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Bezahlbarer Wohnraum Was Deutschland vom Wohnungsbau in Wien lernen kann


Sozialwohnungen müssen nicht trist sein und in fieser Lage stehen: In Wien gibt es für sieben Euro Warmmiete pro Quadratmeter Traumwohnungen in gefragten Vierteln. Aber wie schafft Wien das nur?

Die Betonblöcke vom Mümmelmannsberg schrauben sich in den Himmel. Hier, unweit der Autobahn steht im Osten Hamburg das als Problemviertel verschriene Hochhausghetto. Im Vergleich zur übrigen Hansestadt wohnen hier viel mehr Ausländer, viel mehr Arbeitslose - und Jugendliche aus dem Viertel haben Probleme, einen  Ausbildungsplatz zu finden.

Sozialwohnung zu fürstlichen Preisen

Mümmelmannsberg ist eine von Deutschlands Sozialwohnungssiedlungen. Gebaut in den 1970er Jahren bieten die Hochhaustürme viel Platz - doch die Nettokaltmiete ist nicht billig, sie liegt durchschnittlich bei 8,85 Euro pro Quadratmeter. Deutschlands Durchschnittsmiete liegt bei nicht einmal sieben Euro. Kalt, versteht sich.

Für sieben Euro Warmmiete bekommt man in Wien eine Wohnung im Neubau mit besten Energiewerten. Und auch die Ausstattung kann sich sehen lassen, schreibt das Wirtschaftsmagazin "Brand eins: eine Dachterrasse mit Blick über die Stadt,", eine Sauna, ein Schwimmbad, ein Kino, ein großer Partyraum, ein Grillplatz, ein Hofgarten, eine Kletterwand und unzählige TV-Programme gehören zu dem Wohnpaket dazu. Was klingt, als ob die Wohnung Teil eines Luxus-Wohnkomplexes sein muss, ist in Wien öffentlich geförderter Wohnraum. Die Wohnanlage ist unweit des neuen Wiener Hauptbahnhofs entstanden. Inzwischen leben dort 1000 Menschen. Aber wie kann das sein, dass es in Wien Wohnraum zu solch günstigen Preisen gibt?

Wien fördert sozialen Wohnraum

Österreichs Hauptstadt fördert seit rund 100 Jahren den sozialen Wohnungsbau, schreibt "Brand eins". Bereits zwischen 1923 und 1934 legte der Alpenstaat ein riesiges Bauprogramm auf, um rund 65.000 Wohnungen zu schaffen. Nach dem Krieg wurde nahtlos an das Bestreben, bezahlbaren Wohnraum für alle zu stiften, angeknüpft. Inzwischen wohnt jeder zweite Wiener in einer günstigen Wohnung vom Staat oder bei einem gemeinnützigen Bauträger. Ganz anders in Deutschland: Berlin stieg beispielsweise 2002 aus dem sozialen Wohnungsbau komplett aus.

Daher wundert es nicht, dass Berlin jährlich nur 64 Millionen Euro in die Neubauförderung steckt, während Wien - nur halb so groß wie Deutschlands Hauptstadt - rund 680 Millionen dafür ausgibt. Möglich ist dies nur, weil der Bund sich an den enormen Baukosten beteiligt: Jährlich bekommt die Stadt pro Bausaison rund 450 Millionen Euro aus dem Finanzausgleich.

Deutschland hat Städte ausverkauft

Die Bautradition hat Wien vor einem großen Fehler bewahrt: Den Verkauf öffentlicher Flächen oder kommunaler Wohnungsbestände an Investoren. Das hat zwar in Berlin, Dresden und auch im Ruhrgebiet kurzzeitig die Geldbeutel der Städte und Kommunen aufgefüllt. Doch nun müssen sie die Zeche zahlen: Die explodierenden Mieten auf dem freien Markt können von sozial Schwachen nicht mehr allein geschultert werden und die Sozialämter müssen Beihilfen leisten. 


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