Angesichts des im Zuge des Irankriegs global zurückgehenden Angebots an Öl und Gas sowie der steigenden Preise ruft die Internationale Energieagentur Regierungen, Wirtschaft und Verbraucher zu drastischen Maßnahmen auf. Die Experten empfehlen insgesamt zehn Sofortmaßnahmen, die den Verbrauch der fossilen Energieträger reduzieren sollen:
Zehn Sofortmaßnahmen der Internationalen Energieagentur
- Wo immer möglich, sollte von zu Hause aus gearbeitet werden. Dadurch
werde der Ölverbrauch für den Arbeitsweg reduziert. - Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen sollte um mindestens 10 km/h gesenkt werden. Niedrigere Geschwindigkeiten verringerten den Kraftstoffverbrauch von Pkw, Lieferwagen und Lkw.
- Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Eine Verlagerung vom Pkw auf Busse und Züge könne die Ölnachfrage schnell reduzieren.
- Wechselnde Zufahrt für Privatfahrzeuge zu Straßen in Großstädten an verschiedenen Tagen. Kennzeichenrotationssysteme könnten Staus und kraftstoffintensive Fahrten reduzieren.
- Mehr Carsharing und effizientere Fahrpraktiken. Eine höhere Fahrzeugauslastung und umweltschonendes Fahren könnten den Kraftstoffverbrauch schnell senken.
- Effizientes Fahren für Nutzfahrzeuge und Warenlieferungen. Durch bessere Fahrpraktiken, Fahrzeugwartung und Ladungsoptimierung könne der Dieselverbrauch gesenkt werden.
- LPG-Nutzung vom Transportsektor ablenken. Die Umstellung von Zweistoff- und umgerüsteten Fahrzeugen von LPG (Flüssiggas) auf Benzin könne LPG für das Kochen und andere wichtige Bedürfnisse einsparen.
- Flugreisen vermeiden, wenn alternative Möglichkeiten bestehen. Die Reduzierung von Geschäftsflügen könne den Druck auf die Kerosinmärkte schnell verringern.
- Wo möglich, auf andere moderne Kochlösungen umsteigen. Die Förderung von elektrischem Kochen und anderen modernen Optionen könne die Abhängigkeit von Flüssiggas verringern.
- Die Flexibilität bei petrochemischen Rohstoffen nutzen und kurzfristige Effizienz- und Wartungsmaßnahmen umsetzen. Die Industrie könne dazu beitragen, LPG für wichtige Zwecke freizusetzen und gleichzeitig den Ölverbrauch durch schnelle betriebliche Verbesserungen zu reduzieren.
Eine rasche Umsetzung der Maßnahmen könne "die wirtschaftlichen Auswirkungen der durch den Krieg im Nahen Osten verursachten Störungen auf den Ölmärkten auf die Verbraucher" abmildern, so die IEA.
Die Bundesregierung plant derzeit, keine der genannten Maßnahmen durch Gesetze umzusetzen. Zuletzt hatte sie ihre Beteiligung an der von der IEA beschlossenen Freigabe von Ölreserven angekündigt.
Das IEA-Sofortprogramm konzentriere sich primär auf den Straßenverkehr, weil dieser 45 Prozent des globalen Ölbedarfs ausmache. "Im Straßenverkehr lassen sich durch eine Kombination aus Verhaltens- und politischen Maßnahmen rasche Einsparungen erzielen", so die Institution mit Sitz in Paris.
Eine Lösung für die Öl- und Gasknappheit sei erst in Sicht, wenn sich die Verhältnisse im Nahen Osten bessern: "Die Wiederherstellung des Transits durch die Straße von Hormus ist weiterhin unerlässlich für die Stabilisierung der globalen Energiemärkte." Es drohe die schwerste Energiekrise der Geschichte.
Quellen: Internationale Energieagentur, Nachrichtenagenturen Reuters und DPA