steuergeldern aus. Die Hilfe für die Banken führte Bofinger auf das Ausmaß der Probleme zurück: "Das internationale Finanzsystem befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg."

In der "Passauer Neuen Presse" bekräftigte Bofinger seine Forderung nach einem international abgestimmten Ausgabenprogramm mit deutscher Beteiligung. Länder wie China, Russland, Japan, Deutschland, die Schweiz oder die Ölförderstaaten, die in den vergangenen Jahren massive Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen konnten, sollten sich gemeinsam überlegen, wie sie einen Beitrag zur Belebung der Weltkonjunktur leisten können. Allerdings unterscheide sich die Lage hierzulande grundlegend von der in den USA, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung. Der Aufschwung in Deutschland sei kein Aufschwung auf Pump gewesen. "Wo es keine Kreditblase gibt, kann auch keine platzen."

Starker Euro gefährdet deutsche Wirtschaft

Als größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft sieht Bofinger daher die massive Aufwertung des Euro. Die Gemeinschaftswährung sei seit dem Herbst gegenüber dem Dollar um rund zehn Prozent aufgewertet worden. "Zehn Prozent Aufwertung bedeuten für Deutschland einen halben Prozentpunkt weniger Wachstum", sagte Bofinger.

AP/Reuters / AP / Reuters