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Opel-Krise: Grünes Licht aus Bochum

Sieben Tage standen die Produktionsbänder in Bochum still. Jetzt hat die Belegschaft entschieden, die Arbeit am Nachmittag wieder aufzunehmen. Ein erneuter Streik wird jedoch nicht ausgeschlossen.

Die Belegschaft des Bochumer Opel-Werks hat auf die Fortschritte in den Gesprächen von Gesamtbetriebsrat und Management reagiert. Die hatten sich darauf verständigt , dass das Bochumer Werk langfristig erhalten werden soll, wenn es wettbewerbsfähig sei. Damit endet die siebentägige Arbeitsniederlegung in Bochum, die Produktionsbänder laufen wieder an.

Schwierige Verhandlungen stehen bevor

Ein Sprecher des Betriebsrates sagte am Mittwoch, mehr als 4600 von 6400 abgegebenen Stimmen seien für weitere Verhandlungen mit dem Management und eine Wiederaufnahme der Arbeit abgegeben worden. Der Betriebsrat habe damit den Auftrag, weiter über die Sparpläne des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) mit dem Opel-Vorstand zu verhandeln. Jetzt lägen schwierige Verhandlungen vor den Arbeitnehmervertretern, sagte Betriebsratschef Dietmar Hahn. Nach der Betriebsversammlung soll die Produktion wieder laufen. Erneute Arbeitsniederlegungen sind aber nicht ausgeschlossen. Bei Opel und GM war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Einige Mitarbieter reagierten allerdings erbost auf das Ergebnis der Abstimmung, weil bei einem "Nein" auch weitere Verhandlungen abgelehnt worden wären. Kritisiert wurde, dass die Abstimmungsfrage "Soll der Betriebsrat die Verhandlungen weiter führen und die Arbeit wieder aufgenommen werden? Ja oder Nein?" das Abstimmungsergebnis vorweg genommen habe. Vertreter der IG Metall und des Betriebsrat hatten vor Beginn der Abstimmung die Belegschaft Teilnehmerkreisen zufolge indirekt aufgefordert, ihren Aufstand zu beenden.

Möglichkeit eines erneuten Streiks

Ein Mitglied des Betriebsrates sagte, bei Opel müssten nun endlich Verträge auf den Tisch, die jeder Arbeitnehmer verstehen könne. Sonst gebe es die Möglichkeit, erneut die Arbeit niederzulegen. Die Opel-Mitarbeiter in Bochum haben seit der Bekanntgabe der drastischen GM-Sparpläne am vergangenen Donnerstag nicht mehr gearbeitet.

Von der Produktion in Bochum sind andere Standorte in Europa abhängig. Am Nachmittag sollte die Herstellung des Astra im britischen Standort Ellesmere Port unterbrochen werden, weil für die Fertigung notwendige Teile aus Bochum fehlten. Dienstag hatte der Streik die Produktion in zwei anderen Werken lahmgelegt. Am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim wurde die Vectra-Fertigung um zehn Uhr wegen fehlender Zulieferungen aus Bochum gestoppt, das Werk Antwerpen schaltete um 14.00 Uhr die Bänder wegen Teilemangels ab.

Europaweiter Protest

Rund 50.000 Menschen waren am Dienstag gegen die Sparpläne des Mutterkonzerns europaweit auf die Straße gegangen und hatten ihrer Wut über die geplante Streichung von 12.000 Arbeitsplätzen Luft gemacht. In Rüsselsheim protestiereten allein 20.000 Menschen gegen die Sparpläne. Udo Löwenbrück, Sprecher der gewerkschaftlichen Vertrauensleute, sagte bei einer Kungebung vor dem Werk des Autobauers: "Bei Opel brennt der Dachstuhl und General Motors will mit Benzin löschen." Er drohte mit "einem Flächenbrand in Europa", würde GM keine Zugeständnisse an die Arbeitnehmer machen

Auch die polnischen, schwedischen und niederländischen Opel-Arbeiter hatten sich am Dienstag mit ihren deutschen Kollegen solidarisiert. Im polnischen Opel-Werk in Gliwice blieben die Bänder zwar nicht stehen, der Betriebsrat verteilte aber Flugblätter, um die Belegschaft über die Protestaktionen in Deutschland zu informieren. Im schwedischen Saab-Werk wurde für den Nachmittag eine zweistündige Produktionspause geplant. Die Arbeitnehmervertreter in Antwerpen hatten für Dienstag mehrere Arbeitsunterbrechungen angekündigt, um die 5.400 Beschäftigten über die Lage zu unterrichten.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters