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Energiekrise Stadtwerke Potsdam geben Rabatt beim Strompreis – für Kirchenmitglieder

Potsdam: Die Stadtwerke bieten Kirchenmitgliedern günstigeren Strom an
Die Stadtwerke Potsdam bieten Kirchenmitgliedern günstigeren Strom an (Symbolbild)
© Hauke-Christian Dittrich / DPA
In Potsdam können sich einige Menschen über günstigere Strompreise freuen als in den restlichen Republik – aber nur, wenn sie Kirchenmitglieder sind. Nun wird Kritik laut. 

Viele Menschen in Deutschland fürchten die nächste Stromrechnung. Die Energiepreise sind in den vergangenen Monaten so stark gestiegen, dass nicht wenige in Umfragen angaben, lieber Geld für die nächste Nebenkostenabrechnung beiseite zu legen als in den Urlaub zu fahren. Die Nachfrage nach Angeboten und Rabatten ist logischerweise groß, aber diese sind ebenso rar gesät. In Potsdam jedoch können Abnehmer mit verhältnismäßig günstigem Strom rechnen. Der Haken dabei: Die Kunden müssen Mitglied in der Kirche sein.

Potsdam: Stadtwerke gibt Rabatt beim Strompreis – aber nur für Kirchenmitglieder

Möglich macht dieses Kuriosum der Tarif "EchtKircheÖko". Menschen in Potsdam und Umgebung können über die Stadtwerke so Strom beziehen, der bis zu 14 Cent pro Kilowattstunde günstiger ist als der reguläre Tarif. Das berichtet unter anderem "T-Online". 

Der Grund für den Rabatt für Gläubige liegt schon einige Jahre zurück. Bereits seit 2004 können Kirchenmitglieder in Potsdam Strom über ihre Gemeinde beziehen. Wie "Bild" berichtet, war der ursprüngliche Gedanke, den Gemeindemitgliedern ihren Wunsch nach möglichst ökologischem Strom zu erfüllen. Deshalb gingen die Gemeinden in Verhandlungen mit den Stadtwerken Potsdam. Heraus kam ein Tarif, der die Kunden mit 100 Prozent Öko-Strom versorgte. Finanziell habe sich der Kircheneintritt nur wegen des Stromtarifes in den vergangenen Jahren nicht gelohnt. Seit die Energiepreise so stark gestiegen sind, ist dies allerdings anders.

Zwei-Klassen-Gesellschaft auch innerhalb der Kirche

Kunden, die in Berlin wohnen, über die Stadtwerke Potsdam ihren Strom beziehen und Kirchenmitglieder der Katholischen Kirche sind, zahlen aktuell im Tarif "EchtKircheÖko" 25,28 Cent pro Kilowattstunde. Protestanten müssen kurioserweise tiefer in die Tasche greifen. Bei ihnen wird ein Preis von 29,71 Cent pro Kilowattstunde fällig. Auch innerhalb des Kirchenstroms scheint also eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu bestehen. Doch diese zahlt immer noch deutlich weniger als ein regulärer Neukunde, der nicht in einer Kirchengemeinde ist. Für sie wird ein Preis von 39,76 Cent aufgerufen – also knapp 14 Cent mehr als für Katholiken. 

Das wirkt auf den ersten Blick nicht wie sonderlich viel Geld, hochgerechnet auf ein Jahr kommt allerdings einiges zusammen, wie der "Focus" vorrechnet: Bei einem Verbrauch von 2500 Kilowattstunden pro Jahr zahlt ein Kirchenmitglied demnach 847,79 Euro. Wer nicht zur Katholischen Kirche gehört, zahlt für denselben Verbauch 1077,04 Euro pro Jahr.

Kritik aus dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Potsdam

In beiden Fälle handelt es sich um 100 Prozent Ökostrom. Der Unterschied dabei: Die Kirchengemeinden in Potsdam haben mit schon früh langfristige Verträge mit den Stadtwerken Potsdam geschlossen. Diese Verträge und die deutlich geringeren Vor-Krisen-Preise bestehen auch weiterhin und können nach wie vor als Neukunde abgeschlossen werden. Wie lange dies noch möglich ist, ist allerdings nicht bekannt.

Linken-Politiker Stefan Wollenberg, selbst im Aufsichtsrat der Potsdamer Stadtwerke, kritisiert die Vergünstigungen für Kirchenmitglieder." Eine Bevorzugung religiöser Überzeugungen bei Strom- und Gaspreisen darf es nicht geben", sagte er der "Bild".

Quellen: Bild.de, t-online.de, focus.de, Kirchenkreis Potsdam

pgo

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