HOME

Studie: Falsche Ausbildungspolitik gefährdet Wirtschaftskraft

Falsche Weichenstellungen in der Bildungs- und Forschungspolitik gefährden nach einem Gutachten für die Bundesregierung die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands. Deutschland habe im weltweiten Vergleich seinen früheren "Bildungsvorsprung" längst eingebüßt.

Falsche Weichenstellungen in der Bildungs- und Forschungspolitik gefährden nach einem Gutachten für die Bundesregierung die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands. Die Bundesrepublik habe im weltweiten Vergleich ihren früheren "Bildungsvorsprung" längst eingebüßt, heißt es in dem am Mittwoch von Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) vorgestellten Bericht.

Die Forscher verweisen auf Qualitätsmängel in Schulen und Studium und beklagen die insgesamt im internationalen Vergleich zu geringen Abiturienten- und Studentenzahlen in Deutschland. Um hochwertige Produkte zu produzieren, würden mehr hochwertig ausgebildete junge Menschen benötigt. Insbesondere fehlten Fachkräfte mit technisch- naturwissenschaftlicher Ausbildung. In Deutschland absolvierten sieben von 1.000 jungen Menschen ein Technik-Studium, in anderen Staaten seien dies bis zu 15.

Auch bei Forschung und Entwicklung sei Deutschland im internationalen Wettbewerb Anfang bis Mitte der 90er Jahre "in ein Loch gefallen". Bulmahn sagte, durch erhebliche Mittelsteigerungen habe die Bundesregierung seit 1998 "das Ruder herumgerissen". Sie kritisierte die Ankündigung der Unionsländer, aus der gemeinsamen Bund-Länder-Bildungsplanung auszusteigen.

Zahl der Lehrstellen um mehr als 43.000 gesunken

Die deutsche Wirtschaft hat die Zahl der Lehrstellen im vergangenen Jahr offenbar drastisch reduziert. Die „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe) berichtet unter Berufung auf interne Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dass bis zum 30. September 2002 mit gut 570.000 Ausbildungsverträgen 43.000 weniger als im Vorjahr abgeschlossen worden seien.

Den gleichen Rückgang hatte IG-Metall Chef Klaus Zwickel bereits Ende Januar genannt. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun bewertet die Aussichten auch für das laufende Jahr als schlecht. Er rechne nochmals mit "einem ähnlichen Rückgang" beim Lehrstellenangebot, zitiert die Zeitung aus einem internen DIHK-Papier.