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Tarifverhandlungen: Bahn verzichtet auf Kündigungen

Bei der Bahn haben sich Vorstand und Gewerkschaften auf eine Beschäftigungsgarantie bis 2010 geeinigt. Zugleich sollen ab 2005 die Mitarbeiter an eventuellen Gewinnen des Unternehmens beteiligt werden.

Das Beschäftigungsbündnis bei der Deutschen Bahn wird bis 2010 verlängert. Zugleich werden die Arbeitskosten um 5,5 Prozent gesenkt, indem bei den Entgelten eine Wochenarbeitszeit von 40 statt bisher 38 Stunden zu Grunde gelegt wird. Darauf und auf eine Mitarbeiterbeteiligung an eventuellen Unternehmensgewinnen ab 2005 einigten sich Gewerkschaften und Management der Bahn am Dienstagabend nach einer knapp zweistündigen letzten Runde der mehrmonatigen Tarifverhandlungen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sprach von einem "großen Schritt in die Zukunftsfähigkeit" des Unternehmens. Die Bahn habe eine Entgeltreduzierung dringend gebraucht, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Nun müsse die Politik dafür sorgen, dass die richtigen Rahmenbedingungen für die Bahn geschaffen würden.

Erklärungsfrist bis 15. Februar

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, machte darauf aufmerksam, dass seit der Bahnreform genau 4.000 Tage vergangen seien. Keiner müsse Angst haben, arbeitslos zu werden. Seinen Angaben zufolge gibt es eine Erklärungsfrist bis 15. Februar. Laut Bahn-Personalvorstand Norbert Bensel gilt das Beschäftigungsbündnis zwar formell nur für Mitarbeiter, die länger als fünf Jahre im Konzern sind, es gebe jedoch eine politische Erklärung, dass auch bei jüngeren Mitarbeitern alle Möglichkeiten der internen Vermittlung ausgeschöpft würden. "Jeder, der sich aktiv einbringt, wird seinen Arbeitsplatz behalten können." Auch Mehdorn sagte, gerade die Jüngeren sollten die Bahn voranbringen.

Bensel zufolge trifft die Arbeitskostenreduzierung die einzelnen Beschäftigten, indem als Referenzwert für das Entgelt nun 2.088 Jahresstunden vereinbart worden seien, was rechnerisch einer 40-Stunden-Woche entspricht. Bisher basierte das Gehalt auf der 38-Stunden-Woche. Wer nach wie vor dasselbe Gehalt haben wolle, müsse nun zwei Stunden durchschnittlich mehr arbeiten. Kirchner sagte, der einzelne Arbeitnehmer habe aber die Wahl, ob er diesen Weg gehen wolle, oder ob er weniger arbeiten, aber dann auch weniger Geld verdienen wolle.

Gewerkschafter betonen Vorleistung der Mitarbeiter

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Manfred Schell, betonte, die Mitarbeiter hätten große Vorleistungen erbracht. Management und Eigentümer der Bahn müssten nun für mehr Verkehr auf der Schiene sorgen, damit auch Mehrarbeit für die Mitarbeiter entstehe. Der Chef der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, zeigte sich zufrieden, dass die Einigung noch vor den Weihnachtsfeiertagen erzielt und den Mitarbeitern damit Sicherheit für ihre Zukunft gegeben worden sei. "Der Preis, den sie gezahlt haben, war nicht unerheblich", sagte er.

Meldungen über einen 2005 bevorstehenden Abbau von rund 9.000 Stellen bei der Bahn AG bestätigte Bensel nicht. Die Zahl stimme nicht. Er verwies auf die Politik des Unternehmens, wonach es nicht Ziel sei, Stellen abzubauen, sondern wirtschaftlich zu arbeiten.

AP/DPA / AP / DPA