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Neues Produkt: Wladimir Klitschko entert Deutschlands Supermarkt-Regale - das steckt dahinter

Der bekannte Ex-Boxer Wladimir Klitschko ist unter die Unternehmer gegangen. Bislang bot er Kurse für mehr Willenskraft an. Jetzt will er mit eigenen Produkten die Supermarkt-Regale erobern. Dem stern berichtet er, was hinter der Idee steckt.

Dr. Wladimir Klitschko

Wladimir Klitschko beim Food Innovation Camp in Hamburg.

Die Aprilnacht 2017 wurde für viele Fans zum Abschied. Der Kampf im Wembley-Stadion vor 90.000 Zuschauern wurde zum letzten Auftritt als Boxer für Wladimir Klitschko. Nach 27 Profi-Jahren beendete er seine Karriere. Von seinen 69 Kämpfen gewann er 64, er wurde mit Auszeichnungen und Orden überhäuft. Bambi, Fernsehpreis, zig Sportlerehrungen. Einen Fanclub gibt es bis heute, auch ein Museum wurde für die Erfolge von Wladimir und seinem Bruder Vitali Klitschko eingerichtet. Die Klitschkos sind Superstars ihrer Zeit. 

Doch was passiert mit einem Menschen, wenn das helle Scheinwerferlicht nicht mehr auf einen herabscheint? Wenn die Öffentlichkeit langsam das Interesse verliert? Eine Studie der EBS-Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel fand vor einigen Jahren heraus, dass es gerade für Sportler schwierig sein kann, das alte Leben, das häufig nur in den Kategorie Niederlage oder Sieg stattfand, hinter sich zu lassen. Die einstigen Helden trudeln ohne klare Perspektive in ihr neues Leben.

Wladimir Klitschko und seine zweite Karriere

Wladimir Klitschko ist das nicht passiert. Schon früh arbeitete er an seinem Leben nach dem Sport. Und das in gewohnt strukturierter Manier: Neben dem Sport studierte er Sportwissenschaften und Philosophie, 2001 promovierte er mit seiner Dissertation "Pädagogische Kontrolle im Sport". Er gründete K2 Promotions und war schon während seiner Boxerzeit für alle Aktivitäten rund um die Kämpfe selbst verantwortlich. "Ich habe mich schon Jahre vor meinem Rücktritt aus dem Boxring mit meiner Karriere nach der Karriere beschäftigt", sagt Klitschko zum stern. "Tatjana Kiel, eine langjährige Wegbegleiterin, mit der ich schon während der Boxkarriere eng zusammengearbeitet habe, hat gemeinsam mit mir die zweite Karriere geplant. Als CEO von Klitschko Ventures übersetzte sie mit ihrem Team meine Lebensphilosophie 'Challenge Management' – die Fähigkeit, Probleme als Herausforderungen zu betrachten – in eine Methode." 

Challenge - also Herausforderung - ist Lebensantrieb für Klitschko. "Meine Karriere machte mich zum Weltmeister, verwandelte mich aber auch in eine Art 'Challenge-Meister'. Ich liebe Herausforderungen. Ich brauche sie", sagt Klitschko. Ziele setzen, trainieren und arbeiten, Rückschläge überwinden: Für Klitschko gibt es Parallelen zwischen seinem alten und neuen Leben. "Jeder Unternehmer weiß, dass das Geschäftsleben sich manchmal wie Kampfsport anfühlen kann. Athleten und Unternehmer sind zudem nur auf lange Sicht erfolgreich, wenn sie sich nachhaltig aufstellen, gut mit ihren Ressourcen umgehen", so Klitschko. "Ich habe festgestellt, wie wichtig es auch im Business ist, voll und ganz hinter dem zu stehen, was man tut und hart für diese Ziele zu arbeiten. Für mich steht fest: Willenskraft ist die stärkste Kraft – im Sport, im Business und im Leben."

Lebenserfahrung weitergeben

Dass seine sportliche Philosophie viel mehr sein kann, wurde Klitschko schmerzlich bewusst.  "Am 25. Oktober 2012 starb plötzlich mein Trainer Emanuel Steward. Fast unmittelbar wurde mir klar, dass mit Emanuel nicht nur ein enger Verbündeter, sondern auch sein ganzes Wissen und seine Erfahrungen verloren waren – denn diese hatte er nie für die Nachwelt festgehalten, nur von Trainer zu Athleten im 1:1 weitergegeben", berichtet Klitschko. "Das wollte ich anders machen und meine Erkenntnisse aus mehr als einem Vierteljahrhundert Leistungssport und in die Alltags- und Geschäftswelt transferieren."

Klitschkos Ansatz ist simpel - und doch wahnsinnig schwierig: "Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen" - so lautet sein Motto. Doch da diese Idee "eng mit meiner persönlichen Geschichte verknüpft ist, habe ich erkannt, dass es für echte Skalierbarkeit und den Transfer auf andere Lebensgeschichten eine Methode braucht." Wladimir Klitschko macht sein sportliches Credo zum Produkt, er vermarktet erlernbare Willenskraft - und steht mit seiner disziplinierten, ruhigen Art, die ihn auch als Boxer prägte, auch als Aushängeschild für seine Unternehmensidee F.A.C.E. Hinter den vier großen Buchstaben stecken "meine Erfolgsprinzipien - damals wie heute", sagt Klitschko: also Fokus, Wendigkeit, Kooordination und Ausdauer (Auf Englisch Focus, Agility, Coordination und Endurance, kurz F.A.C.E.). Heute bietet er Weiterbildungen und Coachings für Manager und Unternehmen, aber auch Camps, in denen die Teilnehmer lernen, "Körper und Geist in Verbindung zu bringen", so Klitschko. 

Klitschko bringt Produkte in den Supermarkt

Ab Herbst 2019 kommt noch ein weiterer Baustein dazu: Klitschko bringt Produkte in den Handel. Als exklusiven Partner schnappte sich Rewe Nord diesen Deal. Gemeinsam präsentierten die Partner ihre Idee auf dem "Hamburger Food Innocation Camp". Als erster Aufschlag kommen Tees in den Handel: Ein grüner Tee, der die Konzentration fördern soll und ein weißer Tee, der knochenwachstumsfördernd sein soll. Aber warum Tee? "Vor einigen Monaten war ich in Japan. In diesem Zuge habe ich an einer Teezeremonie teilgenommen und eine Teemeisterin kennengelernt. Sie hat mir, wie damals Emanuel mit dem Boxen, die Liebe zum Tee zurückgebracht und nostalgische Gefühle geweckt – und das am anderen Ende der Welt. Tee wird in Ländern wie dem in dem ich geboren bin, Kasachstan, von den Menschen viel mehr getrunken als Wasser", berichtet Klitschko. "Wir starten mit natürlichen und komplett zuckerfreien Teegetränken, die durch ihre gesundheitsfördernde und aktivierende Wirkung eine ideale Ergänzung zum täglichen Wassertrinken darstellen." 

Der Tee ist erst der Anfang, der ehemalige Boxer hat noch viele weitere Ideen. Denn die beiden Teesorten decken erst zwei seiner vier Erfolgsprinzipen ab. Dass er nicht gleich mit einer großen Produktpalette um die Ecke kommt, sei Strategie. "Ich bin ein 'Geduldiger'… Ja, Geduld und Geld gehören zusammen. Man muss strategisch vorangehen und nicht mit Eile. Geld machen ist nicht das Ziel. Das sollte es nie sein", sagt Klitschko. "Ich will eine durchgedachte und durchkalkulierte, sinnvolle und nachhaltige Unternehmung führen."

Ob Tee nun den philosophischen Überbau braucht oder nicht, werden die Kunden entscheiden. Klar ist allerdings: Mit ungesüßten Getränken liegt Klitschko im Trend. Nicht nur kleine Food-Firmen, die derzeit Regalfläche in den Supermärkten entern, setzen auf diesen Trend - sondern auch die großen Markenhersteller entwickeln neue Produkte, die gesünder sein sollen. "Das Hauptproblem ist, dass viele verlernt haben, auf ihre Körpersignale zu hören – sie verwechseln zum Beispiel sogar Durst mit Hunger. Das wirkt sich auf die körperliche Aktivität und durch Wechselwirkungen schließlich auch auf die mentale Stärke aus", sagt Klitschko. "Unser Körper leistet jeden Tag Großartiges und er trägt uns durch die Welt. Wir sollten ihm Gutes tun, damit er das noch lange kann."