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Personalisiertes Angebot: So will sich Zalando fit für die Zukunft machen

Zalando hat große Pläne: Das Online-Modehaus will bis 2020 den Umsatz verdoppeln. Das soll durch passgenaue Angebote für die Kunden klappen. Aber auch neue Geschäftsfelder nimmt die Firma ins Visier. Das dürfte Drogerien wie Rossmann oder dm gar nicht gefallen.

Die Zukunft von Zalando

Zukunft von Zalando: Personalisierte Shops sollen Kunden locken.

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300.000 Artikel - so viele neue Stiefel, Pullover und Co. bringt der Onlinehändler jährlich in seine virtuellen Regale. Für die 22 Millionen aktiven Kunden ist das Angebot kaum zu überblicken. Das weiß auch Rubin Ritter, einer der Zalando-Chefs. Und doch macht er im Gespräch mit dem "Handelsblatt" klar: Das Sortiment wird im kommenden Jahr weiter wachsen.

Als Zalando 2008 mit dem Schuhverkauf im Netz startete, war mit dem Erfolg des Unternehmens kaum zu rechnen. Etwas mehr als 320.000 Euro setzten die Gründer damals um. In diesem Jahr wird der Umsatz 4,5 Milliarden Euro betragen. Damit kommt Zalando auf einen Marktanteil in Europa von einem Prozent. "Da geht also noch was", so Ritter zum "Handelsblatt". Um kräftig zu wachsen, sollen gleich mehre Strategien greifen.

Jeder bekommt sein eigenes Zalando

Ein wichtiger Hebel sollen künstliche Intelligenz und werden. Durch das Nutzungsverhalten, die Rücksendungen, ja selbst die nur angesehenen, aber nicht bestellten Artikel, weiß Zalando eine Menge über seine Kundschaft. Dieser Datenschatz soll nun gehoben werden. "Wir wollen und müssen im Leben unserer Kunden relevant bleiben. Das wiederum kann in Zukunft nur gelingen, wenn jeder sein eigenes Zalando bekommt", so Ritter weiter. Zalando arbeitet an einer Technik, die jedem Zalando-Kunden ein maßgeschneidertes Angebot präsentiert. Rund 600 IT-Experten arbeiten derzeit an dem Projekt. "Das ist für die nächsten zwölf bis 18 Monate eines unserer wichtigsten Projekte. Wir wollen keine Einbahnstraße sein, sondern mit den Kunden in einen echten Dialog treten", so Ritter.

Partnergeschäft soll überproportional zulegen

Aber auch das Portal selbst soll weiter wachsen. Bislang verdient Zalando sein Geld zum größten Teil damit, Mode einzukaufen und dann über den Shop weiterzuverkaufen. Rund 90 Prozent des Fashiongeschäfts funktioniert bislang so - doch nun will Zalando das so genante Partnergeschäft stärken. Dort können Hersteller direkt über Zalando verkaufen, ähnlich wie auch die eigene Plattform für Drittanbieter geöffnet hat. "Die Marken können auf unserer Plattform nicht nur ihre Waren anbieten, sie können auch unsere Kompetenz in Logistik und Marketing nutzen", sagt Ritter zum "Handelsblatt". Er geht davon aus, dass dieser Geschäftsbereich "überproportional wachsen" wird und auf über 20 Prozent Marktanteil kommen wird.

Zalando: Beauty als neues Wachstumsfeld

Ein weiteres Wachstumsfeld, das Zalando ins Visier genommen hat, wird vor allem Deutschlands großen Drogerieketten nicht gefallen. Denn der Modehändler will auch das Beauty-Segment erobern. Das hatte Zalando schon einmal probiert - und war kläglich gescheitert. "Das war 2012, als wir schlicht zu viel gleichzeitig wollten", sagt Ritter. Man habe sich erst einmal aufs Kerngeschäft konzentriert. Lippenstifte, Gesichtscremes, Haarpflege und Co. ins Sortiment aufzunehmen, scheint ein cleverer Schachzug. Der Umsatz mit Körperpflegemitteln lag zuletzt in Deutschland bei rund 13,6 Milliarden Euro, der mit Haarpflegeprodukten bei rund drei Milliarden Euro. Auch Amazon hat jüngst dieses Geschäftsfeld für sich entdeckt und ist eine Kooperation mit eingegangen. Die großen Drogerien wie dm, Rossmann oder Müller mussten sich zwar in den vergangenen Jahren von den Sensationsjahren mit zweistelligem Umsatzwachstum verabschieden - doch noch immer verdienen die Drogerien gutes Geld. Ob sich Zalando zu einem ernsthaften Konkurrenten in diesem Bereich entwickeln wird, muss der Onlinehändler erst beweisen.

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